Deutsche Tageszeitung - Proteste ausgeweitet: Indische Kakerlaken-Bewegung erhöht Druck auf Modi-Regierung

Proteste ausgeweitet: Indische Kakerlaken-Bewegung erhöht Druck auf Modi-Regierung


Proteste ausgeweitet: Indische Kakerlaken-Bewegung erhöht Druck auf Modi-Regierung
Proteste ausgeweitet: Indische Kakerlaken-Bewegung erhöht Druck auf Modi-Regierung / Foto: © AFP

Bei ihrem Protest gegen Missstände im Bildungssystem in Indien haben Anhänger der sogenannten Kakerlaken-Partei (CJP) den Druck auf die Regierung von Ministerpräsident Narendra Modi erhöht. Die Demonstranten, die einen Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan fordern, weigerten sich am Mittwoch, einen Platz im Zentrum der indischen Hauptstadt Neu Delhi zu verlassen. Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP zufolge wuchs die Menschenmenge im Laufe des Tages auf mehrere Tausend Menschen an.

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Die Unterstützung für die CJP weitete sich auch auf andere Regionen aus, in Mumbai, Bengaluru und Goa fanden kleinere Proteste statt. Der bei Protesten gegen Missstände im Bildungssystem festgenommene indische Oppositionsführer Rahul Gandhi kam derweil wieder frei.

"Wir werden (den Platz) Jantar Mantar nicht verlassen, bis Dharmendra Pradhan zurücktritt", sagte CJP-Sprecher Ashutosh Ranka vor jubelnden Anhängern. Unter den Demonstranten sind viele Studenten. Sie erhielten am Dienstag erheblichen Rückhalt, nachdem sich Oppositionsparteien hinter ihre Bewegung gestellt hatten.

Oppositionsführer Gandhi forderte von der Regierung eine Entschuldigung für das harte Vorgehen der Polizei gegen zehntausende Demonstranten am Montag. Dabei war es in Neu Delhi zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen, dutzende Menschen wurden verletzt. Menschenrechtsgruppen warfen der Polizei vor, übermäßige Gewalt angewendet zu haben.

Gandhi führte am Dienstag zunächst einen Marsch von Abgeordneten zur Residenz Modis an. Dort kam es dann zu einer Sitzblockade, bei der Demonstranten "Nieder mit Modi!" und "Wir wollen Gerechtigkeit" skandierten. Später beobachteten AFP-Reporter, wie Gandhi und andere Teilnehmer in einem Bus weggebracht wurden. Später wurde der 56-Jährige freigelassen, am Mittwoch erschien er im Parlament.

Entzündet hatten sich die Proteste an Missständen im Bildungssystem. So mussten mehr als zwei Millionen Medizinstudenten eine Prüfung wiederholen, weil die Aufgaben vor dem ursprünglichen Termin bekannt geworden waren. Hinzu kamen Probleme bei einem Online-Bewertungssystem, das ebenso viele Schülerinnen und Schüler traf.

Speerspitze der Protestbewegung ist die Kakerlaken-Partei CJP, die inzwischen im Internet zwei Millionen Follower zählt. Der Name geht auf einen Kommentar des Obersten Richters Surya Kant zurück, der junge Regierungskritiker während einer Anhörung als "Kakerlaken" und "Parasiten" bezeichnet hatte.

Bildungsminister Pradhan hatte am Dienstag Veränderungen in Aussicht gestellt. Die Regierung sei den Menschen "Reformen und Rechenschaft schuldig", schrieb er in Onlinediensten. "Genau das will unsere Regierung auch weiterhin liefern."

(N.Loginovsky--DTZ)

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