Deutsche Tageszeitung - USA fordern Unterstützung für "Wirtschaftskrieg" gegen den Iran

USA fordern Unterstützung für "Wirtschaftskrieg" gegen den Iran


USA fordern Unterstützung für "Wirtschaftskrieg" gegen den Iran
USA fordern Unterstützung für "Wirtschaftskrieg" gegen den Iran / Foto: © AFP/Archiv

Die USA erhöhen den Druck auf andere Länder, ihren "Wirtschaftskrieg" gegen den Iran zu unterstützen, um die Regierung in Teheran zu stürzen. Washington werde auf Verbündete und Rivalen "zugehen und sagen: Entweder ihr seid auf unserer Seite oder gegen uns", sagte US-Finanzminister Scott Bessent dem US-Sender CNBC am Donnerstag. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump "die vernichtendste Wirtschaftsoperation aller Zeiten" angekündigt.

Textgröße ändern:

Der Wirtschaftskrieg werde seine Wirkung zeigen, zeigte sich Bessent sicher und erklärte: "Wir werden dieses Regime zu Fall bringen". Auf die Frage, ob Washington auch Druck auf China ausüben werde, sagte Bessent, entsprechende Gespräche würden unter vier Augen geführt. Peking solle allerdings "auf Linie kommen". Am 24. September will der chinesische Präsident Xi Jinping nach Washington reisen.

Falls "maximaler wirtschaftlicher Druck" ausgeübt werde, sei es unwahrscheinlich, dass es erneut zu "groß angelegten Kampfhandlungen" komme. Bessent kündigte an, am Montag Einzelheiten zu den Maßnahmen bekannt geben zu wollen.

Zuvor hatte Trump in seinem Onlinedienst Truth Social "die vernichtendste Wirtschaftsoperation" angekündigt, "die je gegen ein Land ausgeführt wurde". "Dies wird ein Wirtschaftskrieg und eine Isolation in beispiellosem Ausmaß sein."

Auch er drängte andere Länder dazu, sich der US-Haltung anzuschließen. "Ich kündige zudem an, dass jedes Land, das seinen Finanzinstituten, Unternehmen, Flughäfen oder staatlichen Stellen gestattet, dem Iran irgendeine Art von Rettungsleine zu reichen, selbst mit enormen wirtschaftlichen Konsequenzen rechnen muss", erklärte Trump. Als Beispiele nannte er "Ölschmuggel" sowie "Bargeldtransfers, Wechselstuben, Schiffsregister, Scheinfirmen".

Trump machte keine Angaben dazu, welche Länder seiner Meinung nach mit Teheran zusammenarbeiten. Auch ließ er offen, wie die Konsequenzen für diese Länder genau aussehen sollen.

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi wies Trumps Drohungen im Onlinedienst X als "Manöver zur Ablenkung von beispielloser Verschuldung und explodierenden Zinskosten" in den USA zurück. Washington betreibe "Wirtschaftsterrorismus". "Ein Festhalten an gescheiterter Politik wird nur weitere Niederlagen bringen sowie die Feindschaft der Iraner."

Die USA halten seit Jahrzehnten Sanktionen gegen den Iran aufrecht. Trump hatte diese während seiner ersten Amtszeit noch verschärft. Das vom früheren Präsidenten Barack Obama ausgehandelte internationale Atomabkommen mit dem Iran kündigte er einseitig auf. Der Iran hat trotz der strengen Sanktionen Wege gefunden, weiterhin Öl zu exportieren. Größter Abnehmer ist China. Auch Russland und die Türkei treiben Handel mit Teheran.

Der Iran-Krieg dauert inzwischen bereits seit knapp sechs Monaten an. Die nun von Trump verkündete Verschärfung des wirtschaftlichen Drucks erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem weder eine diplomatische noch eine militärische Lösung in Sicht ist. Außerdem ist die für den weltweiten Transport von Rohöl und Flüssiggas wichtige Straße von Hormus weiterhin geschlossen.

Der US-Präsident steht wegen des Krieges innenpolitisch unter massivem Druck. Dieser wird durch die im November anstehende Kongresswahl, bei der Trumps Republikanern eine Niederlage droht, noch verstärkt.

Trumps Drohungen trieben den Ölpreis am Donnerstag nach oben. Mit einem Plus von 2,5 Prozent kostete ein Fass der Nordseesorte Brent am Nachmittag 94 Dollar. Ein Barrel der US-Referenzsorte WTI kostete 87 Dollar.

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Buenos Aires: Flávio Bolsonaro von Brasilien über Argentinien nach Ecuador gereist

Der bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien unterlegene Kandidat Flávio Bolsonaro ist nach Angaben der argentinischen Regierung nach seiner Flucht aus Brasilien über Argentinien nach Ecuador gereist. Bolsonaro sei am Dienstagabend nach Argentinien eingereist, ehe er einen Flug nach Ecuador angetreten habe, erklärte die argentinische Einwanderungsbehörde am Mittwoch im Onlinedienst X. Bolsonaro hatte am Sonntag die Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva verloren. US-Medien hatten berichtet, Bolsonaro sei in den USA eingetroffen.

Israels Wahlbehörde: Nach Auszählung von 50 Prozent der Stimmen führt Netanjahus Block

Bei der Parlamentswahl in Israel liegt nach Auszählung der Hälfte aller Stimmzettel offiziellen Angaben zufolge der Block von Regierungschef Benjamin Netanjahu vor dem Block der Opposition. Nach Angaben der israelischen Wahlkommission vom Mittwoch kommen Netanjahus Likud-Partei und ihre Verbündeten nach Auszählung von 50.1 Prozent der Stimmzettel auf 56 der 120 Sitze im Parlament. Das Oppositionsbündnis unter Gadi Eisenkot kommt demnach auf 49 Sitze, die Listen der arabischen Israelis auf 15.

Trump kündigt "sehr bald" Treffen mit Putin und Selenskyj an

US-Präsident Donald Trump hat ein baldiges Treffen mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj angekündigt. "Es wird sehr bald ein Treffen geben", sagte Trump am Mittwoch vor Journalisten. "Ich glaube, dass dabei große Fortschritte erzielt werden könnten", fügte er mit Blick auf die diplomatischen Bemühungen hinzu, den seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden Krieg zu beenden.

Nach knappem Wahlausgang in Israel beanspruchen beide Blöcke die Regierungsbildung

Nach dem knappen Ausgang der Parlamentswahl in Israel haben beide Blöcke die Regierungsbildung für sich beansprucht. Sowohl Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als auch der wichtigste Oppositionspolitiker Gadi Eisenkot kündigten am Mittwoch an, eine neue Regierung bilden zu wollen. Allerdings verfehlten beide Blöcke die dafür erforderliche Mehrheit von 61 Sitzen. Prognosen zufolge lagen sie gleichauf. Deutliche Zugewinne verzeichneten dagegen die beiden Listen der arabischen Staatsbürger - sie könnten nun zum Königsmacher werden.

Textgröße ändern: