Deutsche Tageszeitung - Studie: Breitensport für Deutsche wichtiger als Spitzensport

Studie: Breitensport für Deutsche wichtiger als Spitzensport


Studie: Breitensport für Deutsche wichtiger als Spitzensport
Studie: Breitensport für Deutsche wichtiger als Spitzensport / Foto: © IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON/SID

Medaillen sind nicht alles, die Förderung des Breitensports ist den Deutschen wichtiger als eine international erstklassige Spitze. Das sind die prägnantesten Erkenntnisse einer empirischen Untersuchung im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und des Vereins Athleten Deutschland. Die Ergebnisse, die am Montag präsentiert wurden, sollen ihren Beitrag leisten zur sogenannten "Zieldebatte Leistungssport" und auf lange Sicht auch die Vergabe von Fördergeldern für den Sport beeinflussen.

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Die Studie "Mehr als Medaillen? Was sich unsere Gesellschaft vom Leistungssport erwartet" des renommierten Sinus-Instituts mit mehr als 1500 Befragten zeigt, dass die Gesellschaft in Deutschland den Leistungssport positiv bewertet und seine staatliche Förderung grundsätzlich für wichtig hält. Medaillen bei großen internationalen Meisterschaften werden von den Menschen aber nicht als so wichtig erachtet wie Effekte, die in die Gesellschaft wirken.

Entsprechend liegt mehr Menschen die Förderung des Breitensports als des Spitzensports am Herzen. Für 81 Prozent der Befragten ist die Förderung der Breite eher/sehr wichtig, bei der Spitze sind es sieben Prozent weniger.

Ins Bild passt: Befragt nach den Zielen staatlicher Leistungssportförderung, halten 94 Prozent die Förderung der Kinder- und Jugendarbeit in Vereinen für "sehr wichtig" oder "eher wichtig", ebenso viele die Sicherstellung ethischen Verhaltens im Sport. Herausragende Leistungen deutscher Athleten machen 72 Prozent der Befragten auch dann glücklich, wenn es nicht zu einer Medaille reicht.

Auch als internationaler Imageträger Deutschlands spielt der Leistungssport nur eine untergeordnete Rolle: Wichtiger sind für die Bevölkerung hier etwa die Bereiche Wirtschaft, Technologie und Wissenschaft.

Die Ergebnisse markierten "den Auftakt für die festgelegte, tiefergehende Debatte über die Ziele staatlicher Leistungssportförderung", teilten DOSB und Athleten Deutschland mit. Beide Organisationen erklärten ihre Bereitschaft, "sich gemeinsam mit Bund, Ländern und organisiertem Sport auf das weitere Vorgehen zur Umsetzung dieses strategisch bedeutsamen Projekts für den Leistungssport in Deutschland zu verständigen".

DOSB-Vorstand Olaf Tabor, zuständig für den Leistungssport, erklärte, die "vielfältigen Ziele" der Untersuchung zu vereinen, sei "eine Herausforderung, aber das sollte unser Anspruch für den Leistungssport in Deutschland sein. Es geht um einen international erfolgreichen Leistungssport, von dem der organisierte Sport und unsere Gesellschaft gemeinsam profitieren."

Maximilian Klein, stellvertretender Geschäftsführer von Athleten Deutschland, fasste zusammen: "Die Studie ebnet nun den Weg für eine informierte Zieldebatte: Zentral dabei ist die Frage, welche sportlichen und gesellschaftlichen Ziele mit der staatlichen Leistungssportförderung verfolgt werden sollen – und wie sie tatsächlich erreicht werden können. Die Zielklärung sollte die Grundlage einer nationalen Spitzensportstrategie bilden."

Damit der Leistungssport langfristig Rückhalt in der Bevölkerung finde, "müssen diese Mehrwerte für möglichst viele Gesellschaftsgruppen sichtbar und erlebbar sein", so Klein. An der Spitzensportstrategie müsse sich die Wirksamkeit der staatlichen Förderung ablesen lassen. Und sie müsse "inhaltlicher Orientierungsrahmen für zentrale Vorhaben wie Olympiabewerbung, Spitzensportreform und Sportfördergesetz" sein.

(V.Varonivska--DTZ)

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