Deutsche Tageszeitung - TÜV-Verband: E-Autos in Deutschland "auf dem Weg zum Mainstream"

TÜV-Verband: E-Autos in Deutschland "auf dem Weg zum Mainstream"


TÜV-Verband: E-Autos in Deutschland "auf dem Weg zum Mainstream"
TÜV-Verband: E-Autos in Deutschland "auf dem Weg zum Mainstream" / Foto: © AFP/Archiv

Elektroautos stehen in Deutschland nach Angaben des TÜV-Verbands vor dem Durchbruch im Massenmarkt. Eine breite Mehrheit der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger fordert laut einer neuen Mobilitätstudie des Verbands außerdem einen stärkeren Ausbau von ÖPNV und sicherer Verkehrsinfrastruktur - gerade auch mit Blick auf schwächere Verkehrsteilnehmer. Eine "heiße Kartoffel" bleibt allerdings die Frage, inwiefern auch Einschränkungen für den Autoverkehr wünschenswert sind.

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"Elektrofahrzeuge sind auf dem Weg zum Mainstream", fasste der Geschäftsführer des TÜV-Verbands, Joachim Bühler, die Ergebnisse der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie zusammen. Demnach sind E-Autos zwar bislang noch die Ausnahme - lediglich neun Prozent der Befragten geben an, dass es in ihrem Haushalt bereits ein entsprechendes Fahrzeug gibt; bei Hybridautos sind es acht Prozent.

Bei der Frage allerdings, welche Antriebsart sie bei einem Kauf grundsätzlich bevorzugen würden, gibt die Hälfte der Befragten ein reines Elektroauto oder eines mit Hybridantrieb an (jeweils 25 Prozent). Einen Verbrennungsmotor für Benzin, Diesel oder Gas präferieren dagegen insgesamt nur 35 Prozent.

Elf Prozent sind unentschlossen oder würden gar kein Auto kaufen wollen, vier Prozent würden einen Pkw mit Wasserstoffantrieb bevorzugen. Für die Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands befragte das Institut Forsa im März und April repräsentativ 2504 Menschen ab 18 Jahren.

Zum Umdenken bewegt hätten viele Menschen "ein breites Angebot an E-Autos, neue staatliche Förderungen und nicht zuletzt die hohen Spritpreise", erläuterte Bühler. Dass die E-Mobilität vor dem Durchbruch stehe, belegten auch die aktuellen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA), sagte er - und auch der Markt für elektrische Gebrauchtwagen ziehe "kräftig" an.

Zugleich gibt es laut der Umfrage weiterhin auch Vorbehalte gegenüber E-Autos: An der Spitze stehen die hohen Anschaffungskosten, die 57 Prozent der Befragten nennen. Dahinter folgt laut Bühler die "Reichweitenangst" - 52 Prozent sagen, dass eine zu geringe Reichweite gegen die Anschaffung eines E-Autos spreche; zu wenige Ladestationen nennen 50 Prozent. Verbreitet ist zudem die Befürchtung einer möglichen Brandentwicklung bei E-Autos. Bühler hob diesbezüglich allerdings hervor, dass Elektroautos aus Sicht des TÜV-Verbands nicht unsicherer sind.

Insgesamt ist laut der Mobilitätsstudie der Pkw weiter das mit Abstand wichtigste Verkehrsmittel: 83 Prozent der Befragten nutzen mindestens einmal pro Woche ein Auto. 63 Prozent gehen zu Fuß. Jeder fünfte Befragte (20 Prozent) ist mit einem klassischen Fahrrad unterwegs, 14 Prozent mit einem E-Bike und ein Prozent mit dem Lastenrad. Jeder Fünfte (20 Prozent) nutzt regelmäßig den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und sieben Prozent Regionalbahnen. Motorräder kommen auf drei Prozent und E-Scooter auf zwei Prozent.

Mehr als drei von vier Bundesbürgern (76 Prozent) fordern, dass die Politik den ÖPNV stärker fördert als bisher - und 72 Prozent wünschen sich das auch für den Regional- und Fernbahnverkehr. Dies sei "ein klarer Auftrag an die Politik", erklärte Bühler. Mehrheitlich kritisch wird außerdem der Zustand von Straßen, Rad- und Gehwegen gesehen - nötig ist aus Sicht der Umfrageteilnehmer insbesondere, die Belange schutzbedürftiger Gruppen bei der Planung und Gestaltung der Infrastruktur besser zu berücksichtigen. "Die Bedürfnisse der schwächeren Verkehrsteilnehmer müssen zum verbindlichen Maßstab werden", forderte Bühler - auch mit Blick auf die sogenannte Vision Zero, also das Ziel von null Verkehrstoten.

Umstritten bleibt indes die Frage, ob und wie der Autoverkehr in den Innenstädten reduziert werden kann. Hier halten sich Befürworter und Gegner möglicher Einschränkungen wie beispielsweise einer Citymaut oder einer Verringerung von Parkmöglichkeiten die Waage. Das Thema bleibe eine "politisch heiße Kartoffel", sagte Bühler.

Deutlich größere Einigkeit besteht allerdings darin, dass der Ausbau des ÖPNV zur Verringerung des Autoverkehrs taugen würde - dies sagen mehr als neun von zehn Befragten (91 Prozent). 77 Prozent befürworten mehr Park-and-Ride-Flächen am Stadtrand und 69 Prozent die Förderung des Radverkehrs.

(G.Khurtin--DTZ)

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