Deutsche Tageszeitung - Beispielloser El Niño: Eindringlicher UN-Appell für gemeinsame Schutzvorkehrungen

Beispielloser El Niño: Eindringlicher UN-Appell für gemeinsame Schutzvorkehrungen


Beispielloser El Niño: Eindringlicher UN-Appell für gemeinsame Schutzvorkehrungen
Beispielloser El Niño: Eindringlicher UN-Appell für gemeinsame Schutzvorkehrungen / Foto: © AFP

Wegen einer beispiellosen Intensität des gegenwärtigen Klimaphänomens El Niño haben die Vereinten Nationen eindringlich zu gemeinsamen Schutzvorkehrungen für die am stärksten betroffenen Menschen aufgerufen. "Heute richten wir einen gemeinsamen Appell an die internationale Gemeinschaft, dringend und koordiniert vorausschauend zu handeln", erklärte die Generalsekretärin der Weltmeteorologie-Organisation (WMO), Celeste Saulo, am Mittwoch in Genf. Die Stärke des gegenwärtigen El Niño wird demnach voraussichtlich die bisherigen Messskalen überschreiten.

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"Wir können El Niño nicht aufhalten, aber wir können viele seiner schlimmsten Folgen für die Menschen verhindern", mahnte Saulo. UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher rief Staaten, Entwicklungsbanken und internationale Finanzinstitute auf, "Finanzierungen unter diesem Gesichtspunkt freizugeben, bevor die Schäden eintreten und nicht danach".

Laut WMO-Chefin Saulo könnte der gegenwärtige El Niño "eine nie da gewesene Intensität" erreichen. Voraussichtlich werde er dabei "wortwörtlich die Messskalen überschreiten, die wir seit vier Jahrzehnten verwenden".

Fletcher nannte das gegenwärtige Klimaphänomen "eine wahrhaft zerstörerische Kraft", die "Lateinamerika, Ost- und Südafrika, Asien sowie die Pazifikregion mit voller Wucht treffen" werde. "Dies wird Erschütterungen der Weltwirtschaft verursachen und Konflikte, Vertreibungen von Bevölkerungen sowie die Migration weiter anheizen", warnte der UN-Nothilfekoordinator. Diese Herausforderung erfordere "eine vollständige Mobilisierung und international koordinierte Verantwortung".

Bei dem natürlich auftretenden Klimaphänomen erwärmt sich die Wasseroberfläche im östlichen und zentralen Pazifik nahe des Äquators, was weltweit Auswirkungen auf Wind, Luftdruck und Niederschläge hat. In der Folge steigt das Risiko für Wetterextreme.

Wegen der schädlichen El-Niño-Auswirkungen hat Fletcher nach eigenen Angaben 50 Millionen Dollar (44,5 Millionen Euro) aus dem zentralen Nothilfefonds des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha) mobilisiert. Das Geld soll an elf besonders betroffene Staaten wie El Salvador, Somalia, Südsudan, Äthiopien und den Tschad gehen. Das System der humanitären Hilfe könne aber nicht allein "eine Bedrohung dieses Ausmaßes" bewältigen, betonte er.

Afrikanische Länder müssen sich laut Fletcher wegen El Niño auf heftige Regenfälle einstellen, asiatische Staaten und der Pazifikraum auf "Dürren, Überschwemmungen und Zyklone". Der UN-Vertreter betonte, es gebe zwei Alternativen: Die internationale Gemeinschaft könne entweder "auf die Katastrophe warten oder in Widerstandsfähigkeit investieren".

Üblicherweise tritt das Phänomen El Niño alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert zwischen neun und zwölf Monate an. In Kombination mit dem menschengemachten Klimawandel könnte El Niño Experten zufolge 2027 zum weltweit heißesten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen machen.

Im zentralen und östlichen Pazifik nahe des Äquators, der Kernregion eines El Niño, stieg die Temperatur der Meeresoberfläche im Zuge des aktuellen El Niño laut WMO-Angaben von 1,6 Grad über dem Normalwert im Juni auf 2,5 Grad über dem Normalwert im August. Für Oktober, November und Dezember wird dort mit einer Meeresoberflächentemperatur von fast 3,7 Grad über dem Normalwert gerechnet. Seit Beginn der Messungen lag der Rekord bei 2,6 Grad in den Jahren 2015/2016.

Der gegenwärtige El Niño trifft einige Erdregionen bereits hart, darunter Zentralamerika, wo Tiere und Ernten wegen der Dürre zugrunde gehen. Seinen Höhepunkt erreicht ein El Niño in der Regel zwischen November und Februar, der daraus resultierende Temperaturanstieg macht sich typischerweise aber erst später bemerkbar.

(L.Møller--DTZ)

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