Deutsche Tageszeitung - Kanadas Premier wirbt vor Europareise für engere Zusammenarbeit mit der EU

Kanadas Premier wirbt vor Europareise für engere Zusammenarbeit mit der EU


Kanadas Premier wirbt vor Europareise für engere Zusammenarbeit mit der EU
Kanadas Premier wirbt vor Europareise für engere Zusammenarbeit mit der EU

Mark Carney will die Beziehungen Kanadas zur Europäischen Union vertiefen. Einen EU-Beitritt strebt der kanadische Premierminister nach eigener Aussage nicht an.

Textgröße ändern:

Kanadas Premierminister Mark Carney hat vor seiner für Dienstag vorgesehenen Europareise eine engere Zusammenarbeit mit der Europäischen Union angekündigt. Am Sonntag nach Ortszeit wies er dabei die Vorstellung zurück, Kanada wolle EU-Mitglied werden. Ziel sei vielmehr eine besondere Allianz mit der Union. Er äußerte sich am Rande eines Filmfestivals auf eine Frage zu einem Bericht des Wall Street Journal.

Die US-Zeitung hatte berichtet, Kanada strebe den Status eines assoziierten EU-Mitglieds an. Carney unterschied seine Pläne ausdrücklich von einem Beitritt. Bereits bestehende gemeinsame Interessen betreffen unter anderem die Arktis und den Umgang mit dem Einfluss Russlands und Chinas in dieser Region.

Der Spiegel griff die Diskussion über neue Bündnisse auf und erörterte, ob auch Großbritannien, Australien oder Neuseeland enger an die EU heranrücken könnten. Diese Überlegungen sind Medienbewertungen und keine angekündigten Beitritts- oder Bündnisentscheidungen der genannten Staaten.

Carney hatte im Januar beim internationalen Wirtschaftsforum in Davos erklärt, Mittelmächte könnten sich entweder unterordnen oder neue Allianzen schließen. Er verband die zweite Möglichkeit mit dem Anspruch, Legitimität, Integrität und gemeinsam ausgeübte Regeln zu stärken. Die Rede fiel in eine Phase wachsender Spannungen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten.

Die USA hatten knapp ein Jahr zuvor innerhalb eines Monats Zölle auf eine Reihe kanadischer Waren um bis zu 25 Prozent erhöht, darunter Stahl- und Aluminiumexporte. Donald Trump hatte diese Branchen schon sieben Jahre zuvor während seiner ersten Amtszeit als Ansatzpunkt für neue Handelsbedingungen genutzt. Nach mehreren Monaten mit Zöllen und Gegenzöllen verständigten sich beide Staaten damals auf eine Einigung. 2020 trat das nordamerikanische USMCA-Abkommen der USA, Kanadas und Mexikos in Kraft.

Sechs Jahre später werben die Vereinigten Staaten offen um Unternehmen, die ihre Produktion aus Kanada verlagern könnten. Als mögliches Beispiel wird der Autobauer Stellantis genannt; eine abschließende Feststellung zu einer solchen Verlagerung enthält der Bericht nicht. Carney bezeichnete das Vorgehen der USA gegenüber Kanada vor diesem Hintergrund als Krieg.

Zum Auftakt seiner Reise soll Carney am Dienstag das Europäische Parlament in Straßburg besuchen. Dort ist vorgesehen, dass er Ursula von der Leyens Rede zur Lage der EU anhört. Die geplante Annäherung an Europa steht somit neben den weiterhin engen, zugleich konfliktbelasteten Wirtschaftsbeziehungen Kanadas mit den USA.

(V.Varonivska--DTZ)

Empfohlen

Merz gibt im Bundestag Regierungserklärung zum EU-Gipfel ab

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gibt am Mittwochnachmittag eine Regierungserklärung zum bevorstehenden EU-Gipfel ab (14.05 Uhr). Themen des Treffens ab Donnerstag in Brüssel sind unter anderem die Lage im Nahen Osten, die großen Exportüberschüsse Chinas, die hohen Energiepreise sowie die weitere Unterstützung der Ukraine. Merz dürfte hier auch vor dem Hintergrund der jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump sein Bekenntnis zu weiterer Hilfe für die Ukraine bei der Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg bekräftigen.

Kabinett befasst sich mit Stärkung von Kinderschutz im Netz

Das Bundeskabinett befasst sich in seiner Sitzung am Mittwoch (10.00 Uhr) mit einer Stärkung des Kinder- und Jugendschutzes im Netz. Auf der Tagesordnung steht ein entsprechendes Eckpunktepapier des Bundesfamilienministeriums, das erste Maßnahmen aufzeigen soll.

Welthungerhilfe: Weltweite Krisen treiben den Hunger weltweit an

Kriege und bewaffnete Konflikte treiben den weltweiten Hunger massiv an und bedrohen jahrzehntelange Fortschritte. Wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Welthunger-Index (WHI) der Deutschen Welthungerhilfe hervorgeht, hat sich die globale Ernährungslage seit 2018 deutlich verschlechtert: Aktuell sind rund 645 Millionen Menschen von Unterernährung betroffen. Die Organisation fordert deshalb, die Ernährungssicherheit künftig enger mit der internationalen Sicherheitspolitik zu verbinden.

Ukrainischer Präsident Selenskyj zu Besuch bei Burnham in London erwartet

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird an diesem Mittwoch zu einem Besuch in Großbritannien erwartet. Premierminister Andy Burnham werde Selenskyj am Regierungssitz in der Londoner Downing Street empfangen, um die "felsenfeste Unterstützung" Großbritanniens für die Ukraine zu bekräftigen, teilte die britische Regierung in der Nacht mit. Konkret soll es unter anderem um die beschleunigte Lieferung wichtiger Luftabwehrraketen gehen. Dies sei Teil "dringender Unterstützung in den kommenden Wochen", erklärte Burnhams Regierung.

Textgröße ändern: