Wunderkind am Ziel: Antonelli jüngster Formel-1-Weltmeister
Wunderkind Kimi Antonelli hat sich am Día de Muertos unsterblich gemacht und zum jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte gekrönt. Dem unbekümmerten Italiener reichte beim Rennsieg von Red-Bull-Pilot Max Verstappen während des traditionellen Totenfests in Mexiko der dritte Platz, um sich den historischen Titel in der Motorsport-Königsklasse vorzeitig zu sichern. Im Alter von 20 Jahren und 68 Tagen löste der Mercedes-Pilot Sebastian Vettel als jüngsten Champion ab. Der Deutsche war bei seinem ersten Titel (2010) 23 Jahre und 134 Tage alt.
Nach neun Siegen und 16 Podien in 19 von 23 Rennen ist der WM-Triumph der vorläufige Höhepunkt von Antonellis verheißungsvoller Karriere. Enorm schnell und cool unter Druck: In seiner erst zweiten Formel-1-Saison raste er im Stile großer Champions zum dominanten Triumph. Antonelli ist zudem der erste italienische Weltmeister seit Alberto Ascari, der 1953 seinen zweiten und letzten WM-Titel mit Ferrari holte. Für Mercedes ist es der erste Fahrer-Titel seit 2020.
Zwischen Verstappen und Antonelli beendete Rekordweltmeister Lewis Hamilton im Ferrari das Rennen, das auch von einer rund 40-minütigen Unterbrechung geprägt war, als Zweiter.
Antonellis zumindest rechnerisch verbliebene Konkurrenten Hamilton und George Russell hatten im Qualifying am Samstag noch ihre Pflicht erfüllt. Hamilton schnappte sich erstmals als Ferrari-Pilot und erstmals nach mehr als drei Jahren die Pole Position. Antonellis Teamkollege Russell ging als Zweiter ins Rennen - sie waren zum Siegen verdammt, wollten sie die Titelentscheidung noch einmal aufschieben.
Antonelli allerdings hatte sein Schicksal erstmals selbst in der Hand - und eine komfortable Ausgangslage von Startplatz vier: Der neunte Platz würde ihm in jedem Fall zum Triumph reichen. Der Trubel der vergangenen Wochen war am sonst so unbeschwerten Antonelli nicht spurlos vorbeigegangen: Erst fing er sich einen Virus ein, der ihn unter der Woche ausbremste, nach der unbefriedigenden Zeitenjagd am Samstag gab er außerdem zu: "Ich war vielleicht ein bisschen angespannt."
Am Sonntag fühlte sich Antonelli dann aber "sehr gut", auf eine kontrollierte Titelfahrt hatte er an einem "absolut aufregenden Tag" keine Lust. "Ich will mindestens auf das Podium", kündigte er an. Noch weit vor dem Rennstart stand er Arm in Arm mit Papa Marco in der Garage, scherzte und blickte lächelnd auf seinen Mercedes. Auch für einen Geburtstagsstreich blieb noch Zeit: Antonelli schmierte Ingenieur Andrew Shovlin Schlagsahne ins Gesicht.
Beim Start hielt er sich dann aus den Zweikämpfen seiner Mitstreiter heraus. Russell verlor mehrere Positionen und kassierte für eine Kollision mit Red-Bull-Pilot Isack Hadjar zudem eine Zeitstrafe. An der Spitze duellierten sich die Ferrari-Piloten hart, auch Charles Leclerc wurden fünf Sekunden Strafe aufgebrummt. Doch der Monegasse führte zunächst - vor Verstappen und Hamilton, die sich per Funk über die milde Strafe beklagten.
Nach den ersten Reifenwechseln übernahm Verstappen dann die Führung, wenig später kamen alle Autos an die Box: Nach einem Einschlag von Valtteri Bottas musste das Rennen für Aufräumarbeiten unterbrochen werden. In der Boxengasse wirkte Antonelli in dieser Phase selbstsicher und grinste im Gespräch mit seinem Team.
Beim stehenden Neustart blieb Verstappen vorn, Hamilton schob sich an Leclerc vorbei. Auch Antonelli überholte den Monegassen, war nun Dritter - und fuhr seinem großen Triumph entgegen.
(I.Beryonev--DTZ)