IOC lässt Russland wieder zu - Ukraine wettert
Das Internationale Olympische Komitee öffnet Athletinnen und Athleten aus Russland den Weg zur Rückkehr in den Weltsport. Am Dienstag gab das IOC nach einer Sitzung der Exekutive bekannt, dass die Sanktionen gegen das Nationale Olympische Komitee Russlands ROC vorläufig aufgehoben und die Empfehlungen an die Fachverbände damit hinfällig sind.
Russische Mannschaften könnten damit ebenso wieder bei internationalen Wettbewerben an den Start gehen wie russische Sportler bei den Qualifikationen für die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles. Dafür müssen sie die Anforderungen im Anti-Doping-Kampf erfüllen: Jeder russische Athlet muss sich mehreren Tests unterziehen, bevor er wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen darf.
Mit Verweis auf die IOC-Vollversammlung Ende Juni, bei der die Ringe-Organisation ihre Position zur Neutralität des Sports gestärkt hatte, sagte Präsidentin Coventry, der Schritt vom Dienstag sei "angesichts unserer neuen strategischen Ausrichtung nur logisch: Wir haben deutlich gemacht, dass wir sicherstellen wollen, dass alle Athleten die Möglichkeit haben, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, ohne für die Handlungen ihrer Regierung zur Rechenschaft gezogen zu werden."
Zugleich, so die Simbabwerin, habe das IOC "unmissverständlich klargestellt, dass wir keinerlei Gewalt oder Kriegshandlungen weltweit gutheißen. Und an dieser Haltung werden wir festhalten."
Das Nationale Olympische Komitee der Ukraine reagierte wütend, hält die Entscheidung laut einer Stellungnahme für "unbegründet" und "verfrüht", da Russland weiter "eklatant gegen das Völkerrecht sowie gegen die Grundprinzipien von Frieden und Sicherheit" verstoße.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) äußerte Verständnis für die IOC-Entscheidung: Der Weltsport sei "mehr als je zuvor herausgefordert, in seiner Funktion als Brückenbauer zwischen den Menschen wirken zu können". Man empfehle gleichwohl "derzeit" seinen Mitgliedsverbänden, "bei der Durchführung von internationalen Wettkämpfen russische Athletinnen und Athleten, wenn möglich, unter neutralem Status teilnehmen zu lassen und die Entsendung von Athletinnen und Athleten zu internationalen Wettbewerben in Russland sorgfältig zu prüfen".
Unter der eigenen Flagge und Hymne dürfen russische Sportler und Teams zumindest bei Olympischen Spielen vorerst nicht starten. Die Entscheidung darüber werde zu einem späteren Zeitpunkt fallen. Das IOC werde zunächst auch keine Veranstaltungen in Russland durchführen. Wie die Weltverbände sich dazu verhalten, liege in deren Ermessen, teilte das IOC mit.
Russland begrüßte die Entscheidung. "Das IOC sendet ein klares Signal: Die olympische Bewegung muss frei von Politik bleiben", erklärte der russische Sportminister Michail Degtjarjow auf Telegram.
Nach dem Angriff Russlands und des Verbündeten Belarus auf die Ukraine im Februar 2022 hatte das IOC den Ausschluss beider Aggressoren ausgesprochen, im Herbst 2023 das Russlands Nationales Olympisches Komitee suspendiert, nachdem das ROC vier von Russland annektierte Gebiete aufgenommen hatte. Belarus wurde bereits im vergangenen Mai vom IOC wieder in vollem Umfang zugelassen.
(V.Varonivska--DTZ)