Deutsche Tageszeitung - UN-Bericht zeigt komplexe Zusammenhänge globaler Krisen auf

UN-Bericht zeigt komplexe Zusammenhänge globaler Krisen auf


UN-Bericht zeigt komplexe Zusammenhänge globaler Krisen auf
UN-Bericht zeigt komplexe Zusammenhänge globaler Krisen auf / Foto: © AFP/Archiv

Biodiversität, Klima, Gesundheit: Unsere Konsumgewohnheiten wirken sich Experten zufolge auf die verschiedenen Krisen weltweit aus und führen zur Zerstörung wichtiger Ökosysteme. Laut einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) tragen der übermäßige Konsum und eine nicht-nachhaltige Landwirtschaft nicht zur Erhöhung der Treibhausgasemissionen, sondern auch zur Verschmutzung der Umwelt und einem Verlust der Artenvielfalt bei. Alle Krisen, die den Planeten bedrohen, "hängen zusammen", lautet das Fazit der 165 UN-Experten. Allerdings kann die Bekämpfung einer Krise auch zur Verschlimmerung einer anderen führen.

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Drei Jahre lang haben die Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern die komplexen Zusammenhänge zwischen dem Verlust von Biodiversität, der globalen Erwärmung und den Bedrohungen für Wasser, Ernährung und Gesundheit erforscht und listen diese in dem nun veröffentlichten Bericht auf. Zudem beleuchten sie die Rolle des Menschen als Treiber der Krisen. Das Ergebnis und entsprechende Empfehlungen wurden nun von fast 150 Ländern nach zähen Verhandlungen bei einem internationalen Treffen des IPBES in Namibia angenommen.

Die Experten kommen zu zwei wichtigen Erkenntnissen: So bestehe "die reale Gefahr, dass wir eine Krise lösen, indem wir die anderen verschlimmern", betonte eine der leitenden Mitautorinnen, Paula Harrison. Gleichzeitig gibt es aber auch Lösungen, die sich auf alle Krisen anwenden lassen.

Korallenriffe sind laut dem Bericht durch die Erderwärmung und die Überfischung und Verschmutzung der Ozeane bedroht und gehören zu den weltweit am meisten gefährdetsten Ökosystemen. Der in den kommenden Jahrzehnten drohende Verlust hat demnach Auswirkungen auf rund eine Milliarde Menschen, denen die Riffe entweder als Nahrungsquelle, als Einkommensquelle durch den Tourismus oder als Schutz vor Stürmen dienen.

"Aber selbst wenn das Klimaproblem gelöst würde, würden die Korallenriffe weiterhin von Umweltverschmutzung, Überfischung und anderen Bedrohungen betroffen sein", betont die leitende Co-Autorin Pamela McElwee.

Ebenso kann das Pflanzen von Bäumen zur Reduzierung von klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid dem örtlichen Ökosystem schaden, wenn die Arten falsch ausgewählt werden, oder die landwirtschaftliche Flächen verringern. Der Bau von klimafreundlichen Windkraftanlagen kann den Experten zufolge negative Auswirkungen auf die Sterblichkeit von Vögeln un Fledermäusen haben.

Allerdings gibt es auch Lösungen, die sich positiv auf alle Krisen auswirken: Dazu gehört laut McElwee zum Beispiel die Ausweisung von Meeresschutzgebieten. "Diese Gebiete haben die Artenvielfalt erhöht, den Fischreichtum zur Ernährung der Bevölkerung gesteigert, das Einkommen der lokalen Gemeinschaften verbessert und oft auch die Einnahmen aus dem Tourismus gesteigert", betont sie. Auch die Reduzierung des Fleischkonsums kann demnach eine Vielzahl positiver Effekte haben.

Zwar konnten sich die Experten bei dem Treffen in Namibia auf einvernehmliche Empfehlungen einigen, allerdings wurde wie bei anderen UN-Gipfeln in diesem Jahr teilweise um wesentliche Formulierungen gerungen. Laut dem unabhängigen Berichterstattungsdienst Earth Negotiations Bulletin bestand sogar Uneinigkeit darüber, ob der Begriff "Klimawandel" in den Titel des Berichts aufgenommen werden sollte. Am Ende fiel er weg.

Auch bei der UN-Klimakonferenz in Aserbaidschan, der UN-Artenschutzkonferenz in Kolumbien und bei den Verhandlungen über ein internationales Abkommen zur Verringerung von Plastikmüll in Südkorea hatten die teilnehmenden Länder Mühe, einen Konsens zu finden. Oftmals standen die Interessen der reichen Industrieländer denen der besonders betroffenen Entwicklungsländer entgegen.

Die UN-Artenschutzkonferenz geht im Februar in eine zweite Runde. Ziel ist eine Einigung in Finanzierungsfragen. Wissenschaftlerin McElwee sagte nun, es sei ein "großes Unterfangen", die Regierungen davon zu überzeugen, mehrere Krisen auf einmal anzugehen. "Aber ich hoffe, dass unser Bericht deutlich macht, dass es die Mühe wert ist."

(M.Dorokhin--DTZ)

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