Deutsche Tageszeitung - Scholz schlägt im Streit um Verbrennermotoren in Brüssel Kritik entgegen

Scholz schlägt im Streit um Verbrennermotoren in Brüssel Kritik entgegen


Scholz schlägt im Streit um Verbrennermotoren in Brüssel Kritik entgegen
Scholz schlägt im Streit um Verbrennermotoren in Brüssel Kritik entgegen / Foto: © BELGA/AFP

Auf dem EU-Gipfel in Brüssel ist Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Streit um die Zukunft von Autos mit Verbrennermotoren heftige Kritik entgegengeschlagen. "Es ist verstörend, wenn eine Regierung nach anfänglicher Zustimmung plötzlich den Rückwärtsgang einlegt", sagte der lettische Regierungschef Krisjanis Karins am Donnerstag. "Das ist ein sehr schwieriges Zeichen für die Zukunft", fügte er hinzu. Scholz zeigte sich hingegen überzeugt, dass eine Einigung in Reichweite sei.

Textgröße ändern:

Das Thema stand nicht offiziell auf der Tagesordnung des Gipfels, wurde aber von mehreren Staats- und Regierungschefs bei ihrem Eintreffen angesprochen. Das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten hatten sich im Oktober geeinigt, dass von 2035 an keine Autos mehr mit Verbrennermotor verkauft werden sollen. Deutschland bremste den Beschluss jedoch in letzter Minute aus, um eine Ausnahme für synthetische Kraftstoffe auszuhandeln; diese gelten als teuer und ineffizient.

Karins warnte vor Schäden für die komplizierte Architektur der Entscheidungsfindung in der EU, wenn das deutsche Beispiel Schule mache. Der belgische Ministerpräsident Alexander De Croo kündigte an, er wolle in dieser Frage Druck auf Scholz machen: "Die meisten Länder sagen, wir haben diese Hürde genommen und können den Kurs nicht einfach ändern", betonte er mit Blick auf das bereits vereinbarte Verbrenner-Aus.

Der luxemburgische Regierungschef Xavier Bettel warnte davor, den deutschen Forderungen zu großen Raum auf dem Gipfel einzuräumen: "Wir haben ja eine Agenda, und es ist kein Wunschkonzert, wenn wir nach Brüssel kommen", sagte Bettel.

Scholz sah seinerseits die Gespräche zwischen der Bundesregierung und der EU-Kommission "auf gutem Weg". Er verwies auf die Zusage der Kommission, eine Lösung für synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, zu prüfen. "Es geht jetzt eigentlich nur noch ganz pragmatisch darum, den richtigen Weg zu finden, diese von der Kommission ja längst gegebene Zusage umzusetzen", fügte Scholz hinzu.

"Es ist immer richtig, sich an die eigenen Zusagen zu halten", betonte er mit Blick auf die EU-Kommission. Tatsächlich ist der Prüfauftrag bereits in dem Gesetz enthalten. Allerdings sieht er keine Frist vor, innerhalb derer sich die EU-Kommission dazu äußern soll.

Auch EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola mischte sich in den Streit ein und forderte, die Regel wie beschlossen "ohne weitere Verzögerung" anzunehmen. "Die Entscheidung, den Gesetzgebungsprozess zu dem vereinbarten Text zu verzögern, unterminiert die Glaubwürdigkeit des gesamten legislativen Prozesses auf EU-Ebene", warnte Metsola in dem von der "Süddeutschen Zeitung" am Donnerstag in Auszügen veröffentlichten Schreiben.

Als Sondergast bei dem EU-Gipfel war UN-Generalsekretär António Guterres eingeladen, der zu Beginn des Treffens zu einem entschiedeneren Kampf gegen den Klimawandel aufrief. "Der jüngste Bericht des Weltklimarats zeigt, wie dramatisch die Lage ist", sagte Guterres. "Wir sind kurz vor dem Punkt, an dem das 1,5-Grad-Ziel nicht mehr erreichbar ist", sagte Guterres weiter. "Wir müssen sehr entschieden handeln, (...) und dabei setzen wir auf die Führungsrolle der EU." Das Verbrenner-Aus gilt als wichtiger Baustein, damit die EU ihre Klimaziele erreichen kann.

Am Nachmittag war ein Video-Gespräch mit dem ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj geplant. Die EU-Spitzen wollen bei dem Gipfel milliardenschwere Munitionslieferungen an die Ukraine billigen, binnen eines Jahres sollen eine Million Schuss Artillerie-Munition an Kiew geliefert werden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollte erst am Nachmittag zum Gipfel kommen. Es wurde erwartet, dass sich Macron für eine "strategische Diskussion" über die Rolle der Atomkraft bei der Dekarbonisierung der Wirtschaft einsetzt - ein weiteres Thema, bei dem Frankreich und Deutschland unterschiedlicher Meinung sind.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

ADAC warnt vor zusätzlichen Milliardenkosten durch Winterschäden an Straßen

Der Automobilclub ADAC rechnet mit zusätzlichen Milliardenschäden an deutschen Straßen durch die wiederkehrenden Wintereinbrüche. Vor allem der häufige Wechsel von Plus- und Minusgraden während der vorangegangenen Wochen schädige Fahrbahnen und lasse neue Schlaglöcher entstehen, erklärte der ADAC am Sonntag in München. Die Winterschäden seien nach seiner Einschätzung größer als in den vorigen Jahren und könnten "in die Milliarden gehen". Insbesondere kommunale Straßen seien betroffen.

Verkehrsprobleme durch Eisregen - Flughafen Berlin-Brandenburg zeitweise lahmgelegt

Weite Teile Deutschlands kämpfen weiter mit Eis und Schnee. Gefrierender Regen sorgte am Freitag für massive Verkehrsprobleme in einem breiten Streifen von der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste bis nach Berlin. Am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) waren nach Betreiberangaben wegen extremer Glätte über Stunden keine Starts und Landungen möglich, der Flugbetrieb lief erst am Freitagmittag wieder an. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ereigneten sich teils tödliche Autounfälle.

Weiter große Probleme durch Eisregen - Flughafen Berlin-Brandenburg lahmgelegt

Große Teile Deutschlands kämpfen weiter mit Schnee und Eis. Gefrierender Regen sorgte am Freitag für erhebliche Probleme in einem breiten Streifen von der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste bis nach Berlin. Am Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg (BER) waren nach Betreiberangaben zunächst keine Starts und Landungen möglich, der Flugbetrieb sollte voraussichtlich erst am Mittag wieder aufgenommen werden.

Weiter große Probleme durch Eisregen - Flughafen Berlin-Brandenburg steht still

Gefrierender Regen sorgt weiterhin für erhebliche Probleme in Teilen Ostdeutschlands. Am Freitagmorgen galten entsprechende Unwetterwarnungen des Wetterdienstes für einen breiten Streifen von der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern bis nach Berlin. Am Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg (BER) waren nach Betreiberangaben auch am Freitag zunächst keine Starts und Landung wegen der Wetterbedingungen möglich.

Textgröße ändern: