Deutsche Tageszeitung - KI aus China: Deepseek veröffentlicht neue Version - Washington und Peking streiten

KI aus China: Deepseek veröffentlicht neue Version - Washington und Peking streiten


KI aus China: Deepseek veröffentlicht neue Version - Washington und Peking streiten
KI aus China: Deepseek veröffentlicht neue Version - Washington und Peking streiten / Foto: © AFP/Archiv

Das chinesische Unternehmen Deepseek hat eine neue Version seines KI-Modells veröffentlicht. Das Unternehmen bewarb sein neues Chatbot-Modell am Freitag mit "drastisch reduzierten Kosten", die dafür fällig würden. Deepseek hatte im Januar des vergangenen Jahres seinen KI-Chatbot veröffentlicht und damit die führenden US-Unternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) unter Druck gesetzt - vor allem weil die chinesischen Entwickler nach eigenen Angaben mit deutlich geringen Investitionssummen und schwächeren Chips auskommen.

Textgröße ändern:

Der Wettbewerb zwischen den USA und China im Bereich KI hat sich seit der ersten Veröffentlichung von Deepseek weiter verstärkt und ist längst politisch. Das Weiße Haus beschuldigte am Donnerstag Akteure aus China, systematisch US-Technologien zu kopieren. "Den USA liegen Beweise dafür vor, dass ausländische Akteure, vor allem aus China, in industriellem Ausmaß Destillationskampagnen betreiben, um amerikanische KI zu stehlen", erklärte der Wissenschafts- und Technologieberater von US-Präsident Donald Trump, Michael Kratsios, im Onlinedienst X.

Destillation wird im Bereich des maschinellen Lernens ein Prozess genannt, bei dem kleinere Modelle von größeren lernen, indem sie deren Verhalten und Entscheidungsmuster kopieren. Das kann unter anderem für Effizienzgewinne genutzt werden, wenn ein KI-Modell mit weniger Rechenkapazitäten von einem sehr leistungsstarken anderen Modell trainiert wird. Weil Deepseek mit deutlich weniger leistungsstarken Halbleitern entwickelt wurde, steht dieser Vorwurf gegen die Chinesen von Anfang an im Raum.

Im Februar hatte das US-KI-Unternehmen Anthropic den drei chinesischen Unternehmen Deepseek, Moonshot AI und Minimax vorgeworfen, unrechtmäßig Wissen aus seinem Chatbot Claude destilliert zu haben. Anthropic bezeichnete dies als Diebstahl geistigen Eigentums. Ebenfalls im Februar beschuldigte OpenAI, Entwickler des KI-Chatbots ChatGPT, in einem Brief an US-Abgeordnete Deepseek, Destillationstechniken auf Kosten von OpenAI und anderer US-Firmen einzusetzen. Die US-Regierung werde "Maßnahmen ergreifen, um amerikanische Innovationen zu schützen", warnte Kratsios.

Peking wies die Vorwürfe am Freitag scharf zurück. "Die Vorwürfe der Vereinigten Staaten sind völlig unbegründet", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Guo Jiakun. "Sie stellen eine verleumderische Diffamierungskampagne gegen die Erfolge der chinesischen KI-Industrie dar." Die US-Seite solle sich "an die Fakten halten, ihre Voreingenommenheit aufgeben und aufhören zu versuchen, China technologisch zu unterdrücken".

Das neue Modell Deepseek-V4 verfüge über "einen ultralangen Kontext von einer Million Wörtern", erklärte das Unternehmen in chinsesichen Onlinediensten. Mit seiner Kontextlänge, die bestimmt, wie viele Eingaben ein KI-Modell verarbeiten kann, erreiche der Chatbot eine führende Position mit Blick auf "Weltwissen und Schlussfolgerungsleistung". Eine "Vorschau-Version" von Deepseek-V4 ist demnach nun verfügbar.

Der neue Chatbot erscheint dem Unternehmen zufolge in zwei Versionen: Deepseek-V4-Pro und Deepseek-V4-Flash. Letztere stelle "eine effizientere und wirtschaftlichere Wahl" dar, da sie über weniger Parameter verfüge. "In Vergleichspunkten zum Weltwissen liegt Deepseek-V4-Pro deutlich vor anderen Open-Source-Modellen und wird nur geringfügig von dem erstklassigen Closed-Source-Modell Gemini-Pro-3.1" des US-Konzerns Google übertroffen, hieß es in der Erklärung des Unternehmens weiter.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Japanische Sonde bricht zum Mars auf

Vom japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima aus soll am Dienstag um 04.41 Uhr (Ortszeit, Montag 21.41 Uhr MESZ) eine H3-Trägerrakete ins All starten. Sie hat eine Raumsonde im Gepäck, die voraussichtlich im kommenden Sommer den Mars erreichen wird. Dort soll sie zunächst den Mond Phobos umkreisen, dann auf ihm landen und schließlich mindestens zehn Gramm an Bodenproben sammeln, um sie anschließend zur Erde zu bringen.

Fliegender Tesla-Roadster ruft US-Verkehrsbehörde auf den Plan

Die Präsentation des neuen Tesla-Roadsters lieferte spektakuläre Bilder - die Reaktion der US-Behörden auf das fliegende Auto fiel nun deutlich nüchterner aus. Die Nationale Behörde für Straßen- und Verkehrssicherheit (NHTSA) pochte am Freitag auf die Einhaltung geltender Vorschriften. Der Sportwagen scheine zwar "den Gesetzen der Physik zu trotzen", teilte die Behörde auf AFP-Anfrage mit. Es müsse aber sichergestellt werden, "dass er nicht gegen die bundesweiten Sicherheitsvorschriften für Kraftfahrzeuge verstößt und dass die Fahrer alle lokalen Verkehrsregeln einhalten".

Tesla-Chef Musk stellt fliegenden Roadster vor

"Fliegende Autos sind Wirklichkeit": Mit markigen Worten hat Tesla-Chef Elon Musk den lange erwarteten neuen Roadster des US-Elektroautobauers vorgestellt, der in der "Thrust"-Version mit Schubdüsen kurze Strecken in der Luft zurücklegen kann. Das Auto wurde am Donnerstag auf einem Testgelände von Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX nahe Waco im US-Bundesstaat Texas präsentiert. Im Prinzip könne das Auto "wie eine Rakete fliegen", sagte Musk.

Staatsschutz ermittelt: Stinkende Flüssigkeit vor NS-Gedenkstätte in Köln gekippt

Unbekannte haben vor dem NS-Dokumentationszentrum in Köln eine übelriechende Flüssigkeit vergossen. Der Staatsschutz ermittelt wegen Sachbeschädigung, wie die Polizei in der nordrhein-westfälischen Großstadt am Freitag mitteilte. Mitarbeiter der städtischen Einrichtung informierten demnach am Morgen wegen des "extremen" Geruchs die Polizei. An allen drei Zugängen des Gebäudes fanden sich Reste der offenbar gezielt verteilten Flüssigkeit.

Textgröße ändern: