Deutsche Tageszeitung - Grüne fordern von Linkspartei "Klarheit" bei Antisemitismus und Rauswurf Kocaks

Grüne fordern von Linkspartei "Klarheit" bei Antisemitismus und Rauswurf Kocaks


Grüne fordern von Linkspartei "Klarheit" bei Antisemitismus und Rauswurf Kocaks
Grüne fordern von Linkspartei "Klarheit" bei Antisemitismus und Rauswurf Kocaks / Foto: © AFP/Archiv

In der Debatte um Clan-Kontakte und Antisemitismus-Vorwürfe bei der Berliner Linken haben die Grünen die Linkspartei im Bund zu harten Konsequenzen aufgefordert. "Es braucht hier rote Linien, gerade beim Kampf gegen Antisemitismus", sagte Grünen-Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic am Mittwoch in Berlin. Wie zuvor schon Grünen-Fraktionschefin Katherina Dröge forderte sie von der Linken-Bundestagsfraktion den Ausschluss des Abgeordneten Ferat Kocak wegen dessen Kontakten ins Berliner Clan-Milieu.

Textgröße ändern:

Die Linkspartei mit Spitzenkandidatin Elif Eralp hatte die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am Sonntag klar gewonnen. Noch am Wahlabend wurde bekannt, dass der berüchtigte Clanchef Issa Remmo bei der Wahlparty des Linken-Bezirksverbands in Neukölln auftauchte. Ebenso anwesend war ein pro-palästinensischer Aktivist, der wegen israelfeindlicher Positionen in der Kritik steht.

Gegen Teile der Berliner Linken gab es immer wieder Antisemitismusvorwürfe. Nun wurden auch Verbindungen zum Kriminellenmilieu Thema. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Kocak räumte Kontakte zum Berliner Remmo-Clan ein. Er lässt nach Angaben der Fraktionsspitze seine Parlamentsfunktionen vorerst ruhen - "bis volle Transparenz hergestellt ist".

Dass Kocak nun seine Parlamentsfunktionen ruhen lasse, sei ein "Treppenwitz", sagte Mihalic. "Jetzt bekommt er 11.833 Euro im Monat für nichts". Er solle "jetzt vier Wochen die Füße stillhalten, bis sich die Wogen geglättet haben. Das kann aus meiner Sicht eben nicht der Anspruch sein. Und das reicht aus meiner Sicht einfach auch nicht".

Von der Linkspartei forderte die Grünen-Politikerin "Klarheit, dass wir unverbrüchlich an der Seite Israels und an der Seite der Jüdinnen und Juden in Deutschland stehen und auch das Existenzrecht nicht infrage stellen, und uns vor allen Dingen entschlossen gegen islamistischen Terrorismus und alle anderen Zusammenhänge in diesem Kontext wehren". Da müsse sich die Linke "von solchen problematischen Personen im Zweifelsfall trennen". Das Mindeste wäre aus ihrer Sicht, "wenn Heidi Reichineck und Sören Pellmann ihn aus der Fraktion werfen".

Mit seiner "offen zur Schau gestellten Sympathie" für "Größen der organisierten Kriminalität" und "Personen, die aus dem Unterstützerumfeld von Terrororganisationen kommen", versuche Kocak, bestimmte Milieus "salonfähig zu machen", kritisierte Mihalic. In diesem Zusammenhang sei es auch "zweifellos schwierig", dass Kocak als Mitglied des Bundestags-Innenausschusses Zugang zu brisanten Informationen habe. Diese Funktion lässt der Linken-Politiker allerdings bis auf weiteres ruhen.

Mitgliedern des Remmo-Clans werden zahlreiche Straftaten vorgeworfen, etwa eine Beteiligung am Diebstahl einer 100 Kilo schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum und der Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden.

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

Urkunde bei UNO hinterlegt: Deutschland tritt UN-Hochseeschutzabkommen bei

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat eine Ratifizierungsurkunde für den Beitritt Deutschlands zum UN-Hochseeschutzabkommen bei den Vereinten Nationen hinterlegt und damit den deutschen Beitritt besiegelt. Schneider bezeichnete das Abkommen nach Angaben seines Ministeriums vom Dienstag als "den größten internationalen umweltpolitischen Erfolg der letzten Jahre". Die Hinterlegung der Urkunde erfolgte am Rande der Generaldebatte der UN-Vollversammlung, zu der Schneider nach New York gereist war.

Thüringer SPD-Chef Maier gibt Amt auf - Kritik an Bundespartei

Der Thüringer Innenminister Georg Maier hat seinen Rückzug als SPD-Landeschef angekündigt und gleichzeitig die Bundespartei kritisiert. Der 59-Jährige sagte dem Magazin "Stern" nach Angaben vom Mittwoch, er wolle die Mehrfachbelastung durch Partei, Regierung und Familie "etwas reduzieren". Landesinnenminister will der seit 2020 amtierende Thüringer SPD-Chef aber bleiben. "Das ist ausdrücklich kein Rückzug aus der Politik", sagte er. Als seine Nachfolgerin an der SPD-Spitze schlage er Sozialministerin Katharina Schenk vor.

Landtagswahlumfrage für Nordrhein-Westfalen: CDU weiter vorn - AfD legt zu

Sieben Monate vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen liegt die regierende CDU von Ministerpräsident Hendrik Wüst trotz Verlusten laut einer Umfrage weiter vor allen anderen Parteien. In der am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des Instituts Forsa für den "Kölner Stadt-Anzeiger" kommen die Christdemokraten auf 29 Prozent. Im Vergleich zu einer vorangegangenen Forsa-Befragung vom April verlieren sie damit drei Prozentpunkte.

SPD-Spitze: Linke darf Antisemitismus "keinen Millimeter Platz lassen"

In die Debatte um Clan-Kontakte und Antisemitismus-Vorwürfe bei der Berliner Linken hat sich nun auch die Bundes-SPD eingeschaltet. "Antisemitische Parolen haben weder in unserer Gesellschaft noch in unserer Politik Platz", schrieben die Parteichefs Lars Klingbeil und Bärbel Bas sowie Generalsekretär Tim Klüssendorf in einem Statement auf Instagram. "Die Linke wird sich daran messen lassen und darf Antisemitismus und Clan-Kriminellen in ihren Reihen keinen Millimeter Platz lassen." Die Verantwortung liege nun bei den Linken.

Textgröße ändern: