Deutsche Tageszeitung - "Schluss mit Selbstbeschäftigung": Opposition mahnt vor Koalitionsausschuss

"Schluss mit Selbstbeschäftigung": Opposition mahnt vor Koalitionsausschuss


"Schluss mit Selbstbeschäftigung": Opposition mahnt vor Koalitionsausschuss
"Schluss mit Selbstbeschäftigung": Opposition mahnt vor Koalitionsausschuss / Foto: © AFP/Archiv

Die Opposition im Bundestag hat die Regierungspartner Union und SPD aufgerufen, den bevorstehenden Koalitionsausschuss für einen Neustart und für Kurskorrekturen zu nutzen. "Der Koalitionsausschuss darf nicht nur der nächste Versuch sein, sich irgendwie wieder zusammenzuraufen - Schluss mit der Selbstbeschäftigung und dem Schleppen von Krise zu Krise", sagte Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. "Die erschütternden Ergebnisse der Rechtsextremen bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern müssen ein Weckruf sein."

Textgröße ändern:

Auch die Linksfraktion und die AfD mahnten am Sonntag eine Kurskorrektur der Koalition hin zu einer sozialeren Politik an. Die Chancen dafür bewerteten sie aber sehr pessimistisch. Die Spitzen von Union und SPD wollen voraussichtlich am Mittwoch zu ihrem ersten Koalitionsausschuss nach der Sommerpause zusammenkommen.

Grünen-Fraktionschefin Haßelmann mahnte, die Koalition müsse dann "endlich die Kraft finden, die zentralen Zukunftsfragen anzugehen, statt sich immer nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen". Nötig seien nun Beschlüsse, die das Leben der Menschen spürbar verbesserten: "Sie brauchen ein Leben, das wieder bezahlbar ist, und eine Regierung, die notwendige Veränderungen mit Vision und sozialem Kompass anpackt", sagte Haßelmann zu AFP.

Ähnliche Erwartungen äußerte Linken-Fraktionschef Sören Pellmann. "Für die Menschen im Land ist nicht entscheidend, ob SPD oder Union sich jetzt wieder vertragen, sondern ob sich ihr Leben verbessert und diese Regierung endlich Politik für die Mehrheit macht", sagte Pellmann der Nachrichtenagentur AFP. Die Regierung müsse "die Angriffe auf den Sozialstaat stoppen, mutig in die Wirtschaft investieren und resolut gegen die Abzocke in fast allen Bereichen des täglichen Lebens vorgehen - von der Tankstelle über den Supermarkt bis hin zur Miete".

Die Aussichten darauf bewertete er aber skeptisch. "Zu befürchten ist ein Weiter-so mit Streit und Kahlschlagpolitik, denn insbesondere die Union möchte ihren harten Kurs gegen die Mehrheit im Land durchpeitschen", sagte Pellmann. "Die letzten Wochen haben gezeigt: Selbst krachende Wahlniederlagen halten die Union nicht davon ab, die Angriffe auf die Mehrheit fortzusetzen und Lobbyistin für Reiche und Konzerne zu sein."

Auch der sozialpolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag, René Springer, äußerte sich pessimistisch. "Ich erwarte von diesem Koalitionsausschuss nichts Gutes für die Beschäftigten", sagte er zu AFP. Er rief die Koalition auf, auf die Streichung der abschlagsfreien Frühverrentung nach 45 Beitragsjahren zu verzichten. Dies würde "genau die Menschen betreffen, die früh mit Arbeiten angefangen und ein Leben lang eingezahlt haben".

Springer kritisierte zudem das Vorhaben der Koalition, das Arbeitsrecht zu flexibilisieren und die sachgrundlose Befristung auf vier Jahre auszuweiten. "Mit einem befristeten Vertrag bekommt man schwerer eine Wohnung oder einen Kredit, und viele schieben die Entscheidung für Kinder immer weiter hinaus", sagte der AfD-Politiker.

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Tigray-Konflikt: Regierungstruppen kontrollieren offenbar Rebellen-Hauptstadt Mekele

In Äthiopien haben Regierungstruppen im Tigray-Konflikt offenbar die volle Kontrolle über die Hauptstadt der Rebellen-Provinz übernommen. Soldaten der Armee und mit ihr verbündete Milizen patrouillierten am Sonntag in den Straßen von Mekele und besetzten Schlüsselinstitutionen, wie ein örtlicher Journalist am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Zuvor waren erstmals seit über einer Woche die Kommunikationsverbindungen nach Mekele wiederhergestellt worden.

"Schluss mit Selbstbeschäftigung": Haßelmanns Mahnung vor Koalitionsausschuss

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann hat die Regierungspartner Union und SPD aufgerufen, den bevorstehenden Koalitionsausschuss für einen Neustart zu nutzen. "Der Koalitionsausschuss darf nicht nur der nächste Versuch sein, sich irgendwie wieder zusammenzuraufen - Schluss mit der Selbstbeschäftigung und dem Schleppen von Krise zu Krise", sagte Haßelmann am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. "Die erschütternden Ergebnisse der Rechtsextremen bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern müssen ein Weckruf sein."

AfD begrüßt Forderung von Rhein zu anderem Umgang im Bundestag

AfD-Parlamentsgeschäftsführer Bernd Baumann hat die Forderung von Hessens CDU-Ministerpräsident Boris Rhein zu einem anderen Umgang mit seiner Partei im Bundestag begrüßt. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP wertete Baumann die Überlegungen Rheins am Sonntag als Anzeichen für ein generelles Umdenken in der CDU. Dass der CDU-Politiker sich nun dafür ausspreche, der AfD-Fraktion die ihr zustehenden Ausschussvorsitze im Bundestag zuzugestehen, sei "nur der erste Schritt - weitere werden folgen".

"Machtspielchen": Linke weist Dröges Vorstoß für Dreierkoalition im Bund zurück

Die Linken-Parteivorsitzende Ines Schwerdtner hat den Vorstoß von Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge für eine rot-rot-grüne Dreierkoalition auf Bundesebene kritisiert. "Die Linke steht nicht als Mehrheitsbeschafferin für Machtspielchen zur Verfügung", sagte Schwerdtner am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. Die Linken-Chefin äußerte Unverständnis darüber, dass sich Dröge die Option eines schwarz-grünen Bündnisses mit der Union auf Bundesebene offenhalten will.

Textgröße ändern: