Deutsche Tageszeitung - Nervenstark in Abu Dhabi: Norris rast zum ersten WM-Titel

Nervenstark in Abu Dhabi: Norris rast zum ersten WM-Titel


Nervenstark in Abu Dhabi: Norris rast zum ersten WM-Titel
Nervenstark in Abu Dhabi: Norris rast zum ersten WM-Titel / Foto: © SID

Lando Norris hat im wichtigsten Rennen seines Lebens die Nerven bewahrt und ist erstmals Weltmeister der Formel 1. Der Engländer holte beim brisanten Saisonfinale in Abu Dhabi den dritten Platz hinter Max Verstappen und seinem Teamrivalen Oscar Piastri, er entthronte damit den Seriensieger im Red Bull nach vier Jahren - erstmals seit 2008 stellt das Traditionsteam McLaren wieder einen Champion. Piastri musste trotz eines starken Rennens die eigenen Titelhoffnungen begraben, erstmals seit 15 Jahren waren drei Piloten mit Chancen auf die Krone ins Finale gegangen.

Textgröße ändern:

Dem Spitzenreiter Norris genügte aber ein Podestplatz, diesen fuhr er sicher ein. Sieben Jahre nach seinem Debüt in der Königsklasse ist er damit am Ziel seiner Träume angekommen. Der 26-Jährige war immer ein Top-Talent, galt vielen aber als zu weich für die entscheidenden Rennen - am Sonntag in Abu Dhabi wurde ihm allerdings nichts geschenkt. Mehrfach drohte Gefahr, doch Norris fuhr schnell, fehlerfrei und auch hart in den wichtigen Momenten. Am Ende schlug er Verstappen im WM-Kampf um nur zwei Punkte.

Ferrari war mit Charles Leclerc noch einmal ein starker Jäger, der Monegasse musste sich aber mit Rang vier begnügen.

In den Stunden vor dem Start hatten sich alle Augen auf Norris gerichtet, denn er war derjenige, der alles zu verlieren hatte - gerade weil das große Ziel so einfach zu erreichen schien: In 17 der vorherigen 23 Saisonrennen hatte er auf dem Podest gestanden, nur einmal musste er das nun noch wiederholen. Er habe "überraschend gut geschlafen", sagte Norris nach Ankunft an der Strecke bei Sky, "das ist der Moment, auf den wir unser ganzes Leben warten". Wenig später saß er dann regungslos auf einem Hocker in der Garage neben seinem Boliden - in Gedanken wohl schon beim wichtigsten Rennstart seiner bisherigen Karriere. Vergleichsweise entspannt wirkten derweil die Mienen bei Red Bull.

Als die roten Ampeln dann ausgingen, waren alle drei Rivalen voll da, Verstappen, Norris und Piastri hielten ihre Positionen - wenig später zeigte sich allerdings, wie ernst es Piastri meinte. Der Australier war schneller, saugte sich schon auf der ersten langen Geraden an den Teamkollegen heran und ging am Ende der zweiten vorbei.

Und mit einem Mal war Norris maximal verwundbar. Denn auch Leclerc war als Vierter im Ferrari hinter ihm schneller, hielt sich durchgehend im DRS-Fenster und kam mit Hilfe des aufgeklappten Flügels immer wieder gefährlich nahe heran. In dieser Phase hätte Norris die Hilfe und den Windschatten seines Teamkollegen gebrauchen können, doch Piastri fuhr davon - und hatte dabei die Unterstützung des Teams: "Schau mal, ob du Verstappen unter Druck setzen kannst", funkte der Kommandostand.

Allerdings hatte Norris die gefährliche Situation im Griff, ließ Leclerc nicht vorbei, und nach etwa zehn Runden begannen die Reifen des Ferrari einzubrechen. Norris hatte nun auf dem dritten Platz etwas mehr Ruhe, vorne hatte indes Verstappen keine größeren Probleme, Piastri auf Distanz zu halten.

Norris ging dann als erster Titelkandidat für neue Reifen an die Box, es war kein optimales Timing: Der Engländer kam hinter einer ganzen Gruppe von Autos auf die Strecke zurück. Er überholte allerdings nervenstark, bis er auf Verstappens Teamkollegen Yuki Tsunoda auflief. "Gib alles, wenn Norris kommt", funkte Red Bull an den Japaner - und der ging an die Grenzen, drückte Norris auf der Geraden beinahe in die Leitplanke, doch der Engländer kam vorbei und war als Dritter wieder im Soll. Auch nach den Stopps von Verstappen und Piastri ergab sich die gleiche Reihenfolge, obwohl Leclerc hinter Norris weiterhin eine Bedrohung blieb.

(B.Izyumov--DTZ)

Empfohlen

Medien: Klopp will mit Völler weitermachen

Jürgen Klopp setzt bei einem möglichen Engagement als Bundestrainer auch auf Sportdirektor Rudi Völler. Der 59-Jährige hat laut Bild bereits mit Völler telefoniert. Dabei soll Klopp dem Weltmeister von 1990 versichert haben, dass er ihn gerne beim DFB behalten und mit ihm zusammenarbeiten würde.

Ausgesetzte Sperre nach Trump-Intervention: USA verlieren trotz Balogun-Einsatzes

Das Aussetzen der Rot-Sperre für US-Stürmer Folarin Balogun nach einer Intervention von Präsident Donald Trump hat weltweit empörte Reaktionen ausgelöst - und der US-Nationalmannschaft nichts genützt. Das Team der WM-Gastgeber-Nation verlor trotz des Einsatzes seines Top-Torschützen Balogun in der Nacht zum Dienstag mit 1:4 gegen Belgien und schied damit aus dem Turnier aus. Der Weltfußballverband Fifa hatte seine Entscheidung zuvor noch verteidigt.

Neuendorf will "Fall Balogun" nicht "zu den Akten legen"

Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Europäische Fußball-Union (UEFA) ist der "Fall Balogun" trotz der "Unschulds-Beteuerungen" des Weltverbands FIFA um Präsident Gianni Infantino längst nicht ausgestanden. "Wir haben die Reaktion der FIFA zur Kenntnis genommen", sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der für die UEFA im FIFA-Council sitzt, auf SID-Anfrage: "Ich bin mir mit der UEFA einig, dass dieser Vorgang nicht zu den Akten gelegt werden darf, zunächst aber unter den europäischen Fußballverbänden weiter besprochen werden muss."

Balogun wirkungslos: Belgien stoppt die USA

Belgien hat völlig unbeeindruckt von der "Causa Balogun" die Soccer-Party der USA gecrasht und den Co-Gastgeber aus dem Turnier geworfen. Angeführt von Doppelpacker Charles De Ketelaere gewannen die eiskalten Roten Teufel das brisante WM-Achtelfinale gegen die USA mit dem vom Weltverband FIFA begnadigten Folarin Balogun mit 4:1 (2:1). Sie treffen nun am Freitag in Los Angeles auf Europameister Spanien.

Textgröße ändern: