Deutsche Tageszeitung - Kritik an brasilianischer Justiz wegen Einmischung in TV-Debatte vor Präsidentschaftswahl

Kritik an brasilianischer Justiz wegen Einmischung in TV-Debatte vor Präsidentschaftswahl


Kritik an brasilianischer Justiz wegen Einmischung in TV-Debatte vor Präsidentschaftswahl
Kritik an brasilianischer Justiz wegen Einmischung in TV-Debatte vor Präsidentschaftswahl / Foto: © AFP

Zwei Tage vor der Präsidentschaftswahl in Brasilien ist die Justiz wegen ihrer Einmischung in die letzte geplante TV-Debatte vor dem Urnengang in die Kritik geraten. Drei brasilianische Medienverbände äußerten am Freitag ihre "tiefe Empörung über die richterliche Einmischung in zuvor festgelegte Regeln". Der Sender Globo hatte die Debatte nach zwei kurzfristigen Gerichtsentscheidungen abgesagt.

Textgröße ändern:

Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatte zuvor erklärt, nicht an der Debatte am Donnerstagabend teilzunehmen. Auf Antrag von Unterstützern Lulas untersagte das Wahlgericht Globo wenige Stunden vor dem Termin, den für den abwesenden Präsidenten vorgesehenen Platz leer zu zeigen oder den übrigen Kandidaten Fragen an Lula richten zu lassen.

Ein Richter des Obersten Gerichtshofs ordnete zudem an, den zuvor nicht eingeladenen Renan Santos von der neuen Missao-Partei zur Debatte zuzulassen. Lulas wichtigster Herausforderer Flávio Bolsonaro zog sich daraufhin ebenfalls zurück und sprach von "Zensur". Globo sagte die gesamte Debatte ab und verwies auf "rechtliche Unsicherheit" und "unangemessene Einmischung".

"Leider hat richterliche Übergriffigkeit auf dem Recht der Bürger herumgetrampelt, die Vorschläge der Kandidaten zu hören", erklärten die drei Medienverbände. Die Zeitung "Folha de S. Paulo" sprach in einem Kommentar von einem "verzweifelten Versuch, den Amtsinhaber zu begünstigen".

Lula trat stattdessen in einem Podcast auf. Er sehe keinen Sinn darin, mit jemandem zu debattieren, der so "unqualifiziert" sei wie Flávio Bolsonaro, sagte der 80-Jährige. Bolsonaro ist 45 Jahre alt, seit 2019 Senator und ein Sohn des inhaftierten rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro.

Lula bewirbt sich um eine vierte, nicht aufeinanderfolgende Amtszeit. Umfragen sehen ihn und Flávio Bolsonaro kurz vor dem ersten Wahlgang eng beieinander. Erreicht am Sonntag niemand mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, kommt es am 25. Oktober zu einer Stichwahl.

Zusätzliche Unruhe verursachte am Freitag die Entscheidung der USA, ihre konsularischen Dienste in Brasilien wegen "Sicherheitsbedenken" auszusetzen. Die brasilianische Polizei erklärte nach Durchsuchungen wegen möglicher Bedrohungen gegen US-Einrichtungen, bislang seien keine Belege gefunden worden, die die gemeldeten Risiken bestätigten.

US-Präsident Donald Trump erklärte am Freitag, er verfolge die Wahl "sehr aufmerksam". Lula hatte Trump im Wahlkampf wiederholt aufgefordert, sich nicht in die brasilianische Wahl einzumischen.

(P.Hansen--DTZ)

Empfohlen

Paris: Europa trägt die Hauptlast bei der Unterstützung der Ukraine

Europa trägt nach den Worten des französischen Außenministers Jean-Noël Barrot die Hauptlast bei der Unterstützung der von Russland angegriffenen Ukraine. "Die Wahrheit ist, dass schon seit langer Zeit Europa den Großteil der Unterstützung für die Ukraine übernimmt sowie des Drucks auf Russland", sagte Barrot am Donnerstag im Sender France Inter. Kiew hatte sich am Vortag über eine verlangsamte Verbindung mit dem US-Satelliten-Kommunikationsdienst Starlink beklagt.

US-Tech-Unternehmer Musk: "Es ist Zeit für Selenskyj zu gehen"

Der US-Technologieunternehmer Elon Musk hat den Rückzug des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefordert. "Es ist Zeit für Selenskyj zu gehen", schrieb der Multimilliardär am Donnerstag in seinem Onlinedienst X. "Das Massaker geht weiter", schrieb Musk offensichtlich mit Blick auf den Ukraine-Krieg.

Neue vierspurige Straßenbrücke zwischen China und Nordkorea eröffnet

China und Nordkorea haben eine neue Straßenverbindung: Zwölf Jahre nach ihrer Fertigstellung ist am Donnerstag eine vierspurige Grenzbrücke über den Fluss Yalu freigegeben worden. Das Bauwerk symbolisiere Pekings Freundschaft mit Pjöngjang, sagte der chinesische Ministerpräsident Li Qiang, der per Videozuschaltung an der feierlichen Zeremonie teilnahm. China ist der wichtigste Handelspartner Nordkoreas und unterstützt das weitgehend isolierte Land wirtschaftlich und diplomatisch.

Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinden steigen auf neuen Höchststand

Die Gewerbesteuereinnahmen in Deutschland haben einen neuen Höchststand erreicht. Die Städte und Gemeinden erzielten im vergangenen Jahr rund 76,4 Milliarden Euro an Einnahmen aus der Gewerbesteuer, das waren rund 1,1 Milliarden Euro oder 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Damit stiegen die Gewerbesteuereinnahmen bereits das fünfte Jahr in Folge.

Textgröße ändern: