Deutsche Tageszeitung - Umweltschützer reichen Klagen gegen Öko-Siegel für Atom und Gas ein

Umweltschützer reichen Klagen gegen Öko-Siegel für Atom und Gas ein


Umweltschützer reichen Klagen gegen Öko-Siegel für Atom und Gas ein
Umweltschützer reichen Klagen gegen Öko-Siegel für Atom und Gas ein / Foto: © AFP

Greenpeace und weitere Umweltorganisationen ziehen gegen die europaweite Einstufung von Erdgas und Atomenergie als "nachhaltig" vor Gericht. Greenpeace, der BUND, der WWF und andere reichten am Dienstag beim Gericht der Europäischen Union in Luxemburg Klagen gegen die EU-Kommission ein, wie die Umweltschützer mitteilten. Sie werfen der Behörde von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen "Greenwashing" vor.

Textgröße ändern:

Atomenergie und Gas tragen seit Anfang 2022 in der Europäischen Union eine Art Öko-Siegel. Grundlage ist die sogenannte Taxonomie-Verordnung zur Klassifizierung nachhaltiger Energiequellen von 2020, die die Kommission um diese beiden Energiequellen erweiterte. Konkret können damit Finanzprodukte wie Fonds als "nachhaltig" beworben werden, auch wenn sie Investitionen in Gas- oder Atomkraftwerke vorsehen.

"Atom und Gas können nicht nachhaltig sein", erklärte dazu die Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland, Nina Treu. "Grünes Geld darf nicht für Industrien missbraucht werden, die uns erst in die Natur- und Klimakrise geführt haben. Es muss in erneuerbare Energien und den zukunftsfähigen Umbau hin zu einer sozial-ökologischen Wirtschaft fließen." Nach Greenpeace-Angaben will etwa der französische Atompark-Betreiber Electricité de France (EDF) "grüne Anleihen" an Investoren ausgeben.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) reichte zusammen mit dem europäischen Büro des WWF und anderen Organisationen eine separate Klage gegen das Öko-Siegel für Erdgas bei dem EU-Gericht ein. "Vermeintlicher Klimaschutz durch Etikettenschwindel ist inakzeptabel", erklärte der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt.

Zuvor hatte bereits die Regierung von Österreich gegen das Nachhaltigkeitssiegel für Atom und Gas geklagt. Die Brüsseler Einstufung gilt als typischer Kompromiss zwischen deutschen und französischen Interessen: Für die Nuklearenergie macht sich vor allem Frankreich auf EU-Ebene stark; mit der Einstufung von Erdgas kann dagegen die Bundesregierung wegen dessen Bedeutung für die deutsche Industrie gut leben.

(M.Travkina--DTZ)

Empfohlen

Weniger Sterbefälle in drittem Quartal - Vorübergehender Anstieg in heißen Wochen

Die Zahl der Sterbefälle in Deutschland ist im dritten Quartal dieses Jahres im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. Insgesamt starben von Juli bis September 3000 Menschen weniger als im Jahresmittel von 2022 bis 2025, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.

Fünf Tote durch Hurrikan "Simon" und Sturm "Rachel" in Mexiko

Bei schweren Überschwemmungen durch die Wirbelstürme "Simon" und "Rachel" sind an der mexikanischen Pazifikküste mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Durch Tropensturm "Rachel" starben vier Mitglieder einer Familie, darunter zwei Kinder, wie die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Baja California am Montag (Ortszeit) erklärte. Fünf weitere Menschen würden noch vermisst, 32 Menschen seien mit Hubschraubern gerettet worden.

Hurrikan "Simon" ändert Kurs und dürfte Mexiko verschonen

Der Hurrikan "Simon" hat seinen Kurs geändert und dürfte nach Angaben der Experten Mexiko verschonen. Laut Daten von Aufklärungsflugzeugen bewegte sich der Wirbelsturm zuletzt langsamer voran und sollte sich der mexikanischen Westküste am Montag bis auf maximal 15 Kilometer nähern. Dennoch drohten den Küstengebieten nach Angaben des Wetterdienstes weiter starker Wind, hohe Wellen und extreme Regenfälle.

EU-Klimadienst Copernicus: Neuer Temperaturrekord im Pazifik durch El Niño

Das derzeit herrschende Klimaphänomen El Niño hat die Wassertemperaturen im Pazifik noch vor seinem erwarteten Höhepunkt im Dezember auf Rekordniveau aufgeheizt: In einer Referenz-Messregion im Pazifik namens Niño 3.4 erreichte die Temperatur des Oberflächenwassers im September ein "Allzeithoch" von 29,7 Grad Celsius, wie der EU-Klimadienst Copernicus am Montag mitteilte. Auch weltweit waren die Meere so warm wie nie zu vor.

Textgröße ändern: