Deutsche Tageszeitung - Frankreichs Bildungsminister: Eltern sollen Schüler von Protesten abhalten

Frankreichs Bildungsminister: Eltern sollen Schüler von Protesten abhalten


Frankreichs Bildungsminister: Eltern sollen Schüler von Protesten abhalten
Frankreichs Bildungsminister: Eltern sollen Schüler von Protesten abhalten / Foto: © AFP

Angesichts der tagelangen und immer gewaltsameren Schülerproteste hat der französische Bildungsminister an die Eltern appelliert, ihre Kinder von den Blockaden abzuhalten. "Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Kinder nicht mehr auf der Straße sind, weil sie dort in Gefahr sind", sagte Bildungsminister Édouard Geffray am Freitag dem Sender BFM.

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Rund 400 Schulen waren am Freitag landesweit offiziell geschlossen, nachdem am Vortag bei gewaltsamen Protesten rund 1800 Minderjährige in Polizeigewahrsam gekommen waren. Mindestens 65 Schulmitarbeiter und 170 Jugendliche waren laut Geffray verletzt worden. Unter den Verletzten waren demnach 40 Schuldirektoren.

Am Freitagmorgen kam es erneut zu Gewaltakten. In Paris brannten die Eingangsbereiche von zwei Schulen. In Lyon kam es an zehn Schulen zu Zwischenfällen, bei denen Böller gezündet und Mülltonnen in Brand gesteckt wurden.

Vor dem Pariser Gymnasium Turgot blockierten am Freitagmorgen erneut zahlreiche Schüler den Eingang und forderten vorbeifahrende Autofahrer zum Hupen auf. "Wir wollen bessere Bedingungen, es fallen ständig Lehrer aus und werden nicht ersetzt", sagte die 15-jährige Anna, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte. "Während der Hitzewelle hatten wir 37 Grad und saßen tagelang im Dunklen - und im Winter frieren wir", beklagte sie.

Der gleichaltrige Simon erählte, dass er "ein Jahr lang keinen Bio-Unterricht" gehabt habe. Außerdem seien die Schultage zu lang und anstrengend. "Wir haben oft von 8.00 bis 18.00 Uhr Schule und müssen dann noch zwei Hausaufgaben machen", sagte er. "Es gibt allgemein eine große Nervosität und Übermüdung."

Bildungsminister Geffray wollte am Freitag Vertreter der Gewerkschaften empfangen. "Es ist ein Problem, dass es keine national einheitlichen Forderungen gibt", erklärte er. Die Bewegung sei aus vielen verschiedenen Gründen entstanden.

Justizminister Gérald Darmanin kündigte unterdessen an, die Eltern von Minderjährigen für die verursachten Sachbeschädigungen heranzuziehen. "Wenn Schulen und Bushaltestellen beschädigt und öffentlicher Nahverkehr zum Ziel werden, dann müssen wir künftig die Eltern in die Verantwortung nehmen", sagte er.

Seit Beginn der Proteste in der vergangenen Woche seien etwa 2000 Menschen festgenommen worden, davon 90 Prozent Minderjährige, teilte Darmanin mit. Ein Drittel sei wegen Gewalt gegen Personen in Gewahrsam gekommen. Der Justizminister sprach von einer "aktiven und gewaltbereiten Minderheit", zu der vermutlich auch Nicht-Schüler zählten.

Die Organisatoren riefen unterdessen für Dienstag zu neuen Demonstrationen auf.

(B.Izyumov--DTZ)

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