Deutsche Tageszeitung - G20-Gipfel startet mit Auftakt für globale Allianz gegen den Hunger

G20-Gipfel startet mit Auftakt für globale Allianz gegen den Hunger


G20-Gipfel startet mit Auftakt für globale Allianz gegen den Hunger
G20-Gipfel startet mit Auftakt für globale Allianz gegen den Hunger / Foto: © AFP

Zur Eröffnung des G20-Gipfels in Brasilien hat Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva sein Herzensprojekt, eine globale Allianz gegen den Hunger und die Armut, gestartet. Hunger sei eine "Geißel, die die Menschheit beschämt", sagte Lula am Montag in Rio de Janeiro. Nach anfänglicher Ablehnung schloss sich offenbar auch Argentinien der Initiative an.

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Die neue Allianz setzt sich insbesondere für eine bessere Ernährung im frühen Kindesalter, kostenlose Schulkantinen und die Unterstützung kleiner landwirtschaftlicher Betriebe ein. Ziel ist es, den Zugang zu Nahrungsmitteln und deren Qualität für 150 Millionen Kinder bis zum Ende des Jahrzehnts zu verbessern.

Bei dem zweitägigen Gipfel sollte es neben der Bekämpfung von Hunger und Armut auch um Wege zur globalen Energiewende und gerechte Bedingungen in der Wirtschaftspolitik gehen. Der G20 gehören große Industrie- und Schwellenländer, die EU sowie die Afrikanische Union (AU) an.

Für Gastgeber Lula war der Start der Allianz gegen Hunger ein Erfolg gleich zu Beginn des Gipfels. Allerdings gab es Irritationen um die Rolle Argentiniens. Auf der Liste von 81 Staaten, die in einer schriftlichen Mitteilung der brasilianischen Präsidentschaft als Mitglieder der Allianz genannt wurden, stand Argentinien zunächst nicht. Später verlautete dann aus brasilianischen Regierungskreisen, Argentinien schließe sich nun doch der Allianz gegen den Hunger an.

Auch zahlreiche Organisationen traten der Allianz bei, auf der Liste standen insgesamt 147 Unterzeichner. Die Hilfsorganisation Oxfam erklärte, die Allianz könnte ein "Wendepunkt" sein, forderte aber zugleich weitergehende Veränderungen in der Landwirtschaft und bei Landrechten.

Ein Gesandter von Papst Franziskus, Kardinal Pietro Parolin, verlas eine Botschaft des Kirchenoberhaupts, das darauf verwies, dass der Vatikan schon lange fordere, das Geld für "Waffen und andere Militärausgaben" stattdessen für den globalen Kampf gegen den Hunger zu verwenden.

Lula ist eine Führungsfigur der lateinamerikanischen Linken, die Allianz gegen den Hunger geht auf die persönliche Initiative des ehemaligen Stahlarbeiters aus armen Verhältnissen zurück. Ziel des überaus ehrgeizigen Projekts ist es, den Hunger und die Armut in der Welt bis zum Jahr 2030 zu eliminieren und Ungleichheiten zu reduzieren.

Wie Lula den ultrarechten argentinischen Präsidenten Javier Milei offenbar doch noch überzeugen konnte, der Allianz beizutreten, war zunächst unklar. Milei ist ein scharfer Kritiker des Multilateralismus und setzt auf drastischen Abbau staatlicher Leistungen und Institutionen. Der argentinische Staatschef ist ein Verbündeter des ehemaligen und künftigen US-Präsidenten Donald Trump.

Brasilien steht zudem an der Spitze eines Vorstoßes für höhere Steuern für Milliardäre. Auch dagegen hat sich Milei gewendet. Die Passage dazu in der vorbereiteten Gipfelerklärung könnte von Buenos Aires blockiert werden.

Die G20-Staats- und Regierungschefs stehen zudem unter Druck, die UN-Klimaverhandlungen in Aserbaidschan zu retten, die in der Frage einer größeren Klimafinanzierung für Entwicklungsländer ins Stocken geraten sind.

UN-Generalsekretär António Guterres verlangte von den größten Volkswirtschaften der Welt, die für 80 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich sind, in Rio "Führungsstärke" in dieser Frage zu zeigen. Die UNO strebt eine Billion Dollar pro Jahr für die Entwicklungsländer an, um die Folgen der globalen Erwärmung zu bekämpfen.

Auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Konflikte im Nahen Osten spielen bei dem Treffen in Rio eine Rolle. Zu Beginn des Gipfels rief US-Präsident Joe Biden die G20-Staaten zur Unterstützung der "Souveränität" der Ukraine auf.

(W.Budayev--DTZ)

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