Deutsche Tageszeitung - Flut in Texas: 50 Todesopfer geborgen - Schicksal der vermissten Mädchen unklar

Flut in Texas: 50 Todesopfer geborgen - Schicksal der vermissten Mädchen unklar


Flut in Texas: 50 Todesopfer geborgen - Schicksal der vermissten Mädchen unklar
Flut in Texas: 50 Todesopfer geborgen - Schicksal der vermissten Mädchen unklar / Foto: © AFP

Nach der verheerenden Sturzflut im US-Bundesstaat Texas ist das Schicksal der 27 vermissten Mädchen weiterhin unklar. Die Zahl der Toten lag am Samstag bei 50, wie die Behörden der betroffenen Landkreise mitteilten. Darunter seien 15 Kinder. Der Sheriff des am schlimmsten betroffenen Kreises Kerr sagte, die Identität mehrerer toter Kinder und Erwachsener sei noch ungeklärt. Die Suche nach Vermissten wurde fortgesetzt, während der Wetterdienst vor weiteren Überflutungen warnte.

Textgröße ändern:

"Wir haben im Landkreis Kerr 43 Tote geborgen. Darunter sind 28 Erwachsene und 15 Kinder", sagte Sheriff Larry Leitha am Samstag bei seinem jüngsten Pressebriefing. In drei weiteren Landkreisen waren nach am Samstagabend (Ortszeit) sieben Todesopfer gemeldet worden.

Leitha hatte die Zahl der Opfer im Laufe des Samstags mehrfach nach oben korrigiert. Wie viele Menschen noch vermisst werden, war zunächst nicht klar.

Gebangt wurde auch um das Leben von 27 Mädchen, die an einem christlichen Sommerlager am Ufer des übergelaufenen Flusses Guadalupe teilgenommen hatten. US-Medien berichteten unter Berufung auf deren Familien, dass vier der Mädchen tot sein. Die Behörden bestätigten dies bisher nicht. Verzweifelte Eltern suchten in Aufnahmezentren für die Flutopfer oder den Onlinemedien nach ihren Kindern.

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, berichtete von dramatischen Szenen: Ein Mädchen flüchtete sich vor dem Wasser auf einen Baum, wo sie von einem Helikopter gerettet werden konnte. Eine der Wände des Speisesaals des Sommerlagers wurde vom Wasser komplett zerstört.

Die meisten der rund 750 Mädchen, die an dem Camp teilnahmen, konnten gerettet werden. Auch weitere Camper an dem Flussufer wurden in Sicherheit gebracht. Insgesamt 850 Menschen wurden erfolgreich evakuiert, sagte Leitha am Samstagmorgen. Acht von ihnen seien verletzt.

Der Wasserstand des Flusses war am Freitag binnen 45 Minuten um acht Meter angestiegen. "Das Wasser stand bis zu den Baumwipfeln, etwa zehn Meter hoch", schilderte ein Anwohner.

Die Suche nach weiteren Leichen und Überlebenden dauerte am Samstag an. Rettungsteams suchten in der Luft, am Boden und im Wasser, sagte der Leiter des texanischen Katastrophenschutzes, Nim Kidd. "Wir werden weitersuchen, bis alle Vermissten gefunden sind", fügte er hinzu.

Abbott rief den Katastrophenfall aus, um mehr Geld für die betroffenen Landkreise bereitstellen zu können, Präsident Donald Trump kündigte Bundeshilfen an. Der Präsident werde für eine Verbesserung der Technologien beim Nationalen Wetterdienst NWS und der Klimabehörde NOAA sorgen, sagte Heimatschutzministerin Kristi Noem vor Journalisten. "Wir müssen dieses alte System erneuern", fügte sie hinzu. Über die von Anwohner geäußerte Kritik, dass diese nicht ausreichend über die Fluten informiert worden sein, werde sie die Regierung informieren. Auch ein Beamter der Kreisverwaltung sagte, diese habe nicht von den Fluten gewusst.

Die Trump-Regierung war nach Mittel- und Personalkürzungen beim NWS und der NOAA von Wissenschaftlern und Katastrophenschutzbehörden kritisiert worden. Die NOAA ist in den USA für Wettervorhersagen und Unwetterschutz verantwortlich. Trump hatte zudem in der Vergangenheit wissenschaftliche Erkenntnisse zum menschengemachten Klimawandel geleugnet.

Die Überschwemmungen vom Freitag waren durch heftige Regenfälle von bis zu 300 Litern pro Quadratmeter ausgelöst worden - ein Drittel der durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmenge im Landkreis Kerr.

Der nationale Wetterdienst NWS sagte indes weiteren Starkregen und "örtlich katastrophale" Sturzfluten in der Region voraus. Erste neue Sturzfluten gebe es bereits, erklärte der NWS und rief Anwohner in Flussnähe auf, höher gelegene Gebiete aufzusuchen. "Handeln Sie rasch, um Ihr Leben zu schützen", hieß es in einer NWS-Warnung. Die Behörden warnten die Menschen, das Unglücksgebiet zu betreten, in dem sich mehrere Campingplätze entlang des Flusses befinden. Anwohner sollten nicht auf eigene Faust nach den Vermissten suchen.

Sturzfluten entstehen, wenn der Boden die heftigen Regenfälle nicht aufnehmen kann. Wissenschaftlern zufolge führt der vom Menschen verursachte Klimawandel zu häufigeren und extremen Wetterereignissen wie Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Australischer Junge schwimmt vier Stunden im Meer und rettet abgetriebene Familie

In Australien ist ein Teenager vier Stunden lang vom offenen Meer an die Küste geschwommen, um seine Familie zu retten. Der 13-jährige Austin Appelbee legte vier Kilometer im Meer zurück, nachdem er mit seiner Mutter und seinen beiden jüngeren Geschwistern vor der Südwestküste Australiens abgetrieben worden war. Am Strand alarmierte er dann die Rettungskräfte. Nach der erfolgreichen Rettungsaktion lobten diese am Dienstag die "übermenschlichen" Überlebensinstinkte des Jungen.

Für weniger Importe aus China: USA legen Rohstoffreserve an

Die USA wollen eine Rohstoffreserve für die Industrie aufbauen und damit unabhängiger von China werden. Dafür sei eine Anschubfinanzierung von fast zwölf Milliarden Dollar (rund zehn Milliarden Euro) geplant, teilte das Weiße Haus am Montag mit. Präsident Donald Trump wollte den Plan demnach in Kürze verkünden.

Bundesrat gibt grünes Licht für mehr Verbraucherschutz

In seiner ersten Sitzung in diesem Jahr hat der Bundesrat grünes Licht für eine Reihe von Verbesserungen beim Verbraucherschutz gegeben. So sollen Verbraucherinnen und Verbraucher künftig einen im Internet geschlossenen Vertrag einfach per Mausklick auf einen Button widerrufen können. Ein weiteres am Freitag von der Länderkammer gebilligtes Gesetz sieht strengere Regeln für Unternehmen vor, die ihre Produkte als "umweltfreundlich" vermarkten. Zudem stimmte der Bundesrat einem Gesetz zu mehr Produktsicherheit etwa bei Spielzeug zu.

Bundesrat billigt strengere Regeln für Werbung mit Umweltaussagen

Die neuen Regeln zur Verhinderung des so genannten Greenwashing können in Kraft treten. Der Bundesrat billigte in seiner Sitzung am Freitag ein Gesetz, das es Unternehmen erschweren soll, ihre Produkte irreführend oder missbräuchlich als "umweltfreundlich" oder "klimaneutral" zu vermarkten. Mit der bereits vom Bundestag verabschiedeten Gesetzesänderung setzt Deutschland entsprechende EU-Vorgaben um.

Textgröße ändern: