Deutsche Tageszeitung - Sánchez weist erneut marokkanische Verantwortung für Ceuta-Krise zurück

Sánchez weist erneut marokkanische Verantwortung für Ceuta-Krise zurück


Sánchez weist erneut marokkanische Verantwortung für Ceuta-Krise zurück
Sánchez weist erneut marokkanische Verantwortung für Ceuta-Krise zurück / Foto: © AFP

Gut einen Monat nach dem Andrang zehntausender Migranten auf Ceuta hat Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez erneut eine Verantwortung Marokkos als unbewiesen zurückgewiesen. Keine staatliche Stelle und keine internationale Organisation habe der Regierung "stichhaltige Beweise" dafür vorgelegt, dass Marokko die Ereignisse geplant oder gesteuert habe, sagte Sánchez am Donnerstag im Parlament. Damit stellte sich der Sozialist gegen einen am Mittwoch bekannt gewordenen spanischen Polizeibericht.

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In dem Schreiben, das auch der Nachrichtenagentur AFP vorlag, wird den marokkanischen Sicherheitskräften unter anderem "völlige Nachsicht" während des Massenandrangs vorgeworfen. Sánchez sagte hierzu am Donnerstag, sollten tatsächlich stichhaltige Beweise für eine Verantwortung Marokkos vorliegen, werde Spanien "mit der ganzen Entschlossenheit handeln, die die Situation erfordert".

In dem Bericht hatte es weiter geheißen, die Polizeipräsenz an der Grenze sei am Tag des Ansturms deutlich geringer gewesen als üblich, zudem hätten die Einsatzkräfte keinen ernsthaften Versuch unternommen, die Menschenmenge zurückzuhalten. Aussagen von Migranten zufolge hätten marokkanische Kräfte ihnen teilweise sogar den Weg zur Grenze gewiesen.

Sánchez hatte in den vergangenen Tagen hingegen Israel, Russland und der internationalen extremen Rechten die Verbreitung von "Falschinformationen" im Zusammenhang mit der Ceuta-Krise vorgeworfen.

In seiner Regierungserklärung reagierte Sánchez indes ungewöhnlich scharf auf jüngste marokkanische Gebietsansprüche auf Ceuta und Melilla. Äußerungen zweier marokkanischer Minister dazu seien "inakzeptabel". Beide Städte seien "seit Jahrhunderten spanisch" und würden dies "bis ans Ende der Zeiten" bleiben.

Sánchez sprach sich zudem für einen Besuch von König Felipe VI. in beiden Exklaven aus. Als bislang letzter spanischer Monarch war 2007 Felipes Vater Juan Carlos nach Ceuta und Melilla gereist, seine Reise löste damals eine diplomatische Krise zwischen Spanien und Marokko aus.

Marokko beansprucht die Souveränität über Ceuta und Melilla und betrachtet die beiden spanischen Exklaven an seiner Mittelmeerküste als besetzte Gebiete. Die Forderung hat Rabat allerdings nicht bei den Vereinten Nationen erhoben. Madrid weist die marokkanischen Ansprüche zurück und betrachtet beide Städte als integralen Bestandteil Spaniens.

Am 30. und 31. Juli waren mehr als 72.000 Menschen aus Marokko nach Ceuta gelangt. Mindestens 91 Menschen kamen nach offiziellen spanischen Angaben ums Leben. Mehrere Tausend Migranten halten sich weiterhin dort auf.

(M.Travkina--DTZ)

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