Deutsche Tageszeitung - Kolumne: Warum Nationalstolz auf „Made in Germany“ reaktionär ist

Kolumne: Warum Nationalstolz auf „Made in Germany“ reaktionär ist


Kolumne: Warum Nationalstolz auf „Made in Germany“ reaktionär ist
Kolumne: Warum Nationalstolz auf „Made in Germany“ reaktionär ist

In einer aktuellen Kolumne setzt sich der Autor kritisch mit dem Begriff des Nationalstolzes auseinander. Er lehnt die Identifikation mit Deutschland als Geburtsort ab und entkräftet das Mythos „Made in Germany“ mit Verweis auf die globale Produktion. Der Text warnt vor reaktionären Narrativen, die keine Zukunft haben.

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Die Frage nach dem Sinn von Nationalstolz und der Identifikation mit dem eigenen Land wird in einer aktuellen Kolumne radikal hinterfragt. Der Autor beginnt dabei mit einer persönlichen Anekdote, die die Absurdität der Verbindung zwischen seiner Herkunft und internationalen Klischees aufzeigt. Als er einmal in den USA aufgrund seines Ausweises aus Frankfurt angesprochen wurde, reagierte ein Polizist begeistert mit den Worten: „Great, man. Frankfurt. Home of the Hot Dog!“

Während der Polizit dies als Kompliment meinte, fühlte sich der Autor von dieser Assoziation nicht geehrt, sondern eher verunsichert. Er sieht in der amerikanischen Interpretation deutscher Küche keine kulturelle Bereicherung, sondern eine „kulinarische Grausamkeit“. Die Beschreibung der Hot Dogs als in kaum gebackene Teigklumpen gestopfte Würste, ertränkt in Ketchup, Senf und Mayonnaise und bedeckt mit Röstzwiebeln, empfindet er als Armutszeugnis. Daraus leitet er ab, dass er keinen Stolz auf die Stadt empfindet, nach der diese Form der Nahrungszubereitung benannt wurde.

Dieser persönliche Befund mündet in eine grundsätzliche Kritik am Konzept des Stolzes selbst. Der Autor charakterisiert Stolz als eine der arrogantesten Eigenschaften eines Menschen, als Ausgeburt von Selbstverliebtheit, die höchstens bei Kindern oder als therapeutisches Mittel verständlich sei. Bei Erwachsenen führe ein anhaltender Triumphgefühls-Stolz zu pathologischen Zuständen. Übertragen auf den Nationalstolz stellt er fest, dass dieser oft auf einer falschen Terminologie beruhe: Es müsste eigentlich vom „Mutterland“ sprechen, da Männer in den seltensten Fällen Kinder gebären. Diese sprachliche Korrektur sei nicht nur korrekt, sondern könnte die Welt friedlicher machen, da Kriegsherren weniger Menschen an die Front schicken würden, wenn sie selbst unter Schmerzen geboren hätten.

Die eigentliche Kritik richtet sich gegen die Rechtfertigung von Stolz auf das eigene Land und Volk. Der Autor fragt rhetorisch: „Wer ein Volk haben möchte, sollte es mit der Imkerei probieren.“ Die Idee, stolz auf ein Land zu sein, nur weil man zufällig dort geboren wurde, lehnt er ab. Er sieht darin kein Recht, sondern eine willkürliche Zuschreibung.

Besonders scharf wird die Kritik an der deutschen Medienlandschaft gerichtet. Der Autor wirft der „Bild“-Zeitung vor, den bereits vorhandenen Ausländerhass zu verstärken und populistisch auf Auflage zu setzen, indem sie AfD-Sympathisant:innen nach dem Maul schneide. In diesem Kontext sehe man einen Stolz auf Deutschland als heilige Kuh. Ein jüngstes Beispiel dafür sei die Klage der Zeitung, dass das Label „Made in Germany“ nicht mehr als Gütesiegel gelte.

Demgegenüber stellt der Autor nüchtern fest, wie viele Teile eines Volkswagen heute noch in Deutschland produziert werden und wo Kleidung, Schuhe, Pillen, Wertpapierrenditen, Gebisse sowie Computer, Fernseher und Handys hergestellt werden. Selbst die Dosentomaten auf der Pizza kämen oft aus China. Diese Fakten seien unumkehrbar. Das Beharren auf dem Mythos „Made in Germany“ sei daher nichts anderes als populistisches, reaktionäres Geschwätz aus einer Welt von vorgestern. Wer in eine Welt von morgen wolle, könne mit solchen Narrativen nicht ungeschoren bleiben.

Die Kolumne endet mit der Forderung, sich von dieser Art des Stolzes zu lösen und die Realität der globalisierten Wirtschaft anzuerkennen, anstatt in veralteten Identitätsmustern zu verharren.

(P.Tomczyk--DTZ)

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