Deutsche Tageszeitung - Eklat bei Stauffenberg-Gedenken: Bonhoeffer-Großneffe will AfD-Kranz entfernen

Eklat bei Stauffenberg-Gedenken: Bonhoeffer-Großneffe will AfD-Kranz entfernen


Eklat bei Stauffenberg-Gedenken: Bonhoeffer-Großneffe will AfD-Kranz entfernen
Eklat bei Stauffenberg-Gedenken: Bonhoeffer-Großneffe will AfD-Kranz entfernen / Foto: © AFP/Archiv

Eklat am Rande der Berliner Gedenkfeier zum Jahrestag des Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler: Ein Großneffe des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, Tobias Korenke, protestierte am Montag auf der Veranstaltung im Bendlerblock gegen einen von der AfD niedergelegten Kranz und versuchte, ihn zu entfernen. Er sei der Aufforderung, das Gebinde wieder niederzulegen, nicht nachgekommen und "des Bendlerblocks verwiesen worden", sagte Korenke der Nachrichtenagentur AFP.

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Korenke begründete seine Protestaktion mit dem "unkritischen Verhältnis" der AfD zum Nationalsozialismus. Eine in Teilen gesichert rechtsextreme Partei, die "Lehrpläne im Fach Geschichte ändern" und "den Schuldkult" und damit die Erinnerung an den Widerstand gegen das NS-Regime abschaffen wolle, "eine solche Partei hat nicht die Opfer des Widerstands gegen den Nationalsozialismus zu ehren", sagte Korenke zu AFP. Die AfD sei "eine Partei, die die Freiheiten der Demokratie nutzt, um genau diese abzuschaffen".

Die Grünen-Politiker Misbah Khan und Andreas Audretsch, die an der Veranstaltung teilnahmen, äußerten Verständnis für das Verhalten Korenkes. "Wer an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnert, muss auch klar benennen, wer seine Lehren heute infrage stellt. Ein Kranz der AfD bei der Feierstunde zum Gedenken an den Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft ist mit dem Geist der Veranstaltung unvereinbar", sagten sie der Nachrichtenagentur AFP.

"Es verdient Anerkennung, Respekt und Unterstützung, dass Tobias Korenke als Nachfahre der NS-Widerstandskämpferfamilie Bonhoeffer diesen Kranz nicht akzeptiert hat", betonten beide Grünen-Politiker weiter. Sie wiesen darauf hin, dass führende Vertreter der AfD "wiederholt die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert oder dessen Sprache und Symbolik aufgegriffen" hätten. Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus aber "verdient Erinnerung, Respekt und Konsequenz nicht Vereinnahmung".

Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte am 20. Juli 1944 versucht, Hitler mit einer Bombe zu töten. Zusammen mit anderen Widerstandskämpfern wollte er die Herrschaft der Nationalsozialisten stürzen und den von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg beenden. Das Vorhaben scheiterte jedoch, Stauffenberg und mehrere Mitverschwörer wurden noch am selben Tag erschossen.

Der Enkel des Attentäters Karl Schenk Graf von Stauffenberg kritisierte in der "Welt" ebenfalls die Kranzniederlegung der AfD scharf. Allerdings sagte er der Zeitung, man dürfe dies aus seiner Sicht der AfD auch "nicht verwehren". Gleichwohl finde er "die AfD in ihrer ganzen Art und Weise mit meinem Großvater umzugehen ganz grauenhaft und ganz widerlich". Die Partei versuche seinen Großvater für die eigenen Zwecke zu missbrauchen.

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) erinnerte an das Vermächtnis der Hitler-Attentäter. Die "vielleicht wichtigste Lehre" des 20. Juli sei "nicht die Frage, ob wir eines Tages zu Heldinnen oder Helden werden, sondern ob wir jeden Tag Menschen sind, die den Mut haben, ihrem Gewissen zu folgen". Denn die Freiheit von morgen entscheide sich "in unserem Handeln heute", sagte sie.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) appellierte auf der traditionellen Gelöbnisfeier zum Jahrestag des Attentats an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung der Soldatinnen und Soldaten. Der neue Wehrdienst schaffe ein Bewusstsein dafür, wofür es sich als Gesellschaft zu kämpfen lohne, sagte er bei der Zeremonie im Berliner Bendlerblock.

(U.Beriyev--DTZ)

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