Deutsche Tageszeitung - Nach Angriff in Flydubai-Maschine: "Heldenmut" der Passagiere und des Piloten gewürdigt

Nach Angriff in Flydubai-Maschine: "Heldenmut" der Passagiere und des Piloten gewürdigt


Nach Angriff in Flydubai-Maschine: "Heldenmut" der Passagiere und des Piloten gewürdigt
Nach Angriff in Flydubai-Maschine: "Heldenmut" der Passagiere und des Piloten gewürdigt / Foto: © AFP

"Außerordentliche Tapferkeit" und "Helden": Der Pilot und die Passagiere, die auf dem Flug von Dubai nach Tel Aviv einen möglichen Anschlag abwenden konnten, sind für ihr mutiges Handeln gewürdigt worden. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte dem US-Sender Fox News am Mittwoch, indem sie den Versuch des Copiloten abgewehrt hätten, die Maschine zum Absturz zu bringen, hätten sie "eine Katastrophe gestoppt, die globale Ausmaße hätte annehmen können". Israels Präsident Isaac Herzog kündigte an, vier Passagiere mit einem der höchsten Orden des Landes auszuzeichnen.

Textgröße ändern:

Passagiere des Fluges FZ 1073 der Linie Flydubai hatten berichtet, wie sie am Mittwochvormittag zum Cockpit gestürmt waren, nachdem das Flugzeug innerhalb einer Minute massiv an Höhe verloren hatte. Laut der Website Flightradar stürzte die Maschine etwa 5000 Meter ab. Netanjahu erklärte in einer Videobotschaft, der Copilot habe den Piloten niedergestochen und versucht, das Flugzeug mit 174 Passagieren an Bord zum Absturz zu bringen. Laut israelischen Medien waren 166 der Passagiere Israelis.

Mehrere Passagiere aus den vorderen Sitzreihen drangen laut Augenzeugen in das Cockpit ein und überwältigten den Copiloten. Netanjahu sagte, sie hätten damit den Absturz der Maschine verhindert. Nach Angaben von Flydubai übernahm eine auf dem Flug mitreisende andere Crew das Flugzeug und konnte es schließlich im saudiarabischen Tabuk notlanden.

Der Copilot wurde laut Netanjahu festgenommen und werde in Saudi-Arabien vernommen. Er sei darüber "in ständigem Kontakt" mit den dortigen Behörden, sagte der israelische Regierungschef. Die Justiz der Vereinigten Arabischen Emirate leitete Ermittlungen zu dem Vorfall ein. Flydubai kündigte an, während der Ermittlungen die Flüge nach Israel auszusetzen.

Netanjahu sagte in einem Video über die Passagiere, er "zolle den Helden Respekt", sie hätten eine "große Katastrophe" verhindert. Bei Fox News würdigte er einen israelischen Passagier, der in einem "unglaublich heldenhaften Akt" dabei geholfen habe, den Angreifer zu überwältigen. Dem von ihm als ein Klempner namens "Yanik" bezeichneten Mann sei es gelungen, in das Cockpit einzudringen, den Angreifer zu packen und nach hinten zu ziehen. Er habe sich dann auf den Pilotensitz gesetzt und den Steuerknüppel nach hinten gezogen, während andere Passagiere den Copiloten überwältigten.

Über den als Smit Machchhar aus Indien identifizierten Piloten sagte er, dieser habe mit seiner "außerordentlichen Tapferkeit", ein "verheerendes Flugunglück" verhindert. Obwohl er niedergestochen und schwer verletzt worden sei, habe er sich gewehrt und "eine katastrophale Tragödie in der Luft" verhindert, sagte Netanjahu am Mittwoch.

Israels Präsident Herzog erklärte am Donnerstag, er wolle die vier Passagiere, die den Angreifer überwältigt hätten, für ihre "Heldentat" mit dem Präsidentenpreis für bürgerlichen Heldenmut auszeichnen und habe dies dem entsprechenden Komitee vorgeschlagen.

Indiens Premierminister Narendra Modi sagte über den indischen Piloten: "Kapitän Smit Machchhar ist ein Held". Er habe in höchster Gefahr und trotz schwerer Verletzungen enormen Mut bewiesen "und eine unerschütterliche Entschlossenheit, das Leben anderer zu schützen", schrieb Modi am Donnerstag in Onlinediensten. Nach Angaben der indischen Botschaft wird Machchhar in einem Krankenhaus in Saudi Arabien behandelt.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem "versuchten dschihadistischen Terroranschlag", Netanjahu sagte indes Fox News, es sei "zu früh", um zu sagen, wer hinter dem Vorfall stecke. Flydubai rief dazu auf, von "voreiligen Spekulationen abzusehen".

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sprach von einem "versuchten Entführungsfall". US-Präsident Donald Trump sagte, nachdem er mit Netanjahu am Mittwoch über den Vorfall gesprochen hatte: "Es sieht so aus, als ob der Copilot möglicherweise ein Terrorist oder vielleicht ein Spinner war."

Die Passagiere wurden mit einem anderen Flugzeug von Flydubai von Saudi-Arabien nach Tel Aviv gebracht, obwohl es normalerweise keine Flugverbindungen zwischen den beiden Ländern gibt, die keine diplomatischen Beziehungen unterhalten.

Am Mittwochabend begrüßte Netanjahu die Passagiere am Flughafen von Tel Aviv. Einen Passagier, der sich als Yuval Hayun vorstellte, umarmte der Regierungschef. "Ich sehe einen Löwen, ich sehe einen großen Helden", sagte Netanjahu. Auf Hayuns Hemd waren Blutflecken zu sehen.

Das israelische Außenministerium erklärte, der Vorfall sei "ein versuchter Terroranschlag auf Israelis, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Abraham-Abkommen" gewesen. Durch die 2020 unterzeichneten Verträge hatten die Emirate und weitere arabische Staaten erstmals Israel offiziell anerkannt und die Beziehungen normalisiert.

(B.Izyumov--DTZ)

Empfohlen

Steinmeier und Macron besuchen französische Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen

Zum Abschluss seines zweitägigen Staatsbesuchs in Frankreich hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Themen Raumfahrt und nukleare Abschreckung in den Mittelpunkt gestellt. Gemeinsam mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron besuchte er am Freitag mehrere darauf spezialisierte Unternehmen. Ein ursprünglich geplantes Mittagessen im Rathaus von Bordeaux wurde an einen anderen Ort verlegt. In der Stadt war es im Zuge der Schülerproteste in den vergangenen Tagen zu Ausschreitungen gekommen.

Nach Nobelpreis für frühere IStGH-Richterin: USA verhängen Sanktionen gegen Haager Tribunal

Nach der Verkündung des Friedensnobelpreises für die frühere IStGH-Richterin Navi Pillay verhängen die USA Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH). US-Außenminister Marco Rubio erklärte am Freitag, die USA würden "sämtliche Geschäfte mit diesem Schurkengericht verbieten, seine Ressourcen beschneiden und seine Handlungsfähigkeit entscheidend schwächen".

Tausende demonstrieren in Berlin gegen Energiepolitik der Bundesregierung

In Berlin haben am Freitag tausende Menschen gegen die Energiepolitik der Bundesregierung und für einen konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien demonstriert. Der Veranstalter der Aktion, das Bündnis Erneuerbare Energien (BEE), sprach von 8000 Menschen, die Polizei zählte 6000 Teilnehmer. Dem BEE gehören Unternehmen und Industrieverbände sowie Umwelt- und Naturschutzorganisationen an, viele der Protestteilnehmer arbeiten im Bereich der Erneuerbaren.

Gericht: AfD-Fahnenschwenken auf Brücke über Autobahn zu Recht verboten

Eine geplante AfD-Veranstaltung auf einer Fußgängerbrücke über eine Autobahn in Baden-Württemberg ist zu Recht verboten worden. Das Landratsamt Lörrach durfte die für den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober geplante Versammlung an diesem Ort untersagen, wie das Verwaltungsgericht Freiburg nach Angaben vom Freitag im Eilverfahren entschied. Denn es drohe eine direkte Gefahr für die Verkehrsteilnehmer auf der Autobahn.

Textgröße ändern: