Tebas rechnet ab: System Infantino "an der Wurzel krank"
Spaniens Ligaboss Javier Tebas hat zu einem bemerkenswerten Rundumschlag gegen die FIFA und Gianni Infantino ausgeholt sowie mit den schweigenden Kritikern abgerechnet. Die Zeit des FIFA-Chefs sei "vorbei, er sollte nicht im Amt bleiben", sagte Tebas im Interview mit der Gazzetta dello Sport, aber: "Er hat die Unterstützung des Systems, der Verbände. Das ist das System, und es ist ein System, das bereits an der Wurzel krank ist."
Rund um die Fußball-WM in Nordamerika habe er mit vielen Kritikern Infantinos gesprochen, berichtete Tebas. "Sie kritisieren das System bei einem Kaffee in der Bar oder am Telefon in privaten Gesprächen, aber anschließend tun sie nichts, um dem Ganzen ein Ende zu setzen", sagte er: "Ich weiß nicht, ob Schweigen oder Komplizenschaft schlimmer ist, denn wer schweigt, ist sich des Schadens, den der Fußball erleidet, bewusst."
Insbesondere die Rolle der FIFA im "Fall Balogun" bezeichnete der Chef der spanischen Liga als "eine Sache von äußerster Schwere". Dies sei "der Beweis dafür, dass wir von einer Institution regiert werden, die macht und entscheidet, was sie will und wann sie will, und dabei ausschließlich ihren eigenen Interessen folgt. In vielen Fällen handelt sie dabei zum Schaden des Fußballs."
Infantino habe Glück gehabt, dass sich Belgien im Achtelfinale nach der umstrittenen Begnadigung nach einem Anruf von Donald Trump gegen die USA durchgesetzt habe. "Andernfalls hätte daraus ein Fall entstehen können, der Infantino den Posten hätte kosten können", sagte Tebas: "Weil Belgien gewonnen hat, konnten sie die Sache unter den Teppich kehren." All das stelle "nur die Spitze des Eisbergs dar".
Infantino genießt dennoch die Rückendeckung einer großen Mehrheit der Verbände. Vor der Wahl im kommenden Jahr unterschrieben laut einem Bericht des Guardian mehr als 200 Verbände ein Unterstützerschreiben. "Es gibt keinen Gegenkandidaten, niemand will antreten, um zu verlieren", monierte Tebas.
(V.Sørensen--DTZ)