Deutsche Tageszeitung - EU importiert weiter Gas aus Russland - nennt aber geringere Zahlen als Moskau

EU importiert weiter Gas aus Russland - nennt aber geringere Zahlen als Moskau


EU importiert weiter Gas aus Russland - nennt aber geringere Zahlen als Moskau
EU importiert weiter Gas aus Russland - nennt aber geringere Zahlen als Moskau / Foto: © AFP/Archiv

Die EU hat seit Beginn des Kriegs in der Ukraine weiter Öl und Gas aus Russland importiert - nennt aber geringere Zahlen als Moskau. Zwischen März 2022 und Juli 2026 beliefen sich die Importe auf einen Wert von 197 Milliarden Euro, wie eine Sprecherin der EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mitteilte. Das ist deutlich weniger als der für Energie zuständige russische Vizeregierungschef Alexander Nowak angegeben hatte. Die Importe sind zudem deutlich gesunken.

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Nowak hatte am Montag im russischen Fernsehen gesagt, sein Land habe seit 2022 Erdöl und Erdgas im Wert von 320,7 Milliarden Dollar (etwa 286 Milliarden Euro) an EU-Länder verkauft. Er bezog sich auf "den Zeitraum von 2022 bis heute". Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres hätten die europäischen Länder Öl und Gas im Wert von 21,3 Milliarden Dollar gekauft.

Die Angaben aus Moskau beziehen sich zwar auf einen anderen Zeitraum als die Zahlen der EU-Kommission, trotzdem geht die Rechnung nicht auf. Die russischen Zahlen sind fast eineinhalb Mal so hoch, obwohl Moskau nur wenige Monate mehr einrechnet. Unklar ist, ob Russland weitere Öl- und Gasprodukte oder andere europäische Länder außerhalb der EU einrechnet.

Nowak sagte, die russischen Ölexporte könnten bis zum Jahresende wieder das Vorkriegsniveau erreichen. Er ging davon aus, dass dazu weiter auch Lieferungen an die EU gehören werden. "Trotz der sanktionsbedingten Einschränkungen liefern wir weiterhin Energieressourcen in bestimmten Bereichen, für die Ausnahmen gewährt wurden", sagte er.

In seiner Berechnung sind russisches Öl und Gas nicht berücksichtigt, die auf indirektem Weg nach Europa gelangen, nachdem sie in Drittländern wie Indien und der Türkei verarbeitet wurden. Diese Länder, ebenso wie China, haben seit 2022 ihre Käufe von russischem Rohöl massiv ausgeweitet.

Die EU hat seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine zahlreiche Sanktionen gegen Russland verhängt, darunter ein Importverbot für russisches Öl. Ungarn und die Slowakei profitieren allerdings von einer Ausnahmeregelung, sie dürfen russisches Öl über ihre Pipelines beziehen. Für ein Ende dieser Lieferungen gibt es bislang kein Datum.

Für Gas gibt es eine solche Frist: Spätestens zum 1. November 2027 darf kein Gas mehr aus Russland in die EU eingeführt werden. Flüssiggas (LNG) aus Russland ist schon ab dem Jahreswechsel verboten. Das Gesetz sieht nur für den Fall einer Energiekrise eine Notfallklausel vor.

Die Kommissionssprecherin in Brüssel betonte, die EU-Staaten hätten ihre russischen Energieimporte bereits drastisch heruntergeschraubt. "Wichtig ist die Tendenz. Wir müssen die Arbeit anerkennen, die viele unserer Mitgliedstaaten in Rekordzeit geleistet haben, obwohl die meisten nicht gedacht hätten, dass so eine schnelle Wende möglich ist", sagte sie.

Aktuell ist Russland mit rund 17 Prozent der zweitgrößte LNG-Lieferant der EU. Wichtiger sind nur die USA, die inzwischen rund 60 Prozent der europäischen LNG-Importe ausmachen. Kritiker befürchten deshalb, dass sich die EU anstelle Russlands nun von den USA abhängig macht.

US-Präsident Donald Trump selbst verkündete am Freitag eine Vereinbarung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Kauf von Diesel und verteidigte diese am Montag. "Die Europäische Union hat Russland 250 Milliarden Dollar für Energie gezahlt und die Fake-News-Medien" wollten das Thema nicht aufgreifen, erklärte Trump. "Ich habe die richtige Entscheidung für das amerikanische Volk getroffen - immer: Amerika zuerst!"

Auch US-Finanzminister Scott Bessent hatte am Sonntag die "Heuchelei" der Europäer kritisiert, die "weiterhin Wladimir Putin finanzieren", während sie "vorgeben, dass wir keine Atempause beim Dieselpreis erhalten können".

(B.Izyumov--DTZ)

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