Deutsche Tageszeitung - UNO: Debatte um Guterres-Nachfolge - Spekulation über Trump-Favoriten Infantino

UNO: Debatte um Guterres-Nachfolge - Spekulation über Trump-Favoriten Infantino


UNO: Debatte um Guterres-Nachfolge - Spekulation über Trump-Favoriten Infantino
UNO: Debatte um Guterres-Nachfolge - Spekulation über Trump-Favoriten Infantino / Foto: © AFP

Sechs Kandidatinnen und Kandidaten für die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres liefern sich am Donnerstag in New York eine öffentliche Debatte. Dabei treten unter anderem die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet und der Argentinier Rafael Grossi an, der die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) leitet. Nicht mit von der Partie ist der angebliche Wunschkandidat von US-Präsident Donald Trump: Fifa-Chef Gianni Infantino.

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Eine "Townhall"-Debatte hat die UNO ab 23.00 Uhr MESZ angekündigt. Die sechs Anwärter für den Top-Posten bei den Vereinten Nationen werden 90 Minuten lang von Diplomaten, UN-Mitarbeitern und Vertretern der Zivilgesellschaft befragt. Auf der UN-Webseite ist ein Livestream angekündigt.

Die Veranstaltung werde die "seltene Gelegenheit bieten, sich mit den Ideen, Prioritäten und der Führungsvision der Kandidatinnen und Kandidaten für einen der wichtigsten Posten der Welt auseinanderzusetzen", erklärte die Präsidentin der UN-Generalversammlung, die frühere Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne).

Beobachter sehen die Vereinten Nationen vor ihrer größten Bewährungsprobe seit der Gründung vor rund 81 Jahren. Trump hat Finanzmittel gekürzt und einen eigenen "Friedensrat" ins Leben gerufen, in dem viele Diplomaten eine Konkurrenzveranstaltung zur UNO sehen.

Angesichts dessen wirke das Rennen um die Guterres-Nachfolge "eher kraftlos", sagt Richard Gowan von der International Crisis Group. Die Kandidaten träten "sehr vorsichtig auf" - offenbar, "um die USA und andere Vetomächte nicht zu verärgern".

Denn die Vetomächte - neben den USA sind dies China, Frankreich, Großbritannien und Russland - spielen eine Schlüsselrolle im Rennen um den Top-Posten. Sie können einen missliebigen Kandidaten mit ihrem "Nein" verhindern. Zudem geben sie zusammen mit den zehn nicht-ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats eine Empfehlung an die Vollversammlung ab. Am 30. Juli ist dazu im Sicherheitsrat eine erste Abstimmung angesetzt.

Neben Bachelet und Grossi kandidieren die frühere Präsidentin der UN-Vollversammlung, María Fernanda Espinosa aus Ecuador; zudem die Chefin der UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD), Rebeca Grynspan aus Costa Rica, die Diplomatin Carolyn Rodrigues-Birkett aus Guyana und der ehemalige Präsident des Senegal, Macky Sall. Bei früheren Befragungen der einzelnen Kandidaten hatten sich die meisten von ihnen für weitere UN-Reformen ausgesprochen, um die Vereinten Nationen effizienter zu machen, und für ein stärkeres Engagement des UN-Generalsekretärs für den Frieden weltweit.

Gowan von der International Crisis Group sieht Grossi als einen der Favoriten. Es könne aber immer noch ein Überraschungskandidat ins Rennen kommen.

Etwa Infantino? Die "New York Post" will erfahren haben, dass Trump gerne den befreundeten Fifa-Chef an der UN-Spitze installieren würde. Die Fußball-Weltmeisterschaft habe gezeigt, dass Infantino "von allen auf der ganzen Welt respektiert" werde und "eine besondere Fähigkeit" habe, Menschen zusammenzubringen, zitierte das Blatt einen Verantwortlichen aus Trumps Umfeld, der seinen Namen nicht nennen wollte.

Gegen den Schweizer Infantino spräche, dass nach dem Portugiesen Guterres nicht erneut ein Europäer an der Reihe wäre. Diesmal beanspruchen die Länder Lateinamerikas den UN-Spitzenjob für sich. Baerbock hat sich zudem dafür stark gemacht, den Posten ab 2027 erstmals mit einer Frau zu besetzen.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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