Deutsche Tageszeitung - Gauff im Pariser Himmel: Sieg im Krimi über Sabalenka

Gauff im Pariser Himmel: Sieg im Krimi über Sabalenka


Gauff im Pariser Himmel: Sieg im Krimi über Sabalenka
Gauff im Pariser Himmel: Sieg im Krimi über Sabalenka / Foto: © SID

Coco Gauff lag weinend auf dem Rücken des Court Philippe Chatrier und stammelte immer wieder "Oh, my god!", auf der Tribüne hüpfte ihre Mutter Candi wie ein Flummi auf und ab: Gauffs großer Traum vom French-Open-Sieg ist nach einem wilden Ritt wahr geworden.

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In einem Auf und Ab der Gefühle setzte sich die 21-Jährige im Finale von Roland Garros 6:7 (5:7), 6:2, 6:4 gegen die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka aus Belarus durch - 2:37 Stunden lang hatte das Match bei insgesamt 15 Breaks immer neue und irrwitzige Wendungen parat. Letztlich aber eroberte Gauff drei Jahre nach der bitteren Final-Abfuhr gegen Iga Swiatek die Sandplatz-Krone.

Wie schon im US-Open-Finale 2023 drehte Gauff das Match gegen die favorisierte Sabalenka. "Damals habe ich um jeden einzelnen Punkt gefightet. Ich wusste schon beim Aufstehen, dass ich gewinnen würde", sagte sie vor dem Pariser Endspiel. Und genauso ging sie es wieder an. Vor 15.000 Zuschauern auf dem Court Philippe Chatrier, darunter Hollywood-Legende Dustin Hoffman (87) und der scheidende IOC-Präsident Thomas Bach, verwandelte sie ihren zweiten Matchball und nahm wenig später den Coupe Suzanne Lenglen entgegen.

Die favorisierte Sabalenka verpasste nach einer Unzahl von Fehlern - 70 aus der Kategorie Unforced Error - leichtfertig ihren ersten Paris-Triumph und ihren vierten Major-Titel. Die 27-Jährige hatte im Halbfinale die "Königin von Roland Garros" entthront: Swiatek hatte im Vorjahr zum vierten Mal insgesamt und zum dritten Mal in Serie den Titel gewonnen. Diesmal musste sie die vor allem physische Überlegenheit Sabalenkas anerkennen. Im Finale war aber dann mehr als nur schiere Kraft gefragt, Sabalenka scheiterte auch an ihrer Psyche.

Im Männer-Finale stehen sich am Sonntag (15.00 Uhr/Eurosport) der Weltranglistenerste Jannik Sinner (Italien) und Titelverteidiger Carlos Alcaraz (Spanien) gegenüber. Es ist das erste Mal in Paris seit 1984, dass bei Männern wie Frauen die Nummer eins und zwei der Welt aufeinandertreffen - damals waren es die Legenden McEnroe, Lendl, Navratilova und Evert.

Gauff, die wie in Paris gewohnt in dicker schwarzer Lederjacke auf den Platz kam, wirkte zunächst nicht wirklich warm, verlor ihr zweites Aufschlagspiel zu null und das dritte gleich hinterher. Sabalenka ließ Gauff aber wieder ins Spiel kommen, fabrizierte Fehler in Serie. Die Zuschauer wurden erstmals richtig laut.

Mit dem vierten Spielgewinn in Serie glich Gauff zum 4:4 aus. Auch danach gab es in den Ballwechseln eigentlich nur zwei Optionen: Winner Sabalenka oder Fehler Sabalenka. Zweimal schlug die Weltranglistenerste zum Satzgewinn auf, hatte einen Satzball und musste dennoch in den Tiebreak. Dort vermied sie dann einen maximal unnötigen Rückstand.

Der Satzgewinn gab der Favoritin aber keine Sicherheit, gleich dreimal verlor sie ihren Aufschlag, nach rund zwei Stunden Spielzeit war wieder alles offen. Sabalenka verlor zusehends die Nerven, zeterte, schimpfte, fluchte. Sie schaffte nochmal den 3:3-Ausgleich, flatterte aber sogleich wieder entscheidend - und das war nicht nur dem böigen Wind geschuldet.

(I.Beryonev--DTZ)

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