Deutsche Tageszeitung - Frankreichs Rechtspopulisten: Le-Pen-Nichte drängt nach vorne

Frankreichs Rechtspopulisten: Le-Pen-Nichte drängt nach vorne


Frankreichs Rechtspopulisten: Le-Pen-Nichte drängt nach vorne
Frankreichs Rechtspopulisten: Le-Pen-Nichte drängt nach vorne / Foto: © AFP/Archiv

Gut sieben Monate vor der französischen Präsidentschaftswahl zeichnen sich bei den Rechtspopulisten von Marine Le Pen interne Spannungen ab: Le Pens Nichte, die noch weiter rechtsaußen stehende Marion Maréchal, kündigte an, im Wahlkampf eine führende Rolle zu spielen. "Natürlich werde ich bei den großen Ereignissen dabei sein und alles dafür tun, dass Marine Le Pen gewinnen wird", sagte die Enkelin des Parteigründers Jean-Marie Le Pen am Mittwoch dem Sender CNews. Eine feste Funktion brauche sie dafür nicht. "Ich denke, alle haben verstanden, dass Marine Le Pen mir vertraut", sagte die 36-Jährige, die für eine rechtsextreme Splitterpartei im EU-Parlament sitzt.

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Maréchal gilt als erbitterte Rivalin des sechs Jahre jüngeren Chefs des Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, der lange selbst auf die Präsidentschaftskandidatur gehofft hatte. Nach einem Bericht der Zeitung "Libération" bestand Bardella darauf, Maréchal nicht zum Parteitreffen mit Le Pen am kommenden Wochenende nach Le Touquet einzuladen. Maréchal erklärte dazu, dass sie dann ohnehin nicht im Land sei. Bardella sagte dazu, dass Unstimmigkeiten intern geklärt würden.

Maréchal hatte sich zeitweise auch mit ihrer Tante Marine Le Pen überworfen. Als es dem Parteigründer gesundheitlich immer schlechter ging, hatten die beiden sich jedoch wieder ausgesöhnt.

Unterdessen werden zunehmend inhaltliche Unterschiede zwischen Le Pen und Bardella deutlich, unter anderem mit Blick auf die Rentenreform. Bardella sei zudem wegen seiner Reise nach Großbritannien bei Le Pen in Ungnade gefallen, berichtete das Investigationsmagazin "Le Canard Enchaîné". In Birmingham unterzeichnete Bardella am vergangenen Freitag gemeinsam mit dem britischen Rechtsaußen-Politiker Nigel Farage eine Absichtserklärung über die Rückführung von Migranten, die über den Ärmelkanal kommen. Später betonte er, dass dies die Präsidentschaftskandidatin nicht verpflichte.

"Die Partei Rassemblement National bleibt eben ein Familienunternehmen", erklärte ein namentlich nicht genannter Vertrauter Bardellas dem "Canard Enchaîné". Tatsächlich gelten auch Le Pens Schwager Philippe Olivier und ihr Ex-Mann Louis Aliot weiterhin als Schwergewichte in der Partei.

Le Pen hatte Anfang Juli ihre Kandidatur bekräftigt, nachdem ein Berufungsgericht sie wegen der Veruntreuung von EU-Geldern zu einer Haftstrafe verurteilt hatte. Da sie vor das Oberste Berufungsgericht zieht, ist diese Strafe derzeit ausgesetzt. Es wird damit gerechnet, dass Le Pen in dem Verfahren auf Zeit spielt und es vor der Präsidentschaftswahl am 18. April und 2. Mai 2027 nicht zu einem Urteil kommt.

(M.Travkina--DTZ)

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