Deutsche Tageszeitung - Niedrigwasser: Binnenschiffer fordern Geld für neue Schiffe und tiefere Fahrrinnen

Niedrigwasser: Binnenschiffer fordern Geld für neue Schiffe und tiefere Fahrrinnen


Niedrigwasser: Binnenschiffer fordern Geld für neue Schiffe und tiefere Fahrrinnen

Angesichts der zunehmenden wirtschaftlichen Auswirkungen des Niedrigwassers in den Flüssen fordern die deutsche Binnenschiffer von der Politik Unterstützung. Die Förderung von niedrigwasseroptimierten Schiffen müsse fortgesetzt und der Ausbau der Fahrrinnen des Rheins vorangetrieben werden, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Binnenschifffahrt, Jens Schwanen, der "Rheinischen Post" von Donnerstag. Auch müsse das Wasser im Rhein stärker gestaut werden können. Klimaschützer forderten hingegen einen größeren Fokus auf die ökologische Bedeutung des Flusses.

Textgröße ändern:

"In einer Koordinierungsrunde des Bundesverkehrsministeriums zum Niedrigwasser ist am Mittwoch deutlich geworden, dass Binnenschiffe nicht so einfach ersetzt werden können", sagte Schwanen. "Weder die Bahn, noch Lkw-Speditionsunternehmen können ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stellen, um die Güter von den Schiffen ohne Einschränkungen transportieren zu können."

Deshalb habe sein Verband einen Drei-Punkte-Plan vorgeschlagen: "Erstens ist es aus unserer Sicht unerlässlich, dass das Bundesverkehrsministerium die Förderung von niedrigwasseroptimierten Schiffen ab Januar fortsetzt und nicht wie geplant auslaufen lässt." Es gebe derzeit in Deutschland lediglich zwölf solcher Schiffe, die aber auch nicht frei verfügbar seien.

"Zweitens müssen die Fahrrinnen an Mittel- und Niederrhein in maximal möglichem Tempo ausgebaut werden. Das würde 20 Zentimeter mehr Wasser unterm Kiel bringen", erklärte Schwanen. "2033 ist als Zieldatum viel zu spät mit Blick auf kommende Sommer."

"Und drittens müssen die Behörden des Bundesverkehrsministeriums rasch Möglichkeiten finden, das Wasser im Rhein stärker stauen zu können", sagte der BDB-Geschäftsführer. "Zurzeit rauscht das Wasser im Rhein ab Schleuse Iffezheim ungebremst in Richtung Niederlande." Sobald es acht Wochen nicht regne, komme es zu den aktuellen Niedrigwasserständen. "Es müssen Ideen entwickelt werden, das Wasser länger im Fluss zu halten."

Schwanen verwies darauf, dass es nicht nur um die Schifffahrt gehe: "Massenhaftes Fischsterben, vertrocknete Auen, hohe Wassertemperaturen und zu wenig Sauerstoff bringen den Rhein als Habitat an seine Grenzen. Das geht uns alle an."

Die großen deutschen Flüsse haben wegen der anhaltenden Trockenheit an vielen Orten Niedrigwasser. Am Rhein wurden am Wochenende in Nordrhein-Westfalen historische Tiefstände gemessen. Die niedrigen Pegelstände stellen die Binnenschifffahrt vor große Probleme, da die Schiffe deutlich weniger Ladung transportieren oder sogar gar nicht mehr fahren können.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hatte nach am Mittwoch für einen weiteren Ausbau der Wasserstraßen plädiert und erklärt, sie müssten "leistungsfähiger" gemacht werden. "Genau deshalb treiben wir die wichtigen Ausbauprojekte voran und wollen die Förderung niedrigwasseroptimierter Schiffe fortsetzen."

Umweltschützer lehnen einen Ausbau jedoch ab und warnen davor, dass eine Fahrrinnenvertiefung das Wasser noch schneller abfließen lassen und der umliegenden Natur noch mehr Wasser entziehen würde. Die Flüsse seien "natürlicher Hochwasserschutz und unersetzlicher Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten", erklärte die Mobilitäts-Referentin der Organisation Robin Wood, Annika Fuchs. "Die Schiffe müssen sich dem Fluss anpassen, nicht umgekehrt", fuhr Fuchs fort. Würden die Fahrrinnen vertieft, drohten "beim nächsten Hochwasser noch dramatischere Schäden als in der Vergangenheit".

Auch Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hatte sich am Mittwoch gegen einen Ausbau gestellt und eine Rückkehr zu natürlicheren Flussverläufen gefordert.

Um den Gütertransport auch während des aktuellen Niedrigwassers zu sichern, sollen mehr Waren auf Schiene und Straße durch das Land gefahren werden. Die Autobahn GmbH fährt Bauarbeiten zurück, um den Verkehrsfluss nicht zu behindern. Es werde alles unternommen, "um die Auswirkungen der Niedrigwasserkrise auf den Verkehr so weit wie möglich abzufedern", sagte ein Sprecher der "Rheinischen Post" von Freitag. "Insbesondere Arbeiten, die mit zusätzlichen bau- oder betriebsbedingten Einschränkungen für den Verkehr verbunden sind, werden auf das unbedingt erforderliche Maß zurückgeführt." Wo es möglich sei, würden "Maßnahmen verschoben, zeitlich angepasst oder neu koordiniert".

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Grüne fordern Hitzegipfel der Regierung und klarere Zuständigkeiten

Die Grünen pochen angesichts von Dürre und Niedrigwasser auf einen Hitzegipfel der Bundesregierung mit weiteren wichtigen Akteuren. "Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir handeln müssen, sondern wer ist dafür verantwortlich, etwas zu tun", sagte die Grünen-Umweltpolitikerin Julia Schneider am Donnerstag in Berlin. Derzeit habe Deutschland "beim Hitzeschutz ein Zuständigkeitsproblem".

Studie: Mehrheit in Deutschland ist weiter für konsequenten Klimaschutz

Eine Mehrheit der Deutschen fordert weiterhin größere staatliche Anstrengungen beim Klimaschutz und ein Vorantreiben der Energie-, Verkehrs- und Wärmewende. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Sozialen Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation der Bertelsmann-Stiftung hervor. Demnach ist die Zustimmung zu verstärktem Klimaschutz etwas geringer als bei früheren Befragungen, es gebe dafür aber weiter "ein breites gesellschaftliches Mandat".

Niedersachsen: Feuerwehr rettet entkräftetes Reh aus Pool

Einsatzkräfte der Feuerwehr haben im niedersächsischen Celle ein Reh aus einem Pool gerettet. Das Tier schaffte es am Samstagmorgen nicht aus eigener Kraft aus dem Wasserbecken, wie die Freiwillige Feuerwehr Celle am Montagabend berichtete.

Abholzung im Amazonas auf niedrigstem Stand seit einem Jahrzehnt

Die Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet ist auf den niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt gesunken. In der Periode von August 2025 bis Juli 2026 seien 2874 Quadratkilometer Wald zerstört worden, teilten die Behörden am Freitag unter Berufung auf Satellitendaten mit. Dies seien 37 Prozent weniger als in den zwölf Monaten davor - und der niedrigste Stand seit der genauen Erfassung der Abholzung im Jahr 2016.

Textgröße ändern: