Deutsche Tageszeitung - "Wir meinen: Es reicht": Alice Schwarzer stellt Magazin "Emma" nach 50 Jahren ein

"Wir meinen: Es reicht": Alice Schwarzer stellt Magazin "Emma" nach 50 Jahren ein


"Wir meinen: Es reicht": Alice Schwarzer stellt Magazin "Emma" nach 50 Jahren ein
"Wir meinen: Es reicht": Alice Schwarzer stellt Magazin "Emma" nach 50 Jahren ein / Foto: © AFP/Archiv

Ein halbes Jahrhundert prägte die feministische Zeitschrift "Emma" von Alice Schwarzer die Bundesrepublik, doch Ende des Jahres soll Schluss sein. "Nach 50 Jahren und 398 Ausgaben mit 36.584 Seiten verlässt 'Emma' die Bühne", teilte die 83-jährige Journalistin und Frauenrechtlerin am Mittwoch in Köln mit. Schwarzer ist bis heute Herausgeberin und Chefredakteurin der von ihr gegründeten Zeitschrift.

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Passend zu ihrem kämpferischen Auftreten will Schwarzer ihre "Emma" dabei erhobenen Hauptes gehen lassen: Nicht aus ökonomischen Gründen, nicht wegen der sinkenden Auflage werde das feministische Magazin eingestellt, betonte sie. "Nein, wir gehen, weil wir meinen: Es reicht!" Drei Feministinnen-Generationen habe "Emma" die Stellung gehalten, allen Moden widerstanden und gegen manchen "Unsinn im Namen des Feminismus" Stellung bezogen. "Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet."

Am Dienstag erscheint die vorletzte, am 8. Dezember die letzte Ausgabe von "Emma". Das sechsköpfige Team wolle die Zeitschrift "in voller Kraft stehend beenden", sagte Schwarzer am Mittwoch der Wochenzeitung "Zeit". "Nach 50 Jahren stimmt der politische Bogen."

Als die erste "Emma" am 26. Januar 1977 erschien, sei der Spott groß gewesen, erinnerten sich die "Emma"-Macherinnen in einem gemeinsamen Text auf der Homepage der Zeitschrift, der am Mittwoch anlässlich der Einstellung veröffentlicht wurde. "Die lieben KollegInnen" hätten der "Emma" attestiert, höchstens bis zur zweiten Ausgabe zu überleben.

Tatsächlich habe "Emma" Deutschland ein halbes Jahrhundert lang ein Stück weit verändert, erklärte Schwarzer. Sie habe das Bewusstsein von Frauen wie Männern beeinflusst, ob sie "Emma" lasen oder nicht. Die Zeitschrift habe informiert, aufgeklärt, analysiert und provoziert. "Sie hat Debatten angestoßen, Gesetze geprägt und Menschen ermutigt. Rebellische Mädchen wurden ab 1977 auf dem Schulhof gerne Emma (oder Alice) genannt."

"Emma" prägte Themen wie Männergewalt, Kindesmissbrauch, Islamismus, Pornografie und Brustkrebs. Rezepte gab es keine, auch Mode spielte kaum eine Rolle. "Stattdessen: Informationen, Analysen, Anregungen und Provokationen", hieß es in dem Text der Mitarbeiterinnen. Dabei sei "Emma" oft "gegen den Strom" geschwommen, "auch innerhalb der feministischen Community".

Tatsächlich warfen manche Schwarzer und der "Emma" vor, nicht mehr zeitgemäß zu sein. Umstritten war etwa deren Haltung zum Thema Geschlechtsumwandlung. Auch zum Abschied der "Emma" legten die Mitarbeiterinnen noch einmal nach. Nach der "gefährlichen Transideologie" könne sich "jeder Mann qua Sprechakt zur Frau erklären", schrieben sie. "Und jungen Mädchen wird bei ihrem berechtigten Unbehagen an der Frauenrolle suggeriert, sie müssten nur Hormone spritzen und sich die Brüste abnehmen lassen, dann wäre das Problem schon geregelt."

Auslöser für das Ende der Zeitschrift sei gewesen, dass die dienstälteste Redakteurin vor drei Jahren aufhören und auf Weltreise gehen wollte, sagte Schwarzer der "Zeit". "Dann haben die anderen Kolleginnen sie überredet, doch noch die 50 Jahre mit uns vollzumachen. Aber ab da war klar, wir können das nicht ewig fortsetzen."

Immer wieder sei versucht worden, weitere Kolleginnen "in unserem Geiste" und eine Nachfolgerin für den Posten der Chefredakteurin zu finden, hieß es in dem gemeinsamen Text auf der "Emma"-Seite. Doch diese seien dann doch lieber in die etablierten Medien gegangen beziehungsweise dort geblieben. "Da weht der Wind von außen nicht ganz so rau. Denn ernsthaft feministisch engagiert sein – und nicht nur modisch queerfeministisch plaudern –, das wird frau bis heute nicht gedankt."

"Emma" werde auch weiterhin lebendig sein, kündigten die Macherinnen an. So sei unter anderem ein Newsletter geplant. Das Archiv der "Emma" werde außerdem in den Bestand des Deutschen Literaturarchivs Marbach übergehen. Dort werde es ab 2029 Interessierten, Medien und Forschenden offenstehen. "Ein halbes Jahrhundert Making Of dieses Abenteuers des Machens eines feministischen Magazins und die sich darin spiegelnde Geschichte der Frauen steht zur Erforschung bereit."

(U.Beriyev--DTZ)

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