Deutsche Tageszeitung - Mindestens zehn Tote bei neuen russischen Raketenangriffen auf Kiew

Mindestens zehn Tote bei neuen russischen Raketenangriffen auf Kiew


Mindestens zehn Tote bei neuen russischen Raketenangriffen auf Kiew
Mindestens zehn Tote bei neuen russischen Raketenangriffen auf Kiew / Foto: © AFP

Die russische Armee hat Kiew erneut massiv aus der Luft angegriffen - dabei wurden nach ukrainischen Angaben in der Nacht zum Samstag mindestens zehn Menschen in der Hauptstadtregion getötet und mehr als 30 weitere verletzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Luftabwehr habe nur eine der 27 auf Kiew abgefeuerten ballistischen Raketen abfangen können. US-Präsident Donald Trump hatte sich zuvor zurückhaltend zur möglichen Herstellung von Patriot-Abfangraketen in der Ukraine geäußert.

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Nach Angaben des staatlichen ukrainischen Rettungsdienstes griff die russische Armee fünf Bezirke von Kiew mit Raketen an. Neun Menschen wurden laut den Behörden innerhalb der Hauptstadt getötet und rund 30 weitere verletzt. In der Umgebung von Kiew wurde demnach ein weiterer Mensch getötet und drei andere verletzt.

Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete im Onlinedienst Telegram von "Explosionen in der Stadt". Die Bewohner forderte er auf, in den Schutzräumen zu bleiben. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP hörten nacheinander mehr als zehn Explosionen. Die Wucht der Detonationen ließ zahlreiche Autoalarmanlagen anspringen. Auch die Botschaft Litauens wurde nach litauischen Angaben beschädigt.

Anwohner berichteten von Verwüstung durch die Angriffe. "Alles war zertrümmert, die Fenster, alles", sagte die 75-jährige Kateryna Krawtschenko AFP mit Blick auf ihre Wohnung. "Ich kann kaum stehen. Ich weiß nicht, wie ich das alles durchstehen soll." Die 46-jährige Oksana sagte, sie plane Kiew zu verlassen. "Nach so etwas kann man hier nicht bleiben", sagte sie AFP. "Was garantiert mir, dass es nicht wieder passiert?"

Auf Telegram veröffentlichte Fotos des Rettungsdienstes zeigten Feuerwehrleute bei Löscharbeiten an einem Gebäude, bei dem es sich offenbar um ein Wohnhaus handelte. Andere Aufnahmen zeigten Rettungskräfte mit Taschenlampen, die Trümmer durchsuchten. Der Rettungsdienst erklärte, dass 105 Menschen aus den betroffenen Gebieten in Kiew gerettet worden seien.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Samstag, es habe einen "massiven Schlag" gegen Kiew ausgeführt. Dabei seien "Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes und Logistikzentren" anvisiert worden.

Selenskyj hatte schon am Mittwoch vor einem drohenden "massiven" russischen Angriff gewarnt. Am Samstag rief er erneut die Verbündeten auf, seinem Land Patriot-Raketen zu liefern. Es sei der Mangel an Abwehrsystemen gegen ballistische Raketen, der Russland "dazu ermutigt, solche Angriffe ausführen, die Menschenleben kosten", schrieb Selenskyj im Onlinedienst X.

Zuletzt hatten die russischen Streitkräfte ihre Raketenangriffe auf die Ukraine intensiviert. Eine AFP-Analyse auf der Grundlage von Daten der ukrainischen Luftwaffe ergab, dass die russische Armee im Juli eine Rekordzahl von Raketen auf die Ukraine abfeuerte.

Demnach beschoss sie das Nachbarland mit 376 Raketen - mehr als doppelt so viele wie im Juni. Zudem hätten die russischen Streitkräfte ihren Einsatz von ballistischen Raketen von insgesamt 200 bis 300 im gesamten Jahr 2024 auf 126 allein im Juli dieses Jahres gesteigert.

Selenskyj hatte am Dienstag in Washington mit Trump über das Patriot-Abwehrsystem gesprochen. Der US-Präsident äußerte sich am Freitag allerdings erneut zurückhaltend zu einer möglichen Lizenz für die Herstellung von Patriot-Abfangraketen in der Ukraine.

Die USA müssten dabei "sehr vorsichtig" sein, sagte Trump bei einer Kabinettssitzung in der Präsidentenresidenz Camp David. "Diese Waffen sind unglaublich. Wir müssen sehr vorsichtig sein, wenn wir jemandem erlauben, sie zu bauen."

Fast viereinhalb Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gibt es weiterhin keine konkreten Aussichten auf ein Ende der Kämpfe. Die von den USA vermittelten Verhandlungen über eine Waffenruhe liegen derzeit auf Eis.

Russland überzieht die Ukraine seit Beginn des Krieges permanent mit Luftangriffen. Die Ukraine verstärkte zuletzt ihre Gegenangriffe auf russischem Staatsgebiet. Diese Angriffe richten sich gegen die russische Energie- und Militär-Infrastruktur und sollen Moskau an den Verhandlungstisch zwingen.

Das russische Verteidigungsministerium teilte am Samstag mit, seine Luftverteidigungssysteme hätten in der Nacht 274 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört. Bei ukrainischen Angriffen auf von Russland besetzte Gebiete der Ukraine wurden nach Angaben der örtlichen pro-russischen Behörden mindestens zwei Menschen getötet.

Später meldete die russische Atombehörde Rosatom, ein russisches Containerschiff sei im Schwarzen Meer von ukrainischen Drohnen versenkt worden. Mindestens zwei ukrainische Drohnen hätten die "Janina" nahe dem russischen Hafen Noworossijsk getroffen, die 17-köpfige Besatzung habe von Bord gehen müssen. Rosatom-Chef Alexej Lichatschew bezeichnete den Angriff als "Piraterie und Raub auf See".

(Y.Leyard--DTZ)

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