Deutsche Tageszeitung - Wolff hadert mit WM-Aus - Gislason sieht "keinen Rückschlag"

Wolff hadert mit WM-Aus - Gislason sieht "keinen Rückschlag"


Wolff hadert mit WM-Aus - Gislason sieht "keinen Rückschlag"
Wolff hadert mit WM-Aus - Gislason sieht "keinen Rückschlag" / Foto: © IMAGO/Stian Lysberg Solum/SID

Die Uhr ging streng auf Mitternacht zu, als Andreas Wolff als einer der letzten in den Teambus stieg. Die Emotionen nach dem Drama von Oslo waren beim Torwart von Deutschlands Handballern allmählich abgeklungen, der Frust aber blieb gewaltig. "Es tut weh, so auszuscheiden", sagte der überragende Schlussmann nach dem Viertelfinal-Knockout gegen Portugal (30:31), bekräftigte aber: "Ich werde mich hier jetzt nicht hinstellen und über mein Team herziehen."

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21 teils unfassbare Paraden hatte Wolff gegen die Überraschungsmannschaft gezeigt, sein Team immer wieder im Spiel gehalten. Doch nach einem 70-minütigen Handball-Thriller stand am Ende das Aus bei der Weltmeisterschaft. Vor allem bei Wolff war der Frust unmittelbar nach Spielende unübersehbar. Er tobte und schrie all seinen Zorn heraus.

"Wir hatten alle Chancen selbst in der Hand, ins Halbfinale einzuziehen", analysierte Wolff einige Augenblicke später erstaunlich nüchtern. Während der Kieler mit teils akrobatischen Aktionen einen Ball nach dem anderen aus den Ecken seines Tores gekratzt hatte, kam die deutsche Offensive, als es in der Crunchtime darauf ankam, nicht ins Rollen. Portugal rettete sich in die Verlängerung - und durfte dank eines Treffers vier Sekunden vor der Schlusssirene schließlich über den ersten Halbfinaleinzug überhaupt jubeln.

"Wir waren nicht schlau und clever genug. Das ist sehr, sehr bitter", sagte Spielmacher Luca Witzke. Und Christoph Steinert meinte gefrustet: "Es ist eine Riesenenttäuschung da. Wir haben uns das anders ausgemalt. Wir waren eigentlich sehr selbstbewusst, das Spiel heute zu gewinnen."

Statt um die erste WM-Medaille seit 18 Jahren zu spielen und zum dritten Mal nacheinander bei einem großen Turnier ins Halbfinale einzuziehen, steht für Wolff und Co. am Donnerstag nun die Heimreise an. Bundestrainer Alfred Gislason wollte ein halbes Jahr nach dem Gewinn der olympischen Silbermedaille dennoch kein ausschließlich negatives Turnierfazit ziehen.

"Das ist kein Rückschlag. Wir lernen davon", sagte der Isländer, auch wenn er selbst "natürlich extrem traurig" sei. Der 65-Jährige verwies darauf, "einen Haufen" starke Nationen wie den EM-Dritten Schweden, die Spanier und Co-Gastgeber Norwegen hinter sich gelassen zu haben, schob aber nach: "Wir wären sehr gerne in das Halbfinale gekommen."

Die DHB-Auswahl hatte vor dem Turnier von Edelmetall geträumt und den Halbfinaleinzug als Ziel ausgegeben - wurde diesem über den gesamten Turnierverlauf aber nur selten gerecht. Schon in der Vorrunde wackelte Deutschland, in der Hauptrunde setzte es gegen Olympiasieger und Weltmeister Dänemark dann eine 30:40-Pleite, ehe gegen Portugal nun das Aus folgte.

Von einem Rückschritt wollte Gislason nach seinem siebten Turnier als DHB-Coach deshalb nicht sprechen, gleichwohl sein Team auf der WM-Bühne nach Platz fünf vor zwei Jahren mindestens auf der Stelle stehen blieb. So passte Witzkes Analyse wohl am besten: "Ich würde nicht sagen, dass es ein Schritt zurück war. Wir haben aber auch keinen Schritt nach vorn gemacht."

(V.Sørensen--DTZ)

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