Deutsche Tageszeitung - Kiew: Russland startet vor Wintereinbruch neue Offensive gegen Energieinfrastruktur

Kiew: Russland startet vor Wintereinbruch neue Offensive gegen Energieinfrastruktur


Kiew: Russland startet vor Wintereinbruch neue Offensive gegen Energieinfrastruktur
Kiew: Russland startet vor Wintereinbruch neue Offensive gegen Energieinfrastruktur / Foto: © AFP

Im Vorfeld des nahenden Wintereinbruchs hat Russland nach Angaben Kiews mit einer Offensive zur Lahmlegung der Strom- und Wärmeversorgung in der Ukraine begonnen. Einen "derart großangelegten kombinierten Angriff" auf die Energieinfrastruktur wie in der Nacht zum Mittwoch habe es seit dem Ende der letzten Heizperiode nicht mehr gegeben, erklärte Regierungschef Serhij Korezky auf Instagram. Zuvor hatte die russische Armee massive Drohnen- und Raketenangriffe in und um Kiew ausgeführt. Dabei wurden vier mindestens Menschen getötet.

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"Seit dem Sommer ist fast kein Tag vergangen, an dem der Feind unsere Energieinfrastruktur nicht angegriffen hat", erklärte Korezky. Bei dem Angriff in der Nacht handele es sich allerdings um den Beginn einer russischen Offensive gegen die Energiesektor vor dem Winter. Diese Taktik habe Moskau bereits in den vergangenen Jahren angewandt. Örtliche Behörden müssten nun prüfen, ob die Notstromsysteme betriebsbereit seien und die "Arbeiten an deren Installation und Anschluss so schnell wie möglich abschließen", fügte der Regierungschef hinzu.

Bei den kombinierten russischen Drohnen- und Raketenangriffen auf Energieinfrastruktur in Kiew und Umgebung wurden örtlichen Behörden zufolge mindestens vier Menschen getötet, darunter ein kleines Kind, das aus den Trümmern eines Wohnhauses geborgen wurde. Es gab mehrere Explosionen, Luftalarm wurde ausgelöst und die Einwohner suchten in Kellern und U-Bahn-Stationen Zuflucht.

Der russische Verteidigungsminister teilte mit, die Armee habe einen massiven Raketen- und Drohnenangriff auf Kiew und die Umgebung der Stadt ausgeführt. Ziel sei die Energieinfrastruktur der ukrainischen Hauptstadt gewesen.

Der größte ukrainische Energieanbieter DTEK erklärte, dass das Stromnetz beschädigt wurde und die Versorgung von 8000 Haushalten beeinträchtigt war. Ingenieure hätten die Stromversorgung wiederhergestellt, hieß es. Es sei "eine weitere schwierige Nacht für die Hauptstadt" gewesen, erklärte DTEK.

Angesichts des bevorstehenden Winters und bitterkalten Temperaturen ist die Sicherung der Energieversorgung der Ukraine von großer Bedeutung. Im vergangenen Jahr hatten Bewohner immer wieder bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad ohne Strom und Heizung ausharren müssen. Angesichts der Befürchtung, das sich das Szenario wiederholen könnte, waren ältere und schutzbedürftige Menschen in den vergangenen Wochen aufgefordert worden, die Städte zu verlassen.

Bei den Angriffen am Mittwoch wurden Wohnhäuser und Geschäfte getroffen. Die Angriffe lösten Brände aus und richteten weitreichende Schäden an Gebäuden und Autos aus, wie die Behörden mitteilten. "Die Region Kiew ist erneut von einem feindlichen Raketen- und Drohnenangriff getroffen worden", erklärte der Chef der Militärverwaltung, Timur Tkatschenko.

Russland hat im fünften Jahr des Krieges seine Drohnen- und Raketenangriffe auf die ukrainische Hauptstadt verstärkt. Dabei setzt Moskau verstärkt neuartige Drohnen ein, die schneller fliegen und schwieriger abzufangen sind. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Verbündeten der Ukraine wiederholt aufgefordert, seinem Land mehr militärische Unterstützung zu liefern.

Am Mittwoch gab Selenskyj einen Truppenbesuch in Lyman an der östlichen Front bekannt. "Heute habe ich dort Soldaten getroffen, die im Raum Lyman im Einsatz sind, und ihnen Abzeichen verliehen", erklärte der Präsident in Onlinediensten. Er bekräftigte, dass die ukrainischen Truppen in dem Gebiet Gelände zurückerobert hätten. Ein von Selenskyj veröffentlichtes Video zeigt ihn an der Seite von Verteidigungsminister Jewgeni Chmara und mehreren weiteren hochrangigen Armeeangehörigen. Lyman ist seit mehreren Monaten hart umkämpft.

(P.Hansen--DTZ)

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