Deutsche Tageszeitung - Studie: Wettbewerb um Weibchen senkt Lebenserwartung männlicher Säugetiere

Studie: Wettbewerb um Weibchen senkt Lebenserwartung männlicher Säugetiere


Studie: Wettbewerb um Weibchen senkt Lebenserwartung männlicher Säugetiere
Studie: Wettbewerb um Weibchen senkt Lebenserwartung männlicher Säugetiere / Foto: © GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv

Unter anderem der Wettbewerb um die Weibchen führt bei männlichen Säugetieren zu einer geringeren Lebenserwartung im Vergleich zu ihren weiblichen Artgenossen. Das fand ein internationales Forscherteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig heraus, wie die Max-Planck-Gesellschaft am Mittwoch in München mitteilte.

Textgröße ändern:

Durch sexuelle Selektion entwickeln den Forschern zufolge vor allem die Männchen auffällige Merkmale wie etwa farbenprächtiges Gefieder, Waffen oder eine große Körpergröße. Diese steigern zwar den Fortpflanzungserfolg, können aber die Lebensdauer verkürzen. So sterben vor allem bei polygamen Säugetieren mit starkem Wettbewerb die Männchen in der Regel früher. Viele Vögel hingegen sind monogam, wodurch der Konkurrenzdruck geringer ist und die Männchen oft länger leben.

Auch elterliche Fürsorge spielt der Studie zufolge eine Rolle. So fanden die Forscher Hinweise darauf, dass das Geschlecht, das stärker in die Aufzucht der Nachkommen investiert, tendenziell länger lebt. Bei langlebigen Arten wie etwa Primaten dürfte hier ein Selektionsvorteil wirken, erklärten die Forscher. Hier überleben die Weibchen so lange, bis die Nachkommen selbstständig oder geschlechtsreif sind.

Auch eine genetische Erklärung lieferten die Forscher. Bei Säugetieren haben Weibchen zwei X-Chromosomen, während Männchen ein X- und ein Y-Chromosom besitzen. Einige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass zwei X-Chromosomen die Weibchen vor schädlichen Mutationen schützen und ihnen somit einen Überlebensvorteil verschaffen. Bei Vögeln ist das System umgekehrt - hier sind die Weibchen das sogenannte heterogametische Geschlecht.

Bei der Untersuchung von Datensätzen zu mehr als 1176 Vogel- und Säugetierarten in Zoos weltweit stellten die Forschenden fest, dass bei 72 Prozent der Säugetiere die Weibchen länger leben. Bei 68 Prozent der Vogelarten lebten hingegen die Männchen länger.

Die Studie mache deutlich, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in der Lebenserwartung tief in evolutionären Prozessen verwurzelt sind, hieß es von der Max-Planck-Gesellschaft. "Sie entstehen wahrscheinlich durch ein Zusammenspiel von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen und wurden durch Selektionsdrücke geprägt, um Paarungspartner und das Überleben der Nachkommen zu sichern."

Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern seien also "nicht nur ein Produkt der Umwelt, sondern Teil unserer evolutionären Geschichte", hieß es weiter. Sie würden "sehr wahrscheinlich auch in Zukunft bestehen bleiben".

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Wissenschaftler: Intensität der derzeitigen Hitzewelle hängt "eindeutig" mit Klimawandel zusammen

Die Intensität der derzeitigen Hitzewelle in Europa hängt nach Einschätzung einer Wissenschaftlergruppe mit dem Klimawandel zusammen. "Der Klimawandel ist eindeutig dafür verantwortlich", heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Studie der internationalen Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA). Die natürliche Wärmephase durch das Wetterphänomen El Niño spiele hingegen "keine Rolle bei der Steigerung der Hitze". Die derzeitigen extrem hohen Temperaturen am Tag und in der Nacht wären den Forschern zufolge zu diesem Zeitpunkt im Jahr vor 50 Jahren "praktisch unmöglich" gewesen.

Wenn Daten das Bauchgefühl schlagen

Was Unternehmen vom größten Sportdatenprojekt der Fußballgeschichte lernen können

Tusk ruft Polen und Ukrainer zu "gegenseitigem Respekt" angesichts der Geschichte auf

Angesichts des jüngsten Streits um die Weltkriegsvergangenheit hat der polnische Ministerpräsident Donald Tusk seine Landsleute und die Ukrainer zu "gegenseitigem Respekt" aufgerufen. "Wir können die Zukunft nur auf der Wahrheit, dem gegenseitigen Repekt und dem Verständnis der Geschichte aufbauen", sagte Tusk am Donnerstag bei der Eröffnung der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Danzig.

Zahl der vergebenen Deutschlandstipendien leicht gestiegen

Die Zahl der mit einem Deutschlandstipendium geförderten Stipendiatinnen und Stipendiaten ist leicht um 1,5 Prozent gestiegen. 2025 erhielten 33.500 Studierende ein solches Stipendium, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Ihr Anteil an allen Studierenden lag im Wintersemester 2025/2026 voraussichtlich bei 1,2 Prozent. Mit dem Deutschlandstipendium werden seit 2011 Studierende gefördert, deren Werdegang herausragende Leistungen im Studium und Beruf erwarten lassen.

Textgröße ändern: