Deutsche Tageszeitung - Linnemann will Gesundheitssystem effizienter machen

Linnemann will Gesundheitssystem effizienter machen


Linnemann will Gesundheitssystem effizienter machen
Linnemann will Gesundheitssystem effizienter machen / Foto: © AFP

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will für mehr Effizienz im Gesundheitssystem sorgen. "Wir sind nicht effizient genug. Wir geben sehr viel Geld für Gesundheit aus und bekommen dafür an zu vielen Stellen nicht die Versorgung, die wir brauchen", sagte Linnemann am Donnerstag im Bundestag in seiner ersten Rede als Bundesgesundheitsminister.

Textgröße ändern:

In seinem Handeln wolle er sich von drei Grundsätzen leiten lassen, sagte Linnemann vor den Abgeordneten bei den Beratungen über seinen Etat. Es gehe erstens um eine "verlässliche Gesundheitsversorgung" und zweitens um eine "solide Finanzierung des Gesundheitssystems". Seine dritte Leitlinie sei, dass im Mittelpunkt des Systems "immer der Mensch" stehen müsse.

Der Bundeshaushalt 2027 sieht im Gesundheitsbereich Ausgaben in Höhe von rund 14,3 Milliarden Euro vor, gut 7,4 Milliarden Euro weniger als im laufenden Jahr.

Wer medizinische Hilfe brauche, müsse schnell an die richtige Stelle kommen, sagte der Minister. Als wichtigen Ansatzpunkt nannte er die Notfallreform, die sich bereits im parlamentarischen Verfahren befindet. Rettungsdienste und Notaufnahmen seien überlastet, weil ein erheblicher Teil der Patientinnen und Patienten "die Krankenhäuser aufsucht, obwohl die Behandlung grundsätzlich auch ambulant" möglich sei. "Ein harmloser Infekt ist kein Fall für die Notfallaufnahme. Bei einem Herzinfarkt hingegen zählt jede Sekunde."

Bei der Finanzierung des Gesundheitssystems reiche es nicht, "einfach nur das nächste Loch zu stopfen. Wir müssen grundsätzlich an die Strukturen ran, um langfristig wieder solide Finanzen zu haben." Dabei seien auch Einsparungen unvermeidlich. Die Finanzlage der sozialen Pflegeversicherung nannte Linnemann "desaströs". Für das kommende Jahr sei ein Defizit von acht Milliarden Euro zu erwarten, für 2028 sogar mehr als 15 Milliarden. Um auch in Zukunft ein verlässliches Pflegesystem zu haben, "müssen wir an die Doppelstrukturen, Fehlanreize und ineffizienten Abläufe ran".

Bei der Versorgung von Patienten und Pflegebedürftigen müssten Ärzte und Pflegekräfte wieder mehr Zeit bekommen. "Ein Krankenhausarzt ist pro Tag im Schnitt knapp drei Stunden mit der Dokumentation beschäftigt." Hier solle ein neues Digitalgesetz Abhilfe schaffen. Dabei gehe es unter anderem um einen sicheren Austausch von Gesundheitsdaten. "Wenn die eine Hand nicht weiß, was die andere schon getan hat, dann werden Extra-Runden gedreht, für die uns die Ressourcen fehlen, personell und finanziell", betonte Linnemann.

Der frühere CDU-Generalsekretär hatte das Amt des Gesundheitsministers Ende Juli im Zuge einer Kabinettsumbildung von Nina Warken (CDU) übernommen, die nun Kanzleramtsministerin ist. Seine größte Aufgabe im neuen Amt dürfte die Reform der gesetzlichen Pflegeversicherung sein. Das Pflegesystem steht vor großen Herausforderungen, mit immer mehr Pflegebedürftigen, zu wenigen Pflegekräften und Milliardendefiziten.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Richtungsentscheidung in Israel: Wahllokale öffnen für Parlamentswahl

In Israel hat die erste Parlamentswahl seit dem Hamas-Überfall begonnen. Am Dienstagmorgen um 07.00 Uhr (Ortszeit, 06.00 Uhr MEZ) öffneten die Wahllokale des Landes. Die Abstimmung gilt als Richtungswahl über die künftige Ausrichtung Israels. Zwar hat die Opposition gute Chancen, die amtierende Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu abzulösen. Allerdings wird ein enges Rennen erwartet. Mit ersten Hochrechnungen wird nach Schließung der Wahllokale um 22.00 Uhr (Ortszeit, 21.00 Uhr MEZ) gerechnet.

US-Verteidigungsministerium benennt erstes Atom-U-Boot für australischen Marinestützpunkt

Das US-Verteidigungsministerium hat im Rahmen seines Verteidigungsabkommens mit Australien ein erstes Atom-U-Boot benannt, das in einem strategisch wichtigen Hafen an der Westküste des Landes stationiert werden soll. Wie die Verbündeten am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, wird die "USS Colorado" Ende 2027 den neuen australischen Stützpunkt anlaufen.

Merz zum Auftakt seiner Asienreise in Singapur

Zum Auftakt seiner mehrtägigen Asienreise wird Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Dienstag in Singapur erwartet. In dem Stadtstaat wird der Kanzler unter anderem Premierminister Lawrence Wong und Präsident Tharman Shanmugaratnam treffen. Beim Institute for Southeast Asian Studies soll Merz die sogenannte Singapore Lecture halten. Bei der Rede dürfte er sich ausführlicher zu den Beziehungen zu den Staaten des Indopazifik äußern. Auch ein Besuch des Hafens PSA Horizons ist geplant.

Israelis wählen neues Parlament - Netanjahu unter Druck

In Israel wird am Dienstag ein neues Parlament gewählt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu tritt nach insgesamt mehr als 19 Jahren als Regierungschef erneut als Spitzenkandidat seiner konservativen Likud-Partei an. Seinen Herausforderern werden gute Chancen eingeräumt, vor allem dem Mitte-rechts-Kandidaten und ehemaligen Armeechef Gadi Eisenkot. Es wird ein enges Rennen erwartet.

Textgröße ändern: