Deutsche Tageszeitung - Von Kommunalwahl in Friesland ausgeschlossen: AfD-Politiker scheitert vor Gericht

Von Kommunalwahl in Friesland ausgeschlossen: AfD-Politiker scheitert vor Gericht


Von Kommunalwahl in Friesland ausgeschlossen: AfD-Politiker scheitert vor Gericht
Von Kommunalwahl in Friesland ausgeschlossen: AfD-Politiker scheitert vor Gericht / Foto: © AFP/Archiv

Der wegen Zweifeln an seiner Verfassungstreue von der niedersächsischen Kommunalwahl im Kreis Friesland ausgeschlossene AfD-Politiker Martin Sichert ist mit einem Eilantrag auf Zulassung gescheitert. Das Verwaltungsgericht Oldenburg wies seinen Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz nach Angaben vom Montag ab. Entscheidungen der zuständigen Gremien, die sich unmittelbar auf das eigentliche Wahlverfahren bezögen, seien immer erst durch einen Wahleinspruch nach einer Wahl überprüfbar. Sichert wollte im Kreis Friesland als Kandidat bei der Landratswahl antreten. (Az. 6 B 4195/26)

Textgröße ändern:

Angesichts einer Vielzahl von Einzelentscheidungen der Wahlorgane und Wahlbehörden sei ohne eine solche Begrenzung der Rechtskontrolle im Vorfeld generell keine termingerechte Wahl möglich, betonte das Gericht zur Begründung. Es gebe im vorliegenden Fall auch keinen offensichtlichen Fehler im Wahlverfahren, der in einem späteren Wahlprüfungsverfahren zur Ungültigkeit der Wahl führen würde.

In diesem Zusammenhang wies das Gericht darauf, dass der zuständige Kreiswahlausschuss bei seiner Entscheidung über die Nichtzulassung Sicherts neben den Prüfergebnis der Kommunalaufsicht und Erkenntnissen des Landesverfassungsschutzes auch "eine Vielzahl von ihm persönlich zuzurechnenden öffentlichen Äußerungen und Betätigungen" hinzugezogen habe. Sichert habe unter anderem Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten.

In Niedersachsen finden am 13. September Kommunalwahlen statt. Auf Grundlage einer Neuerung im Kommunalwahlgesetz müssen die Kommunen Kandidaten auf ihre Verfassungstreue prüfen und dürfen dafür auch Erkenntnisse des Verfassungsschutzes einholen. Dieser stufte den AfD-Landesverband im Februar als gesichert rechtsextremistisch ein.

Sichert ist einer von mehreren AfD-Kandidaten, die von der Kandidatur ausgeschlossen wurden. Neben dem Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Friesland traf es unter anderem auch AfD-Vizelandeschef Stephan Bothe, der nicht als Landratskandidat im Landkreis Lüneburg zugelassen wurde.

Sichert wollte den für ihn zuständigen Kreiswahlausschuss per Eilantrag verpflichten, ihn doch noch als Bewerber zuzulassen. Hilfsweise wollte er nach Gerichtsangaben erreichen, dass dieser zumindest neu entscheidet.

Das Verwaltungsgericht lehnte den Eilantrag mit Beschluss vom Montag ab. Dieser ist aber noch nicht rechtskräftig. Sichert kann Beschwerde beim niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg dagegen einlegen.

Gegen die fraglichen Regelungen zur Verfassungstreue von Kandidaten im Kommunalwahlgesetz und das neu eingeführte Prüfverfahren hatten die Oldenburger Richter dabei keine grundsätzlichen Bedenken. Es bestünden "keine offensichtlichen verfassungsrechtlichen Bedenken", betonten sie.

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

UN-Zahlen für 2025: 350 Helfer in Krisengebieten getötet

In Krisengebieten wie dem Gazastreifen und dem Sudan sind Zahlen der Vereinten Nationen zufolge im vergangenen Jahr 350 humanitäre Helfer getötet worden. Der Gazastreifen sei mit 186 Toten im dritten Jahr in Folge der weltweit gefährlichste Einsatzort gewesen, erklärte das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) am Montag. Im Sudan wurden demnach 71 Hilfskräfte getötet.

Medien: Premier Burnham fällt auf Imitator von US-Stabschefin Wiles rein

Der neue britische Premierminister Andy Burnham ist Medienberichten zufolge auf einen Imitator der US-Stabschefin Susie Wiles reingefallen. Burnham habe "mehrere Nachrichten" über einen nicht näher bezeichneten Kommunikationskanal an einen Menschen geschickt, von dem er annahm, dass es sich um Wiles handelte, bevor ihm der Kontakt verdächtig vorkam, wie das Nachrichtenportal "Politico" am Montag unter Berufung auf anonyme Kreise berichtete.

Russisches Gericht verurteilt Jabloko-Politiker Schlosberg zu elf Jahren Haft

Ein russisches Gericht hat einen hochrangigen Politiker der von der bevorstehenden Parlamentswahl ausgeschlossenen Anti-Kriegs-Partei Jabloko zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht im nordwestrussischen Pskow befand den Jabloko-Politiker Lew Schlosberg am Montag wegen "Diskreditierung der Armee" für schuldig und verhängte gegen ihn eine Freiheitsstrafe von elf Jahren und einem Monat. Jabloko sprach von einer "Tragödie des Zerfalls der zeitgenössischen russischen Justiz".

Thüringer BSW steht zu Koalition - weitere Konfrontation mit Parteispitze

Das BSW in Thüringen hat sich zur gemeinsamen Koalition mit CDU und SPD bekannt und sich damit klar gegen die Bundesspitze der Partei gestellt. Bei einer Fraktionssitzung in Erfurt stimmten die Landtagsabgeordneten des BSW am Montag einstimmig für eine Fortsetzung der Regierung unter Ministerpräsident Mario Voigt (CDU). BSW-Landeschefin Katja Wolf verbat sich auch an die Adresse des Bundesvorstands gerichtet "ferngesteuerte politische Kampagnen" und sprach von nervigen Debatten.

Textgröße ändern: