Deutsche Tageszeitung - Siedlerangriffe verletzen US-Journalistin und europäische Diplomaten

Siedlerangriffe verletzen US-Journalistin und europäische Diplomaten


Siedlerangriffe verletzen US-Journalistin und europäische Diplomaten
Siedlerangriffe verletzen US-Journalistin und europäische Diplomaten

Bei zwei Angriffen im Westjordanland wurden die Fotografin Heidi Levine sowie Mitglieder einer europäischen Delegation verletzt. Israelische Behörden kündigten Prüfungen an, während mehrere Außenministerien protestierten.

Textgröße ändern:

Gewalttätige israelische Siedler haben im Westjordanland binnen zwei Tagen eine US-Fotojournalistin und eine europäische Delegation angegriffen. Die Vorfälle ereigneten sich während der Olivenernte, in der Übergriffe auf Palästinenser und ihre Unterstützer regelmäßig zunehmen.

Am Freitag wurde die 64-jährige Washington-Post-Fotografin Heidi Levine im Dorf Abu Falah nördlich von Ramallah attackiert. Nach ihrer Darstellung beteiligten sich mindestens 25, möglicherweise bis zu 50 Personen. Sie sei etwa zehn Minuten lang getreten worden; Angreifer hätten ihre Tasche zerrissen und Telefon sowie Kameraausrüstung mitgenommen.

Levine erlitt eine gebrochene Rippe, Wirbelbrüche, zahlreiche Prellungen und eine schwere Fingerverletzung. Ein Augenzeuge sagte der Zeitung Haaretz, Grenzpolizei und Militär seien erst nach Beginn der Auseinandersetzung eingetroffen. Die Sicherheitskräfte hätten Palästinenser und Demonstranten zerstreut, die Angreifer aber nicht gestoppt.

Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, die Umstände seien unklar und würden untersucht. Levine wies diese Darstellung aus dem Krankenhaus zurück. Ohne die Hilfe von Palästinensern wäre sie nach eigener Einschätzung möglicherweise getötet worden. Sie kündigte an, ihre journalistische Arbeit fortzusetzen.

Am folgenden Tag griffen Siedler eine Delegation mit französischen, polnischen und belgischen Regierungsvertretern und Diplomaten nahe dem christlichen Dorf Taybeh an. Ein Angreifer zertrümmerte mit einer Eisenstange die Scheibe eines Diplomatenfahrzeugs. Der französische Bürgermeister Bernard Baudoux sagte, er sei umgestoßen und geschlagen worden.

Der israelische Aktivist Amit Ofarli berichtete, sieben maskierte und mit Keulen bewaffnete Siedler hätten ihn und weitere Schutzbegleiter bedroht. Frankreich, Polen und Belgien verurteilten den Angriff. Auch das israelische Militär äußerte Kritik, verwies aber darauf, dass der Besuch nicht mit ihm abgestimmt gewesen sei.

Das Büro Netanjahus erklärte erneut, Videos, Fotos und Zeugenaussagen seien keine hinreichend überprüften Beweise. Menschenrechtsorganisationen werfen dem Militär seit Langem vor, Angriffe nicht wirksam zu verhindern und teilweise untätig zu bleiben.

Yesh Din registrierte zwischen dem 27. September und dem 14. Oktober 2026 insgesamt 486 Fälle von Gewalt durch Siedler und Soldaten gegen Palästinenser. Rund die Hälfte stand demnach im Zusammenhang mit der Olivenernte. Gemäßigte Siedler und mehrere Rabbiner wandten sich öffentlich gegen Übergriffe und bezeichneten die Aneignung palästinensischer Oliven als Diebstahl. Israelische Siedlungen im besetzten Westjordanland gelten nach internationalem Recht als illegal.

(W.Uljanov--DTZ)

Empfohlen

Fast 1000 Festnahmen bei neuen landesweiten Protesten in Frankreich

Die Proteste in Frankreich gegen hohe Lebenshaltungskostensind trotz Auflagen auch eine Woche nach massiven Gewaltausbrüchen am Rande von Demonstrationen nicht abgerissen. Das Innenministerium sprach am Samstagabend von landesweit 410.000 Teilnehmern, die Gewerkschaft CGT von fast 800.000 Teilnehmern. Laut Innenminister Laurent Nuñezkam es dabei erneut zu Ausschreitungen und Festnahmen. Derweil läutete die rechtspopulistische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen in der Stadt Orléans ihren Wahlkampf ein.

Israels Armee: Übergänge zum Westjordanland werden am Wahltag geschlossen

Nach dem tödlichen Angriff bewaffneter Palästinenser auf zwei israelische Soldaten im Westjordanland will Israels Regierung das Palästinensergebiet am Wahltag abriegeln. Während des gesamten Wahltages am 27. Oktober würden "sämtliche Landübergänge zum Westjordanland geschlossen", teilte Israels Armee am Sonntag im Onlinedienst Telegram mit. Die politische Führung habe zudem ein Verbot für Ein- und Ausreisen palästinensischer Arbeiter im Westjordanland und im Jordantal einschließlich der Industriezonen genehmigt.

Musk wirft ukrainischem Militär Verstoß gegen Starlink-Nutzungsbedingungen vor

US-Tech-Milliardär Elon Musk hat der ukrainischen Armee vorgeworfen, gegen die Nutzungsbedingungen des von seinem Unternehmen SpaceX bereit gestellten Satelliten-Internetdienstes Starlink verstoßen zu haben. Das ukrainische Militär habe den Dienst "für offensive Drohnenangriffe genutzt, um Menschen zu töten", erklärte Musk am Samstag in seinem Onlinedienst X. Er fügte jedoch an, dass diese Lücke in der vergangenen Woche geschlossen worden sei.

Richtungsentscheidung in Brasilien: Stichwahl zwischen Lula und Flávio Bolsonaro

Der linksgerichtete Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva oder der rechtsgerichtete Herausforderer Flávio Bolsonaro: Brasiliens Bürger treffen am Sonntag bei der Stichwahl um das Präsidentenamt eine Richtungsentscheidung. Es zeichnet sich ein äußerst knappes Rennen ab, eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Instituts Datafolha ergab ein Patt. Die erste Wahlrunde vor drei Wochen hatte Bolsonaro mit 47 Prozent der Stimmen überraschend gewonnen, Lula landete mit 45 Prozent knapp dahinter.

Textgröße ändern: