Niroomand: Olympia-Evaluierung "nur eine Empfehlung"
Kaweh Niroomand, der Olympiabeauftragte Berlins, misst dem Bericht der zuständigen Evaluierungskommission keine große Bedeutung für die Entscheidung über den deutschen Bewerber für die Sommerspiele bei. "Die Bewertung ist nur eine Empfehlung. Ich habe von vielen Verbandspräsidenten vor Monaten schon gehört: Die Bewertung ist für sie nicht ausschlaggebend. Wenn das so wäre, müsste man ja jetzt schon sagen: München ist der Sieger. Und das ist bei Weitem noch nicht so", sagte Niroomand dem SID am Mittwoch.
Die Hauptstadt hatte in der Analyse der Kommission, der Vertreter aus dem Deutschen Olympischen Sportbund, Politik und Fachverbänden angehören, klar das Nachsehen gegenüber den Mitbewerbern München und Rhein-Ruhr. In den bepunkteten Kategorien "sportfachliche und operative Eignung" sowie "internationale Wettbewerbsfähigkeit und nationale Akzeptanz" entfallen 87,03 von 100 möglichen Bewertungspunkten auf München und 85,02 auf Köln/Rhein-Ruhr; Berlin (74,64) liegt klar zurück. Laut DOSB gelten in der Bewertungsmatrix 100 bis 80 Punkte als "sehr gut", 79 bis 60 als "gut".
Berlin ragt erwartungsgemäß bei der internationalen Strahlkraft mit dem Höchstwert von 100 Punkten heraus, wurde aber in einigen Detailkategorien und insbesondere bei der Stabilität (50) dramatisch schlechter bewertet als die Kontrahenten. Gerade erst hatte die Linkspartei, Siegerin der Abgeordnetenhauswahl, Olympischen Spielen in Berlin eine Absage erteilt.
Niroomand befand: "Das Entscheidende, was in diesem Bericht steht, ist die internationale Strahlkraft einer Stadt. Und da ist Berlin nach wie vor an oberster Stelle. Was uns punktuell Abzug gebracht hat, ist, dass wir das Referendum nicht gehabt haben und die mangelnde politische Stabilität." Alles andere sei "wirklich Formalität" und gerade im internationalen Vergleich "sogar völlig unwichtig".
Kritik äußerte Niroomand an der bei der Erstellung des Berichts angewandten Methodik: "Ich hätte das ganze Verfahren nicht so kompliziert gemacht. Man hat es von Anfang an so kompliziert gemacht, deswegen kommt man auch in Erklärungsnot. Sie können ja in einem Verfahren die Bewertungskriterien nicht festlegen, nachdem die Konzepte eingereicht sind. Das ist das eine. Und wir haben auf vielen Seiten schriftlich dargelegt, wo wir viele Fragezeichen sehen, bevor das Ergebnis bekannt war. Man hat sich bemüht, diese Fragen zu beantworten, aber ich bin mit den Antworten nicht einverstanden gewesen. Das habe ich auch denjenigen vor zwei Wochen schon gesagt."
Am kommenden Samstag wird in Baden-Baden über den deutschen Bewerber entschieden; Hamburg war nach einem negativen Bürgerentscheid bereits ausgeschieden. Im Raum steht eine Kandidatur für die Spiele 2036, 2040 oder 2044.
(Y.Leyard--DTZ)