Deutsche Tageszeitung - Jesidische Nobelpreisträgerin Murad: Gerechtigkeit kommt "zu langsam"

Jesidische Nobelpreisträgerin Murad: Gerechtigkeit kommt "zu langsam"


Jesidische Nobelpreisträgerin Murad: Gerechtigkeit kommt "zu langsam"
Jesidische Nobelpreisträgerin Murad: Gerechtigkeit kommt "zu langsam" / Foto: © AFP

Zwölf Jahre nach dem Völkermord an den Jesiden im Irak hat die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad auf "zu langsame Fortschritte" auf dem Weg zur Gerechtigkeit für die Volksgruppe hingewiesen. "Für viele Familien ist es eine wahre Qual, da sie Tag für Tag in Zelten warten, während viele andere weiterhin in Gefangenschaft sind", sagte die 33-Jährige bei einer Pressekonferenz am UN-Sitz in Genf.

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"Viele haben immer noch Familienangehörige in Gefangenschaft. Die sterblichen Überreste ihrer getöteten Angehörigen wurden weder identifiziert noch übergeben. Wir haben Verwandte, die in Flüchtlingslagern leben", schilderte sie die Situation der Jesiden. Sie forderte zudem mehr Einsatz der internationalen Gemeinschaft, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Im August 2014 hatte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) weite Teile des Irak erobert, einschließlich der angestammten Siedlungsgebiete der Jesiden im Sindschar-Gebirge. Der IS verfolgte gezielt Angehörige der jesidischen Minderheit.

Die Islamisten zwangen jesidische Frauen und Mädchen in die Sklaverei, rekrutierten Jungen als Kindersoldaten und töteten tausende Männer. Schätzungsweise 5000 Menschen wurde ermordet, hunderte sind nach wie vor verschollen.

Die Gräueltaten des IS zwangen zudem hunderttausende Jesiden zur Flucht. Die Aufklärung der Verbrechen ist bis heute nicht abgeschlossen, die UNO stufte sie später als Völkermord ein.

Eine weitere frühere Sexsklavin kritisierte auf der Pressekonferenz scharf, dass einige IS-Mitglieder nach ihrer Rückkehr nach Europa heute "in Freiheit leben". Ihren Opfern sei das nicht möglich. Gleichzeitig begrüßte sie die Verurteilung eines ihrer Peiniger in Belgien im vergangenen Jahr.

Nadia Murad war von IS-Milizionären verschleppt und versklavt worden und konnte erst nach einigen Monaten fliehen. Weil sie die Gewalttaten des IS offen anprangerte, erhielt sie 2018 gemeinsam mit dem kongolesischen Gynäkologen Denis Mukwege den Friedensnobelpreis.

(L.Barsayjeva--DTZ)

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