Deutsche Tageszeitung - Nach tagelangen Protesten: Selenskyj entlässt Armeechef Syrsky

Nach tagelangen Protesten: Selenskyj entlässt Armeechef Syrsky


Nach tagelangen Protesten: Selenskyj entlässt Armeechef Syrsky
Nach tagelangen Protesten: Selenskyj entlässt Armeechef Syrsky / Foto: © UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE/AFP/Archiv

Nach tagelangen Protesten hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Entlassung von Armeechef Oleksander Syrsky verkündet. Das Amt solle der bisher für übergreifende Einsätze der Teilstreitkräfte zuständige General Mychailo Drapaty übernehmen, teilte Selenskyj am Dienstagabend mit. Er danke "Syrsky und all unseren Kämpfern für die starken Frontstellungen der Ukraine". In den vergangenen Tagen hatte es massive Proteste gegen die zuvor erfolgte Ablösung von Verteidigungsminister Mychailo Fedorow gegeben, der sich mit Syrsky überworfen hatte.

Textgröße ändern:

Federow erklärte in Onlinediensten, die Entlassung Syrskys bringe "frischen Wind und neue Hoffnung in den Kampf freier Menschen für Freiheit und Gerechtigkeit". Der entlassene Verteidigungsminister hatte Syrsky in der vergangenen Woche vorgeworfen, seine Ablösung mit einem Ultimatum erzwungen zu haben.

Statt Wege zu finden, Russland mit asymmetrischen Mitteln zu besiegen, habe Syrsky das Land gespalten, kritisierte Federow in der vergangenen Woche. "In dieser Konstellation weiß ich persönlich nicht, wie der Krieg gewonnen werden kann." Er kritisierte langsame bürokratische Abläufe und mangelnde Flexibilität innerhalb der Streitkräfte. Syrsky verteidigte daraufhin seine Bilanz und rief dazu auf, sich auf den seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg zu konzentrieren.

Der 60-jährige Syrsky hatte den Posten seit 2024 inne. Dem in Russland geborenen und in Moskau ausgebildeten ukrainischen Armeechef war es nie gelungen, den Ruf eines Generals mit sowjetischer Mentalität abzulegen. Kritiker werfen ihm vor, Menschenleben auf die leichte Schulter zu nehmen. Dies hat ihm den Beinamen "Schlächter" eingebracht.

Der nur sechs Monate amtierende Fedorow, der bei seiner Ernennung 35 Jahre alt war, hingegen verkörpert für viele Ukrainer die Modernisierung einer von Bürokratie und Korruptionsvorwürfen belasteten Armee. Tausende Menschen gingen gegen seine Entlassung auf die Straße.

Syrskys Nachfolger Drapaty hatte während des Donbass-Kriegs 2014 gegen die von Moskau unterstützten Separatisten gekämpft. Von ihm gibt es ein Video, das mutmaßlich zeigt, wie er bei den Gefechten zwischen pro-russischen Milizen und Regierungstruppen in Mariupol mit einem gepanzerten Fahrzeug einen Kontrollpunkt der Separatisten durchbricht.

Der 43-Jährige bedankte sich in einem Facebook-Beitrag bei Selenskyj für seine Ernennung zum Armeechef. "Der Dienst für die Ukraine war für mich schon immer eine Ehre, und während des Unabhängigkeitskrieges bedeutet er absolute Verantwortung", betonte er. "Ruhm der Nation. Tod den Feinden", fügte Drapaty hinzu.

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine dauert bereits mehr als vier Jahren. Die Zahl der getöteten Zivilisten ist nach Angaben der Vereinten Nationen stark gestiegen. In der ersten Jahreshälfte habe die UN-Menschenrechtsmission in der Ukraine (HRMMU) "1396 zivile Todesopfer und 7978 verletzte Zivilisten dokumentiert", erklärte deren Leiterin Danielle Bell am Dienstag in Genf. Dies entspreche einem Anstieg von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew über eine Beendigung des Kriegs sind festgefahren. Zudem gerieten die von den USA vermittelten Gespräche wegen des Iran-Kriegs in den Hintergrund. Moskau fordert den Rückzug ukrainischer Truppen aus der gesamten ostukrainischen Region Donezk – Kiew lehnt dies ab.

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Organspende: Bundestagspräsidentin Klöckner will gegen Widerspruchslösung stimmen

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) will im Bundestag gegen die Einführung der Widerspruchslösung bei der Organspende stimmen. Sie sei für die Organspende, aber "gegen die Einführung der Widerspruchslösung", sagte Klöckner nach Angaben vom Dienstag im Podcast "Meine schwerste Entscheidung" der Funke Medien. "Es ist schon ein Unterschied, ob ich proaktiv aus freien Stücken zu etwas zustimme oder ob der Staat für mich erstmal eine Entscheidung trifft, generisch: Du bist erstmal Organspender."

Trump bestreitet Waffenangebot an China

US-Präsident Donald Trump hat bestritten, dem chinesischen Staatschef Xi Jinping den Verkauf von US-Waffen angeboten zu haben. Trump wies am Montag Angaben des US-Botschafters in China, David Perdue, zurück. Er habe mit Xi nicht über Rüstungsgeschäfte gesprochen, sagte der Präsident.

Putin ordnet weitere Aufstockung der russischen Armee an

Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Montag ein Dekret unterzeichnet, das die Personalstärke der Armee um weitere 15.500 Soldaten erhöht. "Die zulässige Personalstärke der russischen Streitkräfte wird auf 2.441.630 Menschen festgesetzt, darunter 1.550.500 Militärangehörige", hieß es in dem Dekret. Einen Grund nannte Putin nicht. Er hatte bereits im März, Juni und Juli eine Aufstockung der Armee verkündet.

USA: Keine Pläne für Waffenverkauf an China

Die USA halten nach Angaben aus Washington an ihrem langjährigen Waffenembargo gegen China fest. "Die US-Regierung hat keine Pläne, Waffen an China zu verkaufen", sagte ein Regierungsvertreter am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Er wies damit Angaben des US-Botschafters in China, David Perdue, zurück.

Textgröße ändern: