Deutsche Tageszeitung - Zverev krönt Traumjahr mit US-Open-Sieg

Zverev krönt Traumjahr mit US-Open-Sieg


Zverev krönt Traumjahr mit US-Open-Sieg
Zverev krönt Traumjahr mit US-Open-Sieg / Foto: © SID

Nun auch die US Open: Alexander Zverev hat mit der Erlösung von Paris den Champion-Modus gefunden und binnen weniger Monate sein zweites Grand-Slam-Turnier gewonnen. Der topgesetzte Hamburger besiegte in einem lange einseitigen Finale in New York den auf diesem Niveau unerfahrenen Lokalmatador Ben Shelton mit 6:3, 7:6 (7:2), 5:7, 6:2 - und nimmt allmählich auch die Spitze der Weltrangliste ins Visier.

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Der 29-Jährige, der Anfang Juni bei den French Open seinen langersehnten ersten Grand-Slam-Erfolg errungen und fünf Wochen später das Wimbledon-Finale erreicht hatte, veredelt beharrlich sein mit Abstand bestes Jahr auf der Profitour. Zverev kassiert ein Rekordpreisgeld von 5,5 Millionen Dollar (rund 4,7 Millionen Euro). Und er schrieb ein schmerzhaftes Kapitel seiner Karriere um.

An gleicher Stelle vor sechs Jahren hatte Zverev schließlich das Finale dramatisch in fünf Sätzen gegen den Österreicher Dominic Thiem verloren, nun ist er der zweite deutsche Einzelchampion in New York nach Boris Becker. Nach dem Leimener, der 1989 Wimbledon und die US Open gewonnen hatte, gelangen Zverev zudem als zweitem deutschen Mann zwei Major-Siege in einer Saison. Mit Finalteilnahmen bei allen vier großen Turnieren und drei in Folge ist er dem sechsmaligen Major-Champion Becker sogar voraus.

Zverev verlängerte mit seinem 26. Turniersieg auch die Durststrecke einer großen Tennisnation: Seit dem 7. September 2003, dem US-Open-Triumph von Andy Roddick, warten die USA auf einen Grand-Slam-Champion im Männer-Einzel. Shelton (23) ist ein Spieler mit Perspektive, kürzlich gewann er das Masters in Montréal, präsentierte sich in New York stabil wie nie, warf im Viertelfinale Titelverteidiger Carlos Alcaraz raus.

In der Weltrangliste verbessert sich Shelton auf Rang vier, so hoch stand er noch nie. Zverev bleibt die Nummer zwei, die erstmalige Übernahme des Spitzenplatzes rückt aber in Reichweite.

Branchenprimus Jannik Sinner hatte seine US-Open-Teilnahme wegen Kniebeschwerden abgesagt, seit seinem Wimbledon-Finalsieg über Zverev hat der Italiener kein Match bestritten. Sinner muss bis Ende der Saison mehr als 3500 Ranglistenpunkte verteidigen, Zverev nur rund 1000. Durch seinen US-Open-Sieg liegt er im Ranking lediglich noch 1810 Zähler zurück. Der Spanier Alcaraz, zu Jahresbeginn die Nummer eins, muss nach monatelanger Verletzungspause erst seine Form wiederfinden.

Zverev betrat die Katakomben des größten Tennisstadions der Welt gut gelaunt in Badeschlappen. Dass ihm nicht nur Shelton, sondern auch die gut 24.000 Zuschauer im Arthur Ashe Stadium das Leben schwer machen wollten, bekümmerte Zverev keineswegs: "Ich liebe eine Atmosphäre, die laut ist und auch ein bisschen feindselig. Solange die Fans nicht in den Aufschlag reinschreien, ist alles okay."

Zverev, der in den ersten beiden Runden gegen Außenseiter jeweils über fünf Sätze hatte gehen müssen, steigerte sich im Turnierverlauf erheblich, auf dem Weg ins Endspiel gewann er 13 Sätze in Folge. Weiteres gutes Omen: Grand-Slam-Finaldebütant Shelton gehörte zu seinen Lieblingsgegnern, in allen fünf vorherigen Duellen siegte Zverev und gab in Summe nur einen Satz ab. Überhaupt liegen dem Tokio-Olympiasieger Linkshänder, von 45 Matches seit Juni 2023 verlor er nur eines.

Auch Becker sah Zverev vorn. Grand-Slam-Finals würden "langsam zur Normalität für ihn", sagte der 58-Jährige in seiner Expertenrolle für Sporteurope.tv: "Die Frage ist: Wie geht er mit der Atmosphäre um?"

Nervosität war aber nur Finaldebütant Shelton anzumerken, der erste Satz war nach zwei verlorenen Aufschlagspielen schnell weg. "Shelton ist schon an seiner Grenze", bemerkte Becker. Auch Zverev holte ihn nicht ernsthaft ins Match zurück, den Verlust von Satz drei konterte er mit einem Break zu Beginn des vierten Durchgangs. Die Zuschauer waren dadurch kein wesentlicher Faktor.

Im ersten Vergleich mit einem Top-20-Spieler im Turnierverlauf - schon in Paris und Wimbledon hatte er Gegnerglück gehabt - agierte Zverev vor zahllosen Prominenten aus Sport und Showgeschäft voller Selbstvertrauen und mit Kontrolle.

(O.Zhukova--DTZ)

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