Deutsche Tageszeitung - Das SID-Kalenderblatt am 24. Januar: Wohlfarth erster Bundesliga-Dopingsünder

Das SID-Kalenderblatt am 24. Januar: Wohlfarth erster Bundesliga-Dopingsünder


Das SID-Kalenderblatt am 24. Januar: Wohlfarth erster Bundesliga-Dopingsünder
Das SID-Kalenderblatt am 24. Januar: Wohlfarth erster Bundesliga-Dopingsünder / Foto: ©

So hatte sich Roland Wohlfarth seine Rückkehr in die Fußball-Bundesliga nicht vorgestellt. Der zweimalige Torschützenkönig des Oberhauses wurde Anfang 1995 wenige Tage nach seinem Wechsel von AS St. Etienne zum VfL Bochum bei einem Hallenturnier positiv auf das Stimulanzmittel Norephedrin getestet. Am 24. Januar machte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den ersten Doping-Fall der Bundesliga-Geschichte öffentlich.

Textgröße ändern:

Wohlfarth und der VfL, der nach Rücksprache mit dem Torjäger auf die Öffnung der B-Probe verzichtete, fielen bei der Mitteilung aus der DFB-Zentrale über den Kontrollbefund aus allen Wolken. "Das schlug ein wie eine Bombe", berichtete Bochums damaliger Trainer Klaus Toppmöller.

Wegen seines latenten Hangs zu Übergewicht hatte Wohlfarth sich nach seiner Verpflichtung durch die Westfalen in einer Apotheke einen Appetitzügler besorgt. Sein Fehler dabei: Der zweimalige Nationalspieler erkundigte sich nicht über die Zusammensetzung des Mittels. "Eine Dummheit", wie Toppmöller meinte.

"Ich dachte immer, was man kaufen darf, kann nicht verboten sein", rechtfertigte sich Wohlfarth noch Jahre später mit Naivität. Wettbewerbswidrig einen Vorteil hätte er sich keinesfalls verschaffen wollen, beteuerte der fünfmalige Meisterstürmer von Bayern München: "Ich wollte nur gegen das ständige Übergewicht angehen. Schneller gelaufen bin ich deswegen nicht."

Doch Unwissenheit schützte auch Wohlfarth vor Strafe nicht: Weil Norephedrin auf der DFB-Liste der verbotenen Wirkstoffe steht, sperrte der Verband den gebürtigen Bocholter wenige Wochen später (16. Februar) für zwei Monate und verhängte eine Geldstrafe von 60.000 Mark.

Der "Fall Wohlfarth" befeuerte eine gerade erst wieder etwas abebbende Diskussion über Doping im deutschen Profi-Fußball. Nur wenige Monate zuvor hatte der ehemalige Hammerwerfer Edwin Klein in einem Buch dem DFB schwere Versäumnisse und Fehler bei der Bekämpfung der Leistungsmanipulation vorgeworfen, kurz darauf war Argentiniens Idol Diego Maradona bei der WM in den USA schon zum zweiten Mal des Dopings überführt und weltweit gesperrt worden.

Als eine Reaktion auf die allgemeine Entwicklung verschärfte der DFB, der in der Doping-Frage schon in den 80er Jahren von seinem früheren Nationaltorwart Toni Schumacher aufgeschreckt worden war, seine Anti-Doping-Maßnahmen und führte zum 1. Januar 1995 stichprobenartige Kontrollen im Training der Profi-Klubs sowie auch bei den damals populären Hallenturnieren ein. Nur vier Tage darauf baten Kontrolleure im Auftrag des DFB Wohlfarth in Leipzig zur Dopingprobe.

"Ich habe auf die Rübe gekriegt", meint der Ex-Angreifer mit Blick auf das deutlich überstiegene Mindeststrafmaß von damals vier Wochen, "der DFB hat knallhart zugeschlagen und an mir ein Exempel statuiert."

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

NFL-Superstar Mahomes peilt Comeback zum Saisonstart an

Football-Superstar Patrick Mahomes hat auf dem Weg zu seinem Comeback das nächste Etappenziel erreicht. Der Star-Quarterback der Kansas City Chiefs erhielt über sieben Monate nach seiner schweren Knieverletzung die medizinische Freigabe für die vollständige Teilnahme am Training.

WM-Held Vozinha vor Wechsel nach Chile

Kap Verdes WM-Held Vozinha wird zum chilenischen Fußball-Topklub Colo-Colo wechseln. "Vozinha wird Spieler von Colo-Colo werden, er wird in den nächsten Tagen nach Chile kommen, die obligatorischen Untersuchungen absolvieren und anschließend hier im Stadion vorgestellt werden", sagte Vereinspräsident Aníbal Mosa vor einem Ligaspiel.

Klopps Erfahrung für Matthäus ein Pluspunkt

Der deutsche Fußball-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sieht in der Erfahrung des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp einen der größten Vorteile gegenüber dessen Vorgänger Julian Nagelsmann. "Klopp ist 20 Jahre älter als Julian Nagelsmann und er hat entsprechend mehr Erfahrung. Die Kommunikation ist Jürgens große Stärke, er sollte im Umgang mit den Spielern das eine oder andere besser machen als sein Vorgänger", schrieb Matthäus in seiner Sky-Kolumne.

Bayern-Juwel Cardozo zwischen Brasilien und Portugal

Für Bayern München hat Mittelfeld-Juwel Maycon Cardozo schon in der Bundesliga debütiert, nun träumt der 17-Jährige von einer WM-Teilnahme 2030. Und die Chancen stehen nicht schlecht, schließlich kann der Teenager sowohl für Brasilien als auch Portugal auflaufen. Eine Luxussituation, wie er selbst zugibt. "Beide Staatsbürgerschaften zu besitzen, ist eine große Bereicherung", sagte Cardozo dem brasilianischen TV-Sender O Globo.

Textgröße ändern: