Deutsche Tageszeitung - Aus der Zauber: Brasiliens Traum platzt gegen Kroatien

Aus der Zauber: Brasiliens Traum platzt gegen Kroatien


Aus der Zauber: Brasiliens Traum platzt gegen Kroatien
Aus der Zauber: Brasiliens Traum platzt gegen Kroatien / Foto: © SID

Brasiliens Tänzer versagen vom Punkt - und ein ganzes Land verfällt wieder einmal in tiefe Trauer: Der neue Rekordtorschütze Neymar und die Selecao haben im WM-Viertelfinale gegen bissige Kroaten urplötzlich ihren Zauber verloren, das 2:4 im Elfmeterschießen besiegelte am Freitag das frühe Aus des Titelfavoriten. Nach 120 Minuten lange Zeit biederen Minuten hatte es 1:1 (0:0) gestanden.

Textgröße ändern:

Erst in der Verlängerung brachte Neymar Brasilien mit einem Solo in Führung (105.), holte damit den großen Pele als Rekordschützen des Landes ein. Doch Bruno Petkovic (117.) glich noch aus, es war Kroatiens erster Schuss aufs Tor.

Und dann avancierte schon wieder Kroatiens Torhüter Dominik Livakovic zum Elfmeter-Helden, schon im Achtelfinale hatte er die Japaner verzweifeln lassen. Nun hielt er den Versuch von Rodrygo, Marquinhos scheiterte zudem am Pfosten.

Für den Vize-Weltmeister Kroatien geht es im Halbfinale gegen die Niederlande oder Argentinien weiter, Brasilien dagegen entwickelt einen ernsthaften Europa-Komplex: Seit dem Final-Triumph gegen Deutschland vor 20 Jahren gab es sechs K.o.-Duelle gegen europäische Teams - und dabei sechs Niederlagen. Der Traum vom "Hexa", vom sechsten Titel, wird sich auch in diesem Winter nicht manifestieren.

Kroatien indes richtet sich langsam ein unter den Besten der Welt, steht nach 1998 (3.) und 2018 (2.) zum dritten Mal im Halbfinale einer WM. Altstar Luka Modric gab gegen Brasilien erneut den Takt vor und erledigte nebenbei Defensivaufgaben. Auch die Bundesligastars Josko Gvardiol (Leipzig) und Andrej Kramaric (Hoffenheim) standen in der Startelf und halfen, den vermeintlich übermächtigen Gegner zu entnerven. Das gelang eindrucksvoll. Im Achtelfinale gegen Südkorea (4:1) war Brasilien geradezu zum Sieg getanzt, am Freitag nun wirkte das Team schwerfällig.

Dabei war es vorab der Inbegriff der Siegesgewissheit gewesen. Auf der Busfahrt ins Education-City-Stadion sang die Mannschaft bereits vom Titel, nun wird das Finale am 18. Dezember schon wieder ohne Brasilien steigen. Und Neymar, mittlerweile 30, läuft so langsam die Zeit davon. Denn in den Legendenstatus gelangen von Rio de Janeiro bis Sao Paulo nur jene, die ihr Land auch mindestens einmal zum Campeao mundial machen - er könnte irgendwann als Unvollendeter abtreten.

Die Probleme wurden früh im Spiel offensichtlich, Kroatiens Trainer Zlatko Dalic ließ seine routinierte Mannschaft mit großem läuferischen Aufwand hoch attackieren. Das war der Favorit bei dieser WM nicht gewohnt. Modric nahm Casemiro zudem in Manndeckung - und der ehemalige Bayern-Profi Ivan Perisic hatte die erste Torchance (13.).

Kroatien verteidigte souverän und hatte sich vorgenommen, den Edeltechnikern mit Konsequenz und Kontern auf die Nerven zu gehen. Eine Prise gesunde Härte, auch gegen Neymar, war Teil der Taktik, Gvardiol organisierte die Abwehr stark. Im rechten Mittelfeld fiel Josip Juranovic sehr positiv auf.

Brasilien machte nach der Pause zunächst mehr Dampf. Gvardiol stand dadurch sofort im Mittelpunkt: Erst hätte er beinahe ins eigene Tor getroffen (47.), dann rettete er mit einer Grätsche gegen Neymar - der stand allerdings im Abseits. Später scheiterte Neymar an Torhüter Dominik Livakovic, dem Helden des Elfmeterschießens im Achtelfinale gegen Japan (55.).

Erstaunlicherweise bekam Kroatien nicht weniger Ballbesitz als der Gegner, dennoch stieg der brasilianische Druck nun. Livakovic musste auch gegen Lucas Paqueta eingreifen (66.), zehn Minuten später rettete er gegen Neymar. Bald ging es torlos in die Verlängerung, erst hier nahm die Begegnung Fahrt auf - und Neymar wirkte nur für ein paar Minuten wie der große Held.

(O.Zhukova--DTZ)

Empfohlen

Klopp nominiert DFB-Kader am 17. September

Der neue Bundestrainer Jürgen Klopp wird seinen mit Spannung erwarteten Kader für den Start in seine Amtszeit am 17. September auf dem DFB-Campus in Frankfurt/Main präsentieren. Das geht aus einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vom Montag hervor. Vier Tage später wird er seine Nationalspieler für den Nations-League-Auftakt beim DFB-Partner adidas in Herzogenaurach versammeln.

HSV-Investor Kühne gestorben

Trauer um Klaus-Michael Kühne: Der Unternehmer und Investor des Hamburger SV ist im Alter von 89 gestorben. Das bestätigte das Unternehmen Kühne+Nagel. Demnach sei der Manager in der Nacht zu Montag in Schindellegi/Schweiz verstorben. "Die Nachricht vom Tod von Klaus-Michael Kühne macht uns alle tief betroffen", sagte Stefan Paul, CEO der Kühne+Nagel International AG.

Pyrotechnik: Fünf Verletzte bei niederländischem Erstligaspiel

Bei Ausschreitungen im Rahmen eines Fußballspiels der niederländischen Eredivisie sind fünf offenbar unbeteiligte Fans verletzt worden. Die Anhänger des Erstligisten SC Cambuur-Leeuwarden waren am Sonntag im Heimspiel gegen Feyenoord Rotterdam (2:5) von pyrotechnischen Gegenständen getroffen worden, die von Feyenoord-Fans aus dem Gästeblock auf die Familientribüne geworfen wurden. Ein Vereinssprecher erklärte, dass die Verletzten Brandwunden, Gehörschäden und Augenverletzungen erlitten hätten.

Masters in Cincinnati: Gauff und Fils gewinnen

Coco Gauff und Arthur Fils haben die Generalprobe für die US Open (30. August bis 13. September) gewonnen. Beim Tennis-Masters in Cincinnati siegte Gauff im amerikanischen Finale gegen Jessica Pegula mit 6:2, 6:4 und sicherte sich ihren ersten Titel der Saison. Der Franzose Fils triumphierte mit 6:3, 1:6, 6:0 über Frances Tiafoe (USA). Für den 22-Jährigen war es der bislang größte Erfolg seiner Karriere.

Textgröße ändern: