Deutsche Tageszeitung - Warschau bestellt nach Äußerungen von Holocaust-Gedenkstätte israelischen Botschafter ein

Warschau bestellt nach Äußerungen von Holocaust-Gedenkstätte israelischen Botschafter ein


Warschau bestellt nach Äußerungen von Holocaust-Gedenkstätte israelischen Botschafter ein
Warschau bestellt nach Äußerungen von Holocaust-Gedenkstätte israelischen Botschafter ein / Foto: © AFP/Archiv

Nach einem Online-Beitrag der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem über das von den Nazis angeordnete Tragen des Judensterns in Polen während des Zweiten Weltkriegs hat der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski den israelischen Botschafter in dem Land einbestellt. "Der trügerische Beitrag ist nicht geändert worden", erklärte Sikorski am Montag im Onlinedienst X. Er habe daher beschlossen, den Botschafter einzubestellen.

Textgröße ändern:

Am Sonntag hatte Yad Vashem bei X erklärt, Polen sei das erste Land gewesen, "in dem Juden gezwungen wurden, ein Abzeichen zur Unterscheidung zu tragen, um sie von dem Rest der Bevölkerung zu isolieren". Anlass war der Jahrestag der antisemitischen Verordnung von 1939 zum Tragen des Judensterns. Die Jerusalemer Gedenkstätte erwähnte dabei jedoch nicht, dass das Land zu dem Zeitpunkt bereits von Nazi-Deutschland besetzt war.

In Polen lösten die Äußerungen Empörung aus. Polens Regierungschef Donald Tusk warf der Gedenkstätte vor, der Beitrag sei "vielleicht kein Versehen, sondern Absicht" gewesen. Der Sprecher des polnischen Außenministeriums, Maciej Wewior, mutmaßte ebenfalls über eine bewusste Handlung, angesichts der Tatsache, dass "Yad Vashem plant, bald eine Zweigstelle in Deutschland zu eröffnen". Er hoffe, dass diese "falsche und historisch ungenaue Information" nichts damit zu tun habe, fügte er hinzu.

Yad Vashems Leiter Dani Dayan wies die Vorwürfe zurück. "Polen war tatsächlich von Deutschland besetzt", erklärte er bei X. Dies spiegele sich "eindeutig in unserem Material wider". "Jedwede andere Interpretation missdeutet unsere Verpflichtung zur Genauigkeit", fügte er hinzu. In dem Beitrag der Gedenkstätte hieß es, das weiße Armband mit einem blauen Davidstern darauf, den alle Juden im Alter von mehr als zehn Jahren in Polen tragen mussten, sei am 23. November 1939 vom Gouverneur des Generalgouvernements, Hans Frank, eingeführt worden.

(M.Travkina--DTZ)

Empfohlen

Wissenschaftler: Intensität der derzeitigen Hitzewelle hängt "eindeutig" mit Klimawandel zusammen

Die Intensität der derzeitigen Hitzewelle in Europa hängt nach Einschätzung einer Wissenschaftlergruppe mit dem Klimawandel zusammen. "Der Klimawandel ist eindeutig dafür verantwortlich", heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Studie der internationalen Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA). Die natürliche Wärmephase durch das Wetterphänomen El Niño spiele hingegen "keine Rolle bei der Steigerung der Hitze". Die derzeitigen extrem hohen Temperaturen am Tag und in der Nacht wären den Forschern zufolge zu diesem Zeitpunkt im Jahr vor 50 Jahren "praktisch unmöglich" gewesen.

Wenn Daten das Bauchgefühl schlagen

Was Unternehmen vom größten Sportdatenprojekt der Fußballgeschichte lernen können

Tusk ruft Polen und Ukrainer zu "gegenseitigem Respekt" angesichts der Geschichte auf

Angesichts des jüngsten Streits um die Weltkriegsvergangenheit hat der polnische Ministerpräsident Donald Tusk seine Landsleute und die Ukrainer zu "gegenseitigem Respekt" aufgerufen. "Wir können die Zukunft nur auf der Wahrheit, dem gegenseitigen Repekt und dem Verständnis der Geschichte aufbauen", sagte Tusk am Donnerstag bei der Eröffnung der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Danzig.

Zahl der vergebenen Deutschlandstipendien leicht gestiegen

Die Zahl der mit einem Deutschlandstipendium geförderten Stipendiatinnen und Stipendiaten ist leicht um 1,5 Prozent gestiegen. 2025 erhielten 33.500 Studierende ein solches Stipendium, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Ihr Anteil an allen Studierenden lag im Wintersemester 2025/2026 voraussichtlich bei 1,2 Prozent. Mit dem Deutschlandstipendium werden seit 2011 Studierende gefördert, deren Werdegang herausragende Leistungen im Studium und Beruf erwarten lassen.

Textgröße ändern: