Deutsche Tageszeitung - Steinmeier mahnt Fortsetzung der Reformpolitik an: "Habt Mut zur Erneuerung"

Steinmeier mahnt Fortsetzung der Reformpolitik an: "Habt Mut zur Erneuerung"


Steinmeier mahnt Fortsetzung der Reformpolitik an: "Habt Mut zur Erneuerung"
Steinmeier mahnt Fortsetzung der Reformpolitik an: "Habt Mut zur Erneuerung" / Foto: © AFP/Archiv

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Bundesregierung zu einer Fortsetzung des Reformkurses trotz aller Widerstände aufgerufen. "Reformen sind immer ein Wagnis - aber wir gehen es ein um der Hoffnung willen, unser Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen", sagte Steinmeier am Samstag in seiner Rede beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen.

Textgröße ändern:

"Wo das Ziel stimmt, muss man Kurs halten" - dies gelte "allen Untergangsszenarien zum Trotz", betonte der Bundespräsident. "Ich sage also: Bleibt entschlossen, auch wenn uns der Wind ins Gesicht bläst - habt Mut zur Erneuerung!"

Deutschland durchlebe gegenwärtig eine "wirklich tiefgreifende Krise", sagte Steinmeier. "Wir können neues Wachstum nicht gewinnen, wenn alles so bleibt wie es ist." Durch eine gründliche Erneuerung werde Deutschland aber sicherer und stärker, und es werde "mehr Kraft haben für Solidarität und Zusammenhalt", fügte er hinzu.

Von einer Bundesregierung erfordere ein solcher Reformkurs viel Kraft, sagte der Bundespräsident: "Der Schlüssel ist der politische Wille, eingefahrene Routinen zu verlassen."

Steinmeier verwies dabei auch auf seine eigenen langjährigen Erfahrungen als Regierungspolitiker. "Ich habe der heutigen Bundesregierung, den Abgeordneten des Bundestags, überhaupt keine ungebetenen Ratschläge zu geben", sagte er. "Doch ich möchte meine Erfahrung weitergeben, dass Festgefahrenes immer auflösbar ist, Gegensätze vermittelbar sind, dass große Problemkomplexe mit ersten und zweiten und dritten Schritten bearbeitbar sind und kleiner werden."

In seiner früheren Rolle als Kanzleramtsminister von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) galt Steinmeier als einer der Architekten der im Jahr 2003 verkündeten "Agenda 2010". Darunter wurde ein Bündel an Reformen in den Bereichen Sozialstaat, Arbeitsmarkt und Wirtschaft verstanden, das Schröder gegen großen Widerstand von Teilen der Öffentlichkeit und auch der eigenen Partei durchsetzte, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und die Wirtschaft zu stärken.

Damals sei - wie heute auch - die Erholung der Konjunktur der Schlüssel zum Weg aus der aktuellen politischen Krisenstimmung in Deutschland gewesen, sagte der Bundespräsident in Bremen. Eine "wirkliche Trendwende" könne es erst geben, "wenn die Sorge um die eigene Zukunft und die der Kinder geringer wird, wenn die Menschen das Leben wieder für bezahlbar halten, wenn der soziale Aufstieg für die, die sich anstrengen, offensteht".

All dies werde "nur gelingen, wenn auch eine Trendwende in der Wirtschaft erreicht ist: Konkurrenzfähigkeit, Investitionen, Wachstum, Arbeit", betonte Steinmeier. Das sei "erforderlich, damit Deutschland Tritt fasst, das hilft auch Europa, verschafft uns Respekt in der Welt, ermöglicht soziale Sicherheit und gesellschaftliche Stabilität", sagte Steinmeier bei dem Festakt in Bremen, an dem auch der Agenda-Kanzler Schröder teilnahm.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Bilanz mit pessimistischen Tönen: Steinmeier äußert sich zum Ende seiner Amtszeit

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wünscht sich eine Persönlichkeit mit Integrationskraft für seine Nachfolge im höchsten Staatsamt. "In diesen Wochen sondieren die politischen Parteien und im Januar entscheidet die Bundesversammlung, wer das Amt des Staatsoberhauptes der Bundesrepublik übernimmt", sagte Steinmeier am Samstag in seiner Rede beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen. Er betonte: "Es ist kein Amt, das auf die leichte Schulter zu nehmen ist."

"Unerträgliche politische Demagogie": Steinmeier sieht Gefährdung der Demokratie

36 Jahre nach der deutschen Vereinigung sieht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland ernsthaft gefährdet. "Die unerträgliche politische Demagogie extremistischer Kräfte, die eine Lust an der Zerstörung ausleben und andere Menschen verhöhnen und bedrohen, das gefährdet nicht nur Freiheit und Demokratie - das gefährdet unsere innere Einheit", sagte Steinmeier am Samstag in seiner Ansprache beim zentralen Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen.

Flydubai-Copilot plante nach Erkenntnissen von Ermittlern "Terrorakt"

Der Anschlagsverdacht gegen den Copiloten der Flydubai-Maschine hat sich erhärtet. Der Mann habe einen "Terrorakt" geplant, teilte der Generalstaatsanwalt der Vereinigten Arabischen Emirate, Hamad Saif al-Schamsi, am Samstag aufgrund der bisherigen Ermittlungsergebnisse mit. Der Copilot habe den Kapitän während des Flugs von Dubai nach Israel mit der Rettungsaxt im Cockpit angegriffen. Angaben zum Motiv der Tat machte der Generalstaatsanwalt nicht. Es werde weiter ermittelt.

Tag der Deutschen Einheit: Bovenschulte fordert Abwehr von Demokratie-Gegnern

Bei der Eröffnung des Festakts zum Tag der Deutschen Einheit hat Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (SPD) zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen. "Noch nie seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland hatten Kräfte, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung infrage stellen, so viel Zuspruch wie heute", sagte Bremens Bürgermeister am Samstag im Konzerthaus der Hansestadt. Es dürfe "kein Zurückweichen geben, keinen Millimeter", mahnte er. "Die Demokratie braucht uns alle."

Textgröße ändern: