Deutsche Tageszeitung - Kiews Bürgermeister Klitschko beschreibt Lage nach Angriffen auf Brücke als "sehr dramatisch"

Kiews Bürgermeister Klitschko beschreibt Lage nach Angriffen auf Brücke als "sehr dramatisch"


Kiews Bürgermeister Klitschko beschreibt Lage nach Angriffen auf Brücke als "sehr dramatisch"
Kiews Bürgermeister Klitschko beschreibt Lage nach Angriffen auf Brücke als "sehr dramatisch" / Foto: © AFP

"Der Feind reißt Kiew auseinander": Bürgermeister Vitali Klitschko hat die Lage in der ukrainischen Hauptstadt nach russischen Angriffen auf eine wichtige Brücke als "sehr dramatisch" beschrieben. "Es ist nicht mehr möglich, so zu tun, als ob wir jetzt noch so wie in Friedenszeiten leben könnten", schrieb Klitschko am Freitag im Onlinedienst Telegram, nachdem die Sperrung der Südbrücke über den Fluss Dnipro zu Chaos in seiner Stadt geführt hatte.

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Russische Drohnen hatten am Donnerstag die Stützkonstruktionen der Südbrücke getroffen. Die Brücke wurde vorübergehend gesperrt. Am Donnerstagabend und am Freitagmorgen wurde die Brücke nach Angaben Klitschkos aber wieder getroffen. Dabei seien ein Brückenpfeiler, die Fahrbahn und eine schützende Betonbarriere entlang der U-Bahn-Linie beschädigt worden. Es war das erste Mal seit Beginn des Ukraine-Kriegs, dass eine wichtige Brücke in Kiew massiv ins Visier genommen wurde.

Die Brücken in der ukrainischen Hauptstadt sind von entscheidender Bedeutung für Verkehr und Logistik. Die Ukraine befürchtet seit Beginn des russischen Angriffskrieges vor mehr als viereinhalb Jahren Attacken auf ihre wichtigen Brücken.

Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Kreml-Chef Wladimir Putin im Onlinedienst X vor, im vergangenen Monat erklärt zu haben, dass es "keine Regeln mehr" gebe. Selenskyj berief sich dabei auf Geheimdienstinformationen und Menschen aus Putins Umfeld. "Die Russen konnten uns nicht besetzen. Deshalb verüben sie jetzt massive Angriffe und massive Tötungen", schrieb er.

Der Kreml äußerte sich zunächst nicht zu Selenskyjs Behauptung, die er bereits in einem Interview mit der "Financial Times" aufgestellt hatte. Im Gespräch mit der Zeitung sagte Selenskyj, die Russen nähmen "unsere Brücken, unsere Rechenzentren, das Internet, Kindergärten, Schulen, Universitäten ins Visier. Alles." Ziel sei es, die Menschen aus den Städten zu vertreiben.

Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten am Freitag lange Schlangen stehender Autos und Busse auf den Hauptstraßen Kiews, da viele Menschen angesichts der Sperrung der Südbrücke Ausweichrouten suchten.

Die Südbrücke ist eine von acht Brücken, die den Osten und Westen Kiews über den Dnipro verbinden. Sie wurde in beide Richtungen voll gesperrt. Die weiter nördlich gelegene Paton-Brücke war nur in eine Richtung befahrbar, wie Klitschko mitteilte. Es gab jedoch keine Berichte darüber, dass sie ebenfalls getroffen wurde. Auch auf der Metrobrücke gab es Einschränkungen. AFP-Reporter beobachteten zudem Einschränkungen an einer vierten Brücke, der Darnyzkyj-Brücke.

In ganz Kiew gab es erhebliche Staus, es war nahezu unmöglich, von einer Seite des Dnipro auf die andere zu gelangen. "Ich bin schon seit drei Stunden unterwegs, um zur Arbeit zu kommen", sagte Tetjana Osypenko AFP. Der Bus der 49-Jährigen steckte im Stau fest. "Es gibt einfach keinen Weg dorthin. Gar keinen. Es ist heute unmöglich, die Brücken zu überqueren", berichtete sie.

Russland hatte seine Drohnen- und Raketenangriffe auf Kiew in den vergangenen Monaten verstärkt. Seither heulen fast rund um die Uhr Sirenen, die die etwa drei Millionen Einwohner der Stadt vor Luftangriffen warnen. Das Schienen- und Straßennetz ist bereits beschädigt und Angriffe auf Tankstellen und Kraftwerke schüren die Angst vor Energieknappheit im bevorstehenden Winter.

Moskau setzt bei seinen Angriffen verstärkt neuartige Drohnen mit Jetantrieb ein, die schneller fliegen und schwieriger abzufangen sind. Selenskyj forderte schärfere Sanktionen gegen Moskau, um Russland am Bau dieser Drohnen zu hindern. Die Hersteller seien auf Bauteilen aus dem Ausland angeweisen, schrieb er in Onlinenetzwerken. "Jede russischen Dröhnen könnte tatsächlich schon direkt am Fließband aufgehalten werden. Was dazu nötig ist, ist der politische Wille dieser Länder."

Der ukrainischen Armee zufolge griff Russland die Ukraine in der Nacht zum Freitag mit mehr als 100 Drohnen an. Die meisten davon seien unschädlich gemacht worden. Die Rettungskräfte teilten mit, dass bei einem Angriff auf ein hohes Wohngebäude in Kiew ein Mensch getötet worden sei.

(W.Budayev--DTZ)

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