Deutsche Tageszeitung - COP30 in Brasilien: Lobbyisten für CO2-Abscheidung stark präsent

COP30 in Brasilien: Lobbyisten für CO2-Abscheidung stark präsent


COP30 in Brasilien: Lobbyisten für CO2-Abscheidung stark präsent
COP30 in Brasilien: Lobbyisten für CO2-Abscheidung stark präsent / Foto: © AFP/Archiv

Unternehmen, die sich für den Einsatz der sogenannten CCS-Technologie zum Abscheiden und Einlagern von CO2 stark machen, sind bei der Klimakonferenz COP30 in Brasilien stark vertreten. Die Umweltorganisation Center for International Environmental Law (Ciel) bringt mehr als 500 COP-Teilnehmer mit dem umstrittenen Thema in Verbindung. Das sind relativ zur gesamten Teilnehmerzahl deutlich mehr als bei den vorherigen Klimakonferenzen in Dubai und Baku.

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Ciel nennt insbesondere Öl- und Gasriesen wie ExxonMobil, Shell, BP, die brasilianische Staatsgesellschaft Petrobras und die China National Petroleum Corporation. Auch etwa der US-Technologiekonzern Amazon setzt sich demnach stark für CCS ein, ebenso der Hafen von Antwerpen-Brügge oder der kanadische Holzproduzent West Fraser Timber.

Insgesamt 531 bei der COP30 in Belém registrierte Lobbyisten zählen die Umweltschützer auf. Bei der COP28 in Dubai waren es demnach 475, bei der COP28 in Baku 480 - bei jeweils mehr Teilnehmern als in Belém.

Dies "verdeutlicht den enormen Aufwand an Energie und Macht, den die fossile Brennstoffindustrie investiert, um ihre Zukunft zu sichern", erklärte Ciel. Es werde versucht "die Idee zu verkaufen, dass Regierungen und Unternehmen ihre Nutzung von Kohle, Öl und Gas durch die Abscheidung und 'Bewirtschaftung' von Emissionen 'sauber' machen können".

CCS steht für Carbon Capture and Storage. Dabei wird das Treibhausgas CO2 nicht in die Atmosphäre ausgestoßen, sondern abgeschieden und dann dauerhaft in tiefliegenden geologischen Gesteinsschichten gespeichert. Auch Klimaschützer sehen dies als gutes ergänzendes Instrument, das allerdings nur in Bereichen zum Einsatz kommen sollte, in denen CO2 nicht von vornherein eingespart werden kann, etwa in der Zementherstellung.

Sie befürchten jedoch, dass Staaten oder Unternehmen den Abschied von fossilen Energieträgern unter Hinweis auf die Option CCS auf die lange Bank schieben könnten. Zudem ist die CCS-Technologie selbst energieaufwendig, beim Einsatz in Kraftwerken dürfte deren Wirkungsgrad drastisch sinken.

Nach Angaben von Ciel verweisen die Ölkonzerne mittlerweile gerne auf die steigende Energienachfrage des boomenden KI-Sektors als Rechtfertigung für die Fortsetzung ihres Geschäfts "Doch CCS kann fossile Brennstoffe nicht 'sauber' machen", sagt Lili Fuhr von Ciel. "Die Welt braucht keine mit fossilen Brennstoffen betriebenen Tech-Fantasien, die das 'Business as usual' für große Umweltverschmutzer und Silicon-Valley-Milliardäre rechtfertigen'."

Ein Gesetz der Bundesregierung, das den Einsatz von CCS in Deutschland ermöglichen soll, wurde vor zwei Wochen im Bundestag verabschiedet. Im Grundsatz stammt es noch aus dem Bundeswirtschaftsministerium unter Robert Habeck (Grüne). Nachfolgerin Katherina Reiche (CDU) will aber noch stärker auf die Technologie setzen und sie unter anderem auch zum Einsatz an Gaskraftwerken zulassen.

(V.Sørensen--DTZ)

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