Deutsche Tageszeitung - Vorläufiges Ergebnis: Bisherige Koalitionspartei gewinnt Parlamentswahl in Marokko

Vorläufiges Ergebnis: Bisherige Koalitionspartei gewinnt Parlamentswahl in Marokko


Vorläufiges Ergebnis: Bisherige Koalitionspartei  gewinnt Parlamentswahl in Marokko
Vorläufiges Ergebnis: Bisherige Koalitionspartei gewinnt Parlamentswahl in Marokko / Foto: © AFP

Bei der Parlamentswahl in Marokko hat die bisherige Koalitionspartei Partei für Authentizität und Modernität (PAM) laut dem vorläufigen Ergebnis einen klaren Sieg errungen. Die dem Königspalast nahestehende Partei kam im Parlament auf 97 der 395 Sitze, wie das Innenministerium am Donnerstag mitteilte. Die Nationale Sammlung der Unabhängigen (RNI) des bisherigen Regierungschefs Aziz Akhannouch musste herbe Verluste hinnehmen und landete mit 66 Sitzen auf dem zweiten Platz.

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Die rechtsgerichtete Istiklal-Partei erhielt nach Angaben von Innenminister Abdelouafi Laftit 65 Sitze, während die islamistische Oppositionspartei Gerechtigkeit und Entwicklung 54 Sitze errang.

Die Partei mit den meisten Stimmen kann den neuen Regierungschef bestimmen. Dieser muss nach der Ernennung durch König Mohammed VI. eine Regierung bilden, die ein fünfjähriges Mandat erhält. Über wichtige politische Entscheidungen behält jedoch der Monarch die Kontrolle. RNI und der Wahlsieger PAM stehen ideologisch nah beieinander. Beide wurden zudem von Persönlichkeiten mit Verbindungen zum Königspalast gegründet.

Die Wahlbeteiligung war mit 38 Prozent so niedrig wie seit 20 Jahren nicht. Bei der letzten Parlamentswahl 2021 lag sie noch bei 50 Prozent. Der niedrigste Wert wurde 2007 mit 36,8 Prozent verzeichnet.

"Ich werde nicht wählen gehen, weil ich jegliches Vertrauen in die politische Klasse verloren habe", sagte die 59-jährige Madschda Bakatir der Nachrichtenagentur AFP in Rabat. "Wir wollen, dass unser Land vorankommt, aber die Politiker scheinen sich nicht um unsere Probleme bei der Gesundheitsversorgung, Bildung und Kaufkraft zu kümmern", fügte sie hinzu.

Andere Einwohner, darunter der 55-jährige Karim Ennaciri, gaben mit der Hoffnung auf einen Wandel ihre Stimme ab: "Das wird uns zeigen, ob es zu einer Erneuerung der Parteien kommt", betonte er.

Marokko kämpft mit tiefgreifenden sozialen Krisen. Der Wahlkampf war von einem Misstrauen der Menschen gegenüber den Parteien geprägt. Die soziale Ungleichheit, hohe Preise und Jugendarbeitslosigkeit zählten zu den zentralen Themen. Rund 16 Millionen der insgesamt 36 Millionen Marokkanerinnen und Marokkaner hatten sich registriert, um ihre Stimme abzugeben. Nur vier Prozent der registrierten Wählerinnen und Wähler waren unter 24 Jahre alt.

Die Wahl erfolgte weniger als zwei Monate nach einem Massenansturm zehntausender vorwiegend junger Marokkaner auf die spanische Enklave Ceuta, welcher auch als Ausdruck der Unzufriedenheit der Bevölkerung gewertet wurde. Im September 2025 waren viele junge Marokkaner für eine bessere Gesundheitsversorgung und Bildung auf die Straße gegangen.

Auch wenn die Stimmung unter den Wählern schlecht ist, verzeichnet Marokko ein Wirtschaftswachstum und treibt große Infrastrukturprojekte voran. Das Königreich bereitet sich zudem darauf vor, 2030 gemeinsam mit Spanien und Portugal die Fußball-Weltmeisterschaft auszurichten.

Nach Ansicht von Lamia Elfehaim, Forscherin bei der Arab Reform Initiative, könnte dies die Menschen jedoch auch enttäuscht haben, da "die Bewerbung um die Weltmeisterschaft mit hohen Kosten verbunden ist". Die Investitionen in dem Bereich würden von einigen als "nicht im Einklang mit den sozio-territorialen Prioritäten des Königreichs" angesehen, betonte sie.

(O.Zhukova--DTZ)

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