Deutsche Tageszeitung - Schiri-Aussagen: Michelmann rügt Schwarzer

Schiri-Aussagen: Michelmann rügt Schwarzer


Schiri-Aussagen: Michelmann rügt Schwarzer
Schiri-Aussagen: Michelmann rügt Schwarzer / Foto: © SID

Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), hat Ex-Weltmeister Christian Schwarzer für dessen Kritik an Schiedsrichterinnen im Männerbereich gerügt. "Es ist schade, dass sich so ein großer Nationalspieler derart ins Abseits manövriert", sagte Michelmann dem SID am Rande der Handball-WM in Polen und Schweden: "Ich finde diese Aussagen absolut aus der Zeit gefallen und komplett deplatziert."

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Der 53-jährige Schwarzer hatte zuvor die Nominierung von Schiedsrichterinnen für die Männer-WM (bis 29. Januar) moniert. "Keine Ahnung, wie man da auf die Idee gekommen ist, Frauen bei den Männern pfeifen zu lassen", hatte der Weltmeister von 2007 im Podcast "Erhellendes von Blacky Schwarzer" gesagt. In seiner aktiven Karriere habe er Schiedsrichterinnen auf dem Feld "auf gar keinen Fall" vermisst: "Ich hätte es nicht gemacht: Die können bei den Frauen pfeifen - und Männer pfeifen bei den Männern, aber das ist jetzt meine Einstellung dazu - und es entscheiden andere Leute drüber."

Michelmann sieht die Sache komplett anders. "Es ist doch inzwischen das Normalste der Welt, dass Frauen einen solchen Job übernehmen", so das Verbandsoberhaupt: "Seitdem wir Jutta Ehrmann-Wolf, selbst eine ehemalige internationale Spitzenschiedsrichterin, zur Leiterin des DHB-Schiedsrichterwesens gemacht haben, ist es absolut selbstverständlich, dass Männer UND Frauen regelmäßig in erster und zweiter Liga pfeifen. Das ist eine ganz normale Entwicklung."

Auch Andreas Thiel, deutsche Torhüterlegende und seit 2018 Vorsitzender der Handball-Bundesliga Frauen (HBF), kann die Aussagen Schwarzers ("Ich weiß es von vielen anderen, ob Trainer-Kollegen, ob Spieler, dass die auch nicht so begeistert sind") nicht nachvollziehen. "Ich kann das nicht bestätigen, was Blacky da genau meint", sagte Thiel dem SID. Er wolle da aber "kein Riesenfass aufmachen. Wir leben in aufgeregten Zeiten. Jeder darf seine Meinung frei äußern."

In Bezug auf das deutsche Gespann Maike Merz und Tanja Kuttler, die zurzeit als erstes deutsches Frauen-Duo bei einer WM im Einsatz sind, meinte Thiel: "Sie können pfeifen und haben das Handballspiel verstanden. Darauf kommt es an." Merz/Kuttler hätten das "nötige Fingerspitzengefühl" und es "verdient bei einer Männer-WM zu pfeifen. Das Duo Jutta Ehrmann-Wolff und Susanne Künzig waren zu unserer Zeit schon herausragend, da knüpfen Merz/Kuttler nun an."

Michelmann ist derselben Meinung. "Ich beobachte den Weg von Tanja Kuttler und Maike Merz seit vielen Jahren und verstehe diese Form der Kritik ganz und gar nicht", so der DHB-Boss.

"Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Das darf auch er tun, mehr müssen wir dazu nicht sagen", sagte WM-Schiedsrichterin Merz bei der Sportschau. Kuttler ergänzte: "Sowohl in der Bundesliga als auch auf internationalem Parkett nehmen wir keine Unterschiede wahr. Wir fühlen uns voll akzeptiert."

(B.Izyumov--DTZ)

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