Deutsche Tageszeitung - "Katastrophales Jahr" für Schweizer Gletscher: 2026 Eisverlust von gut fünf Prozent

"Katastrophales Jahr" für Schweizer Gletscher: 2026 Eisverlust von gut fünf Prozent


"Katastrophales Jahr" für Schweizer Gletscher: 2026 Eisverlust von gut fünf Prozent
"Katastrophales Jahr" für Schweizer Gletscher: 2026 Eisverlust von gut fünf Prozent / Foto: © AFP

Ein "katastrophales Jahr" für die Gletscher in der Schweiz: Die Hitzewelle in Europa und ein schneearmer Winter haben die anhaltende Gletscherschmelze in dem Alpenland weiter beschleunigt. Die Schweizer Gletscher verloren in diesem Jahr 5,5 Prozent ihrer Masse, wie das Schweizerische Gletschermessnetz Glamos am Donnerstag mitteilte. Damit wurde 2026 der zweitstärkste Gletscherschwund seit Beginn der Aufzeichnungen verzeichnet.

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Zwischen 2022 und 2026 war die Gletscherschmelze laut der Studie "mehr als doppelt so hoch wie in jedem zuvor beobachteten Fünfjahreszeitraum". Binnen fünf Jahren verloren die Gletscher demnach fast ein Fünftel ihrer Masse. In den Jahren 1990 bis 2000 hatte der Rückgang dem Bericht zufolge noch bei zehn Prozent gelegen, in den vergangenen zehn Jahren bei 27 Prozent.

Die Monate Juni, Juli und August waren nach Angaben des Schweizer Wetterdienstes die heißesten in der Schweiz seit Beginn der Aufzeichnungen 1864. Dem Glamos-Bericht zufolge war die schützende Schneedecke auf den Gletschern in diesem Jahr bereits während der Hitzewellen im Juni teilweise geschmolzen. Bis September war sie demnach selbst in großen Höhen komplett verschwunden. "Unter solchen Bedingungen haben die Alpengletscher keine Chance, langfristig zu überleben", erklärte Glamos.

Derzeit gibt es in der Schweiz noch knapp 1300 Gletscherformationen. Auf der intensiven Vermessung von 23 von ihnen beruht der nun vorgelegte Glamos-Bericht. Bei vier größeren Gletschern wurde eine Rekord-Schmelze festgestellt, darunter der Rhonegletscher und der Aletschgletscher, bei dem es sich um den größten Gletscher der Alpen handelt.

Glamos-Leiter Matthias Huss sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem "katastrophalen Jahr". Ihm zufolge waren die 2026 geschmolzenen Eismengen "enorm". Besonders sichtbar sei dies an dem in knapp 3000 Metern Höhe gelegenen Scex Rouge. Dieser Gletscher wird dem Forscher zufolge "nicht überleben". "In zehn oder vielleicht fünfzehn Jahren wird es wahrscheinlich kein Eis mehr geben", sagte Huss auf dem schwindenden Gletscher.

In der Schweiz, wo fast 50 Gipfel auf einer Höhe von über 4000 Metern liegen, haben die Gletscher zwar bessere Chancen als in Österreich, die immer heißeren Sommer zu überstehen. Dennoch warnen Wissenschaftler, dass die Schweizer Gletscher bis zum Ende dieses Jahrhunderts fast vollständig verschwinden könnten.

Das Volumen der Gletscher in den Alpen geht seit mehr als einem Jahrhundert zurück. In den vergangenen Jahrzehnten beschleunigte sich diese Entwicklung aufgrund der vom Menschen verursachten Erderwärmung.

Laut dem Schweizer Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie erwärmt sich die Schweiz doppelt so stark wie der globale Durchschnitt. Dieses Jahr war es in den Sommermonaten Juni bis August so heiß wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1864.

Mit dem Schwinden der Gletscher wachsen auch die Sorgen um die künftige Trinkwasserversorgung. Schließlich sind Gletscher wichtige Wasserspeicher. Dieses Jahr verloren die Schweizer Gletscher zwischen Juli und September etwa 2,2 Billionen Liter Wasser. Diese Menge sei "schwer vorzustellen", erklärte Glamos-Chef Huss. "Das entspricht mehr als dem Vierfachen des jährlichen Süßwasserverbrauchs aller Schweizer Haushalte."

(V.Sørensen--DTZ)

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